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Der Israelit · 1894-08-13 · Heft 64 (13.8.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 64 (13.8.1894)
Date
1894-08-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1194 nier kein Jude, sondern ein Katholik sei, und sprach ihre Freude darüber aus, daß die Kölnischen Katholiken sich nicht zu Ausschreitungen wider die Juden hätten hinreißen lassen. Statt nach dieser bösen Abfuhr wenigstens zu schweigen — das Eingeständniß eines Unrechts von ihnen erwarten, das hieße den Antisemiten einen ihnen völlig fremden Anstand betmessen —, sucht die Antisemitische Pnsse die Lüge weiter auszuspknnen und doch noch nach Kräften nutzbar zu machen. Die „Staatsbürger-Z'g." operirt mit der Angabe dunkler „Augenzeugen", daß der Mann „der Sprache und dem Aussehen nach ein Jude" ist. Na, das nennt man doch einen klassischen Beweis. Wenn heute Herr Hinz oder Herr Kunz auf der Straße einen Menschen sehen, der etwas Schlimmes begeht, und Herr Hinz oder Herr Kurz sagen: „Der Mann sieht wie ein Jude aus", so genügt das für die antisemitischen Agitatoren und für die Antisemitische Preffe, um auf Grund dieser „Feststellung" unter dem höchsten Aufwands der ihnen so gut zu Gesichte stehenden sittlichen Entrüstung zu einem Sturm gegen die Juden anzublasen, die gefährlichste Aufreizung zu betreiben. Und das sind dieselben Leute, die über „jüdische" Unreellität, Leichtfertigkeit, Sensationslust und sonst noch was nicht genug zu skandaltren wissen. Im Zweifelsfalle ist der Mensch, der Jemanden unangenehm wird, ein Jude, das ist antisemitische Logik. Wird „der Jude" niedergeschlagen oder belästigt und nachher ist er doch kein Jude, — nun, was thut das? Dann wird er mindestens Judenknecht, Judengenosse oder Judensprößling sein, und dann ist dem „Juden" nur Recht geschehen. Auf den „Judensprößling" zieht sich denn auch die brave „Kreuzztg." in dem Falle Spanier zurück. Diesem Antisemitenblatt ist eine „Mitthetlung" zugegangen, wonach der Großvater oder — Urgroßvater des Attentäters Spayier Jude gewesen sei. Na also, da haben wir's ja. Da ist doch der Katholik Spanier Rassenjude, und man kann die frtsche fröhliche Judenhetze wegen der Sünde eines Katholiken nur billigen. Das ist wahrscheinlich auch gelogen, aber was würde die Thatsache, daß der Urgroßvater des Attentäters Jude gewesen, beweisen? Ist der Jude auch in der vierten Gene, ration immer ein minderwerthiges Subjekt und schlecht und verderblich sein Sinnen und Wesen,— wie steht dann die konservative Partei, die Kreuzzeitungs-Partei da, welcher der frisch getaufte „Jude" Stahl Führer, Wegweiser, Lieferant ihrer Theorien, ihrer Programme, Schöpfer ihres Geistes gewesen ist? — Die „Kreuz Ztg." findet die Taktik der Antisemiten „durchaus erklärlich". Das ist das Uriheil der „Kreuz-Ztg." über einen unerhört gemeinen Schwindel zum Besten der antisemitischen Partei und Partetkasse und zur Störung des bürgerlichen Friedens. Sie meint, wohl um ihr „Gewissen" zu salviren, es sei „kaum (!) bewiesen, daß die Antisemiten wider besseres Wissen handelten." Dieses „kaum" ist köstlich. Aber wenn auch nur der Schein eines Vorgehens wieder besseres Wissen vorlag, wie kann dann die „Kreuz-Ztg." dieses Vorgehen noch in folgenden Worten rechtfertigen wollen: „Jedenfalls konnte es in einer katholischen Stadt ihre (der Antisemiten) Sache nicht besser fördern, als wenn sie sich in einer solchen Angelegenheit zum Anwalt der beleidigten Christenheit aufwarfen."? — Das heißt auf gut Deutsch: „Lüge hin, Lüge her, die Lüge versprach Erfolg, also durfte sie ausgesprochen werden." — So sieht es mit der Moral jener Leute aus, die sich als Stützen von Thron und Altar geberden und den Mund mit christlich-moralischer Salbaderet nicht voll genug nehmen können. Kempen (i. Posen), 2. August. Der verstorbene Herr Henry Schaps hat durch nachbenannte Stiftungen in hiesiger Stadt ein dankbares Andenken sich erworben: der hiesigen israelitischen Waisenanstalt wurden aus dem Nachlasse des Sch. 30.000 Mark übergeben, von deren Zinsen israelitische Waisen hiesiger Stadt unterhalten werden sollen. Ferner wurde unsere Stadt mit 15,000 Mark und die hiesige israelitische Korporation ebenfalls mit 15,000 Mark mit der Maßgabe bedacht, daß alljährlich am Sterbetage des Henry Schaps die Zinsen der beiden Kapitalien an die Armen hiesiger Stadt vertheilt werden sollen. Seine hiesige Villa, Möbel nebst Garten, hat Schaps der hiesigen Stadt nach dem Ableben seiner Geschwister mit der Bestimmung vermacht, daß die jährlichen Einkünfte der Villa ebenfalls an die Armen der Stadt zur Vertheilung kommen sollen. Griechenland. Athen, 9. August. Aus Corfu wird gemeldet, daß die Dynamit-Explosion im jüdischen Viertel tn dem Laden eines Schmieds erfolgte, welcher eine eiserne Röhre als altes Eisen gekauft hatte. In dieser Röhre befand sich der Explosivstoff. Die Opfer — 7 Tode und 6 Verwundete — waren alle, mit einer einzigen Ausnahme — Juden. Die Polizei beschäftigt sich mit der Angelegenheit, da es sich um ein Verbrechen zu handeln scheint. Türkei. Konstantinopel, 7. August. Das Departement für öffentliche Bauten hat die Ausbesserung der alten salomonischen Wasserleitung in Jerusalem angeordnet. Die Leitung führt das Wasser von den Quellen bei Arrul nach der Stadt. Es soll ein 3750 Meter langer Tunnel gebaut werden und die Kosten werden auf Lstr. 80,000 veranschlagt.

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