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Der Israelit · 1894-08-13 · Heft 64 (13.8.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 64 (13.8.1894)
Date
1894-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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nicht verlangen, daß er ohne genügende Vorkenntiüsse gleichsam alS^Ill p r\2WM pU’H unsere orthodoxe Uebcrzeugung schon jetzt vollkommen theilt, und sind wir gewiß einstweilen sehr zufrieden, wenn nur die innige Liebe zum Judenthum wiederkehrt. — Bon diesen versöhnlichen Gedanken geleitet, wollen wir hier die in auswärtigen Blättern erschieucncu Besprechungen der vorhergehenden Dichtungen des betr. Dichters, deren Inhalt unS indeß nicht bekannt ist, veröffentlichen.— „Israels Leiden" von Leopold Landau. Es ist eine tief bedeutsame Mahnung der Weisen aller gebildeten Völker und Religionen, daß der Mensch, selbst bei der gewissenhaften Wahrnehmung seiner Berufsgeschäfte, doch niemals der höheren Lebenszwecke, der Ausbildung des Geistes und der Erhebung des Gemüths, sich entziehen soll, weil er nur auf diese Weise seine wahre Bestimmung zu erfüllen vermag. Eingedenk dieser Mahnung widmet Herr Leopold Landau seine freie Zeit dem Studium und der Pflege der erhabenen Dichtkunst, und manches schöne Gelegenheitsgedicht war bisher die Frucht dieser idealen Wirksamkeit. Doch alle diese Leistungen werden übcrtroffen durch die vor einigen Tagen im Selbstverlag des Herrn Landau erschienene, 6 Druckbogen umfassende Dichtung „Israels Leiden", in welchem in wahrheitsgetreuer Darstellung die grausamen Judenverfolgungen im Mittelalter geschildert werden. Es zeichnet sich das Gedicht durch eine schwungvolle Sprache, durch eine Fülle erhebender und edler Gedanken aus, welche jeden Leser von Anfang bis zum Ende ergreifen und erfreuen. Der Raum dieser Zeitung gestattet unS nicht, eine umfassende Darstellung des Inhalts des Gedichts zu geben, deshalb beschränken wir uns auf die Wiedergabe einiger Stellen. Die leitenden Gedanken desselben offenbaren sich in folgenden Versen: Wie eine Blume voller Duft und Blüthen, Wie eine Säule nie gekannter Pracht Ward Israel die he-l'ge Schrift beschieden, Der Thora Liebe, Wissenschaft und Macht. Wie gold'ner Thau den Kelch der Blume tränket, Und ihrem Duft den Wohlgeruch verleiht, Wie hohes Wissen hin zur Tugend lenket, So wird ein Volk durch diese Schrift geweiht. Doch in Atome wird das Volk zersplittern, Das solcher Gabe sich, nicht würdig zeigt, Und die Atome werden noch erzittern, Wenn die Geschichte längst Jahrtausend schweigt! Diese wenigen Zeilen mögen genügen, um den Wunsch zu rechtferrigen, daß diese schone Dichtung die weiteste Verbreitung finden möge, und die Ueberzeugung zu begründen, daß kein Leser ohne die innigste Befriedigung solche aus der Hand legen wird. Neue Dichtungen. ES ist keineswegs gesagt, daß die Produkte eines Dichters nur dann von Werth sind, wenn sein Name zu den vielgennannten gehört und die Muse ihn zu ihren „Lieblingen" zählt. Mir haben hier nicht die Gattung der „verkannten Genies" im Auge, sondern diejenigen Poeten, die zu bescheiden und zu — unpraktisch sind, um von sich reden zu machen und doch Anspruch aus die Beachtung weiterer Kreise hätten. Zu diesen gehört auch Leopold Landau in Pforzheim, von dem jüngst wieder, in einem Bändchen vereinigt, zwei neue Dichtungen ..Der Irrenarzt" und „Der erste Prophet", erschienen sind. Im erstgenannten Poem schildert der Verfasser das tragische Geschick eines israelitischen Arztes; im zweiten feiert er Moses als den genialen Gesetzesüberbringer und den Mann mit dem eisernen Willen, der die Sklavenketten seines Volles gebrochen und ihm den Glauben an seinen Gott wieder gegeben hat. Landau rechnet sich zu denjenigen Autoren, „welche von dem Zauber unserer heiligen Schriften ungezogen, forschend und träumend in denselben lustwandeln". Darum behandelt er auch mit Vorliebe biblische Stoffe, nicht in trockener geräumter Erzählung, sondern in lebendiger Darstellung und in schöner, fast zu blumenreicher Sprache, die er in schwungvolle Verse zu kleiden versteht. Seine Dichtungen, ohne Vorurtheil und ohne eigentliche Tendenz, atmen den überzeugungsfrohen Glauben an den „ewigen unveränderlichen Ge-ft der Religion", und dieser Glaube ist es auch, der ihm ein inniges Anschmiegen an seinen Gegenstand gestattet und ihn begeistert für die Legenden vergangener Jahrtausende. Daß die Schöpfungen Landaus auch mancherlei Unebenheiten aufweisen, daß einzelnen Stellen kleine, sprachliche Gebrechen anhaften und etliche Ausdrücke und Begriffe sich häufig wiederholen, die Lust am Moralifiren mitunter überwiegt und Schiller'sches Pathos und Heine' sche Reimvirtuosität. nicht immer eine glückliche Mischung bilden, — diese Nachtheile werden reichlich ausgeglichen durch die vorhandenen Vorzüge und die unleugbare dichterische Begabung des Autors. Auf Letzteren die verdiente Beachtung zu lenken und zum Lesen seiner bis jetzt im Selbstverläge erscheinenden Schriften anzuregen, ist der Zweck dieser Zeilen. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Berlin, 7. August. Wenn die Waffen der Lüge und der Verleumdung aus der Rüstkammer des Antisemitismus entfernt würden, dann bliebe dieser famosen Gesellschaft „sittlicher" Erneuerer des Vaterlandes kein rechtes Kampfwerkzeug übrig. Wer aber gewohnheitsmäßig mit der Luge hantirt, der muß eine eiserne Stirn haben, und auch daran fehlt es dem Gefolge des Ahlwardt nicht. Ein ganz besonders dreistes Stück antisemitischer Verleumdungsmache war der kürzlich von uns erzählte Fall Spanier in Köln; das Nachspiel dazu ist nicht minder interessant. Ein Mann Namens Spanier Halle in Köln eine gemeine Ausschreitung vor einem Bilde des Stifters der christlichen Religion begangen. Die Antisemiten, längst darauf bedacht, tu der Hauptstadt der Rheinlande Geschäfte zu machen, dieselben Antisemiten, die in Berlin der Bibel und den Geistlichen den Krieg erklären, machten als „Anwälte des Christenthums" sofort den Kölnern durch ein Plakat diesen „empörenden Akt jüdischer Gemeinheit und Frechheit" bekannt. Ob der Thäter wirklich ein Jude ward I, das that ja gar nichts zur Sache. Die Gewissenhaftigkeit, sich darüber zu orientiren, ehe man die Anklage erhob, kann man von Leuten solchen Kalibers doch nicht verlangen. Und wenn die entschieden katholische Bevölkerung Kölns darauf hin schwere Gewaltthätigkeiten gegen die Inden begangen hätte t Nun, so wäre den Antisemiten eben nur ein Gefallen geschehen. Allein es wurde ibr Lügengewebe rasch zerstört. Die gut kathokische „Köln. Volksztg." thetlte alsbald mit, daß der Mann Namens Spa-

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