Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1894)
- Date
- 1894-08-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1190 seiner Hülfe erbitten? Ein Theil der Nachbaren lag selbst in Fehde miteinander. Auch wußte er keinen, der mächtig genug gewesen wäre, dem vereinten Polen und Rußland Widerstand zu leisten. Und noch eine machtvolle Ursache gab es für Kasimir, die ihn hieß, lteberselbst zu Grunde zu gehen, als fremde Hülfe anzurufen; es war die Liebe zum Vaterland! der König mußte sich sagen, daß wenn er einige der fremden Fürsten rufen würde, diese entweder sich des Reichs bemächtigten, das ganz zerriffen und in Wirren war, oder eine unendliche Last auf Jahre hinaus für Polens Volk geworden wären. Es war dem Herrscher kein Zweifel, daß sich die ganze Wuth des Adels nur gegen sein eignes Haupt richtete, und gern wäre er bereit gewesen sein Leben zu opfern im Dienste des Vaterlandes. Welche Zeiten aber mußten für Polen kommen, wenn er nun feige Thron und Leben im Stiche ließ? Die Ruffen würden das ganze Land überschwemmen und mit der ihnen eigenen Härte und Zügellosigkeit das Volk Polens auf das Ensetzlichste bedrücken. Die Adeligen würden zuerst ihrer Willkürherrschaft freien Lauf lassen, bis sie selbst von den Russen unterdrückt und ausgezehrt würden. Zu spät würden sie dann einsehen, daß sie nicht allein den König und das Vaterland verrathen, sondern daß sie auch sich selbst in Tod und Verderben gestürzt hätten. — Was aber sollte Kasimir, der großgefinnte und doch nun so einsame und verlassene Monarch beginnen? War es nicht dennoch besser zu sterben, als in Gefangenschaft der Russen oder der noch schlimmeren Feinde, der Adeligen zu gelangen und da die furchtbarste, grauenhafteste Schmach zu erdulden? gewiß! Kasimir war entschlossen nicht lebend in die Hand seiner Feinde zu fallen. Die Russen hatten mittlerer Weile die Grenze überschritten und verwüsteten die Dörfer, die nahe derselben lagen. So ging denn Kasimir zu Esther, um Abschied von ihr zu nehmen; Abschied auf ewig! Kasimir schilderte ihr mit wenigen und ungeschminkten Worten, in welcher Lage er sich befand, und daß er nun auch leider nicht mehr im Stande sei, die so schwer bedrohten Juden vor ihren Feinden zu schützen. Ein tiefes Mitleid für den edlen Monarchen empfand Esther. Er, der sich selbst in so ungeheurer Gefahr befand, er, der das Bewußtsein hatte, daß er den nächsten Tag nicht mehr erleben würde, er vermochte es, in dieser Lage noch von den Juden zu sprechen und Esther einige Pläne vorzuschlagen, auf welche Weise die Israeliten sich durch Flucht in die Gebirge retten könnten. „Mein König," sagte Esther, „wir Alle sind erfüllt von heißester, innigster Dankbarkeit für Dich. Ich weiß, daß jeder Jude des ganzen Reichs sofort bereit wäre, Gut und Leben hinzugeben für seinen König. Und nun sende doch zu Elischa, einem klugen und wohlbedachten Manne; vielleicht, daß er Rath zu schaffen weiß, in dieser Roth und Gefahr." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 17. August, 15. Menachem Ab. iicry nttfon Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 00 Min. (ZI. E. Z.) Samstag, 18. August, 16. Menachem Ab. wm FÜ&7 pnflNl Sabbat-AuSgang in Mainz 8 Uhr 25 Min. (ZI. E. Z.) Der „3 * r a e i 11" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedeSmal in mindestenzwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich IS ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de« Duchhan-rl M bester« bet €. $. Strinarirrr, Lehrst-, Doßplatz IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark ober 8 fl. österr., für'« Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Et»e Nücksendmeg *»« an die Redaction eiugesaudte« Mauuscriptcu findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zuriickznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Das neue, alte Lied. Von Bezirks-Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Gießen. Solbin. — Schweiz: Bern. — Portugal: Lissabon. — Türkei; Salonichi. — Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Rom. — Literarischer Bericht. — Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Kempen. — Griechenland: Athen. — Türkei: Konstantinopel. Berantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelis, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Berlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.