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Der Israelit · 1894-08-16 · Heft 65 (16.8.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 65 (16.8.1894)
Date
1894-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1201 inacheret dem Judenthum nach dem Muster anderer Confefsionen ausgepfropfte, durch und durch unjüdische Institut sich selbst das Grab gräbt, um so besser und um so schneller ist der Wiedergeburt des Judenthums im Lande, die wahrlich erschreckend dringlich noththut, der Weg gebahnt. Wenn wir dennoch der Bewegung, die jetzt gegen die verantwortliche Stelle allein sich kehrt, in den Arm zu fallen uns anschicken, so hat das einmal seinen Grund in einem Gebote der Ehrlichkeit. Man hat kein Recht dem Oberrath einen Vorwurf aus Maßnahmen zu machen, die er im Widerspruch mit dem jüdischen Fühlen und Denken der von ihm Vertretenen getroffen hat, nachdem man esstillschweigend mitangesehen hat, daß von dieser Behörde sorgfältigst all die Elemente ferngehalten wurden, die durch ihr jüdisches Fühlen und Denken sich als „orthodox" verdächtig gemacht hatten. So lange das Land durch sein Schweigen seine Zustimmung zu etnerZusammensetzung des Oberraths giebt, die eine im Land vertretene religiöse Anschauung ohne Weiteres ausschlteßt, so lange hat man kein Recht sich über Beschlüsse, wie die Censurirung des K. S. A. und was drum und dran hängt, zu beklagen. Zum Zweiten aber sehen wir in dieser Ableitung der berechtigen Indignation nach falscher Richtung hin die Gefahr, daß die eigentlichen Schuldigen der Kennzeichnung, die sie verdienen, entgehen und damit die wünschenswerte Klarheit über gewisse Bestrebungen hintangehalten wird. Die Veröffentlichung der eingeforderten Gutachten in der unzulänglichen Form, in der sie geschah, ist sicherlich schweren Tadels werth; aber was will dieser Mangel an richtiger Auffassung gegenüber dem Inhalt jener Gutachten besagen, der dem ganzen, unverhüllten Haß des modernen Reformjudenthums gegenüber dem traditionellen Schulchan-Aruch- Judenthum den unzweideutigsten Ausdruck gibt? Der Würdigung dieses Machwerks soll unser Schlußartikel gelten. Aas neue, alte Lied. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmau« in Baden (Schweiz.) (Fortsetzung.) .BTa nvö’B mm mn» moon „Die Erhebungen Gottes in ihren Kehlen werden zum zweischneidigen Schwert in ihrer Hand." Mit diesen Worten feiert das neue Lied, die alte Wahrheit, wie der Hauch des Gottesgeistes, der in Israels Inneren lebt und sich hinaus ins Leben ringt, reichen Ersatz bietet für die materielle Macht und ihre Vortheile, auf welche das Gottesvolk verzichten muß. Jakobs Stimme und Esaws Schwert kämpfen seit Jahrtausenden den Kampf, dessen Inhalt die Weltgeschichte bildet. In der Zeit, in welcher aus einer mmvli top, aus einer ganzen Gemeinschaft Gott vollkommen htngegebener Menschen dieses neue Lied erschallt, wird jener Kampf ausgekämpft sein, und zwar in dem Sinne, wie es die prophetische Verheißung verkündet: ,.rvm Es wird sich verwirklichen! Am Ende „der Zeiten wird festgegründet der Berg des „Gotteshauses stehen auf der Höhe der Berge, „getragen von Hügeln und zuströmen werden „ihm alle Völker. Viele Nationen werden dann „gehen und sprechen: Gehet, wir wollen hinauf- „ziehen zum Gottesberge, zum Hause des Gottes „Jakobs, daß er uns von seinen Wegen lehre „und wir in seinen Pfaden wandeln, denn von „Zljon wird die Thora ausgeben und das Wort „Gottes von Jeruscholajim. Es wird zwischen „den Völkern richten, es wird viele Nationen „zurechtweisen, sie werden umschmteden ihre „Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebmessern, kein Volk wird gegen ein Volk das „Schwert erheben und sie werden den Krieg nicht „mehr üben." (Jesaja II. 2—4.) Dieses Lied wirft aber einen Blick zurück auf die lange, lange Zeit, in welcher die wehrlos Zerstreuten, Schwachen der ganzen in Waffen starrenden Welt nichts entgegen zu halten hatten, als das Lob Gottes. Der Gottespreis, der sich aus ihren Gott treu entgegen schlagenden Herzen über die betenden Lippen rang, erwies sich stärker als das Schwert, welches sie unablässig bedrohte. Welches Zeugniß mächtiger Lebenskraft stellt der Judenhaß doch selber dem Gegenstand feines Hasses aus, wenn er List und Vorurtheil, Neid und Verleumdung, wenn er Schwert und Folter, kurz alle seine lichtscheuen Ausgeburten unter die Waffen rufen muß. um das vierthalb Jahrtausende zählende jüdische Volk todt zu lügen und todt zu schlagen! Und es gelingt ihm nicht. Wohl ist der Judenhaß so alt als die Geschichte des jüdischen Volkes, aber die Partisanen dieses Haffes sind es nicht. Egypten, Babel, Nom, alle seine kleinen und großen Verfolger unterlagen, nur das Verfolgte lebt und zwar als das bestgehaßte unter allen Nationen. Einzelne Laute des Gottespreises sind aus jüdischem Munde in die Menschheit gedrungen und haben dort Wunder gewirkt, vor welchen die Helden des Schwertes erbleichten und die Anwälte des verjährten Unrechtes ihre Sache aufgaben. Das Bewußtsein, daß es einen Gott giebt, der aller Menschen Vater ist, hat die Grundsätze der Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit aller Menschen

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