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Der Israelit · 1894-08-13 · Heft 64 (13.8.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 64 (13.8.1894)
Date
1894-08-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Beilage ju M 64 des „Israelit". Leitender Artikel. Z>ie Juden in Kam. i. Kaum ein Zweiter dürfte so berufen fei», die Geschichte der ältesten jüdischen Gemeinde zu schrei bnn, als der gelehrte Verfasser des uns vorliegenden Buches *) dem es vergönnt war, seit mehr denn zwanzig Jahren, so oft in Rom zu sein, um an Ort und Stelle die eingehendsten Forschungen und tiefsten Untersuchungen anstellen zu können. Aber auch kaum ein Zweiter dürfte in gleicher Weise befähigt sein, die in emsigster Arbeit erzielten Ergebnisse zu einem so anziehenden, formvollendeten Ganzen, wie cs dieses Werk darstellt, zu vereinigen. Der warme Ton und der jüdische Geist dieses Buches, welche den Leser selbst häufig mit erhebender Begeisterung erfüllen, laffen deutlich genug erkennen, wie der Verfasser es gleichsam mit seinem Herzblute geschrieben hat. Er begleitet diese 2050 Jahre umfassende Geschichte in vollster Hingebung für die wechselvollen Schicksale der römischen Gemeinde von ihren ersten Anfängen an bis zur Niederlegung des Ghettos im Jahre 1885, also während der Zeiten der Nömerherrschaft, der Völkerwanderung, des Mittelalters, der Jnguifition und des Papstthums. Der 1. Band behandelt das Alterthum, somit die Juden im heidnischen Rom. Diese Geschichte beginnt mit der ersten jüdischen Gesandtschaft, welche im Jahre 594 nach der Gründung Roms daselbst erschien, um im Namen des Maccabäers Juda von den Römern die Zusicherung ihrer Freundschaft zu erlangen. Im wetteren Verfolge gelingt es dem Verfasser, einen alten historischen Jrrthum, der wunderbarer Weise, so oft er bisher angeführt und wiederholt wurde, immer ohne Quellenangabe blieb, zu beseitigen. Es wird nämlich in allen bisherigen Geschtchtswerken behauptet, daß erst seit Pompejus, der eine Menge jüdischer Gefangener nach Rom geführt haben soll, die Juden daselbst sich zu einer Gemeinde organisirt hätten. Unter Hinweis auf römische Quellen wird dies gründlich zurückgewicsen und dagegen festgestellt, daß schon vor der Invasion des Pompejus in Syrien, also noch vor dem Jahre 689 *) Geschichte der Juden in Rom von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart (2050 Jahre) von Dr. A. Berliner. In zwei Bänden. Frankfurt a. M. I. Kauffmann 1893. 1. Band: 120 S. 2. Band: I. Theil 128 S. II. Theil 236 S. Preis 10 M. (nach Gründung Roms), Juden in Rom wohnten und ihre Sammlungen für den Tempel in Jerusalenr veranstalteten. — Allmählich weicht das Dunkel der Zeiten, aus denen jetzt die deutliche Erscheinung der jüdischen „Gemeinde" hervortritt, die bald zu solchem Ansehen gelangt, daß sie einen Reoner, wie Cicero zwingt, mit ihrer materiellen Macht und ihrem politischen Einfluß zu rechnen, wie sie auch zugleich einen Philosophen wie Varro nöthtgt, ihre Ueberlegenheit in religiösen Dingen anzuerkmnen. Die besten Beziehungen herrschten zwischen Römern und Juden, von einem Haffe war keine Spur. Vorzüglich glücklich lebten sie unter dem Schutze Julius Caesars, und es ist daher erklärlich, daß bei der großen allgemeinen Trauer um seinen Tod die Juden namentlich erwähnt werden, welche sogar, viele Nächte hindurch den Grabhügel aufsuchten. Schön fügt der Verf. hier hinzu: „In stiller Nacht, wie nach des Klagedichters Worte die verödete Stadt Jerusalem weint und wie die aus ihr Vertriebenen um sie weinen, vergossen die Juden in der finsteren Nacht Thränen der Trauer und gaben ihrer wehmüthigen Klage um den Tod ihres großen Wohlthäters den lautesten Ausdruck." Wie auch in der Folge die Juden Roms bis zu dem großen Kriege mit nur kurzen Unterbrechungen unter den Kaisern eine ziemlich ausgedehnte Freiheit genossen, sodaß ihr Cultus keinen Schaden litt, gelangt hierauf zur näheren Darstellung. Aus derselben sei die Behauptung hrrvorgehoben, daß auch nicht eine einzige Stelle in der ganzen römischen Lttteratur nachgewtesen worden, ist, aus welcher hervorgehen könnte, daßdieIudensittenlos gewesen seien oder daß sie unrechtmäßige Mittel angewendet hätten, um zum Reichtbume zu gelangen. Wo in den talmudischen Quellen irgendwie von dcu Juden Roms die Rede ist, wird eingehend berichtet, und in Anmerkungen voller Gelehrsamkeit wird im Anschlüsse hieran viel Neues und Ueberraschendes geboten. Die folgenden Kapitel find einer hochbedeutsamen Abhandlung über die jüdischen unterirdischen Grabgewölbe, wie über die aus Inschriften derselben sich ergebenden Resultate für das inuere Leben der Juden in Rom und die Einrichtung ihrer Gemeinden gewidmet. Verf. beschreibt dies Alles aus eigener Anschauung, für die ihm besondere Unterstützung zu Theil wurde: Der berühmte Professor Jgnazio Guidi war sein Führer in den Katakomben, wo man die Leichen noch in Nischen beisetzte, welche im Talmud

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