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Der Israelit · 1894-08-13 · Heft 64 (13.8.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 64 (13.8.1894)
Date
1894-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1189 Dienern und Söldnern den Worten des Pan und setzte sich zu Tische. Der tapfere Kriegsmann glaubte, daß keine Gefahr groß genug sei, ihn zu schreckem Die Speisen mundeten ihm trefflich und er begann sogar in fröhliche Stimmung zu kommen, als ihm der trunkene Pan den für den König vorbereiteten Giftbecher mit der höhnischen Aufforderung anbot, er möge daraus auf das Wohl Kasimir des Großen trinken. „Dazu lasse ich mich nicht mahnen," rief Held Boleslaw, erhob den Becher, und nachdem er gerufen, „es lebe der König," stürzte er den verhängnisvollen Trunk hinunter. — Das Gift wirkte nur langsam. Bald begann Boleslaw zu klagen, daß eine unerklärliche Müdigkeit sich seiner bemächtige. „Ja, meine Weine sind gut und schwer," lachte der Pan „legt Euch auf ein Ruhebett und schlaft, solange es Euch gelüstet." Boleslaw hatte noch Besinnung genug, seinen Dienern zu befehlen, sie sollten an seinem Lager wachen. Dann legte er sich nieder, um nicht mehr aufzuftehen. Als die Diener den Tod ihres Herrn sahen und auch bemerkten, daß das ganze Schloß von Waffen starrte uud überall Kriegsmänner mit gezückten Schwertern aufgestellt waren, da ergriffen sie die Leiche ihres Herrn und trugen sie schweigend von dannen. Sie trugen sie hin nach dem Gehölz, in welchem die Leibgarde des Königs lagerte und meldeten dem Führer desselben, was geschehen. Dieser durch das entsetzliche Eretgniß auf den Tod erschrocken, wußte nicht sogleich was er beginnen sollte. Sein Befehl besagte, daß er dem Herzog zu gehorchen habe und falls dieser es anordne, das Schloß des Pan stürmen solle. Nun aber war Boleslaw tot und das Schloß war so gut besetzt, daß es sehr zweifelhaft erschien, ob ein Ansturm nicht fehlschlagen würde. So beschloß denn der Oberste der Leibgarde nicht ohne den besondern Befehl des Königs zu handeln und begab sich mit seinen Mannschaften und dem Leichnam seines Herrn eiligst nach Krakau zurück. Der König aber schrie laut auf, als er seinen Freund und Vetter so bleich und entstellt vor sich liegen sah. — Und das also wäre sein eigenes Loos gewesen, wenn die treuen Juden ihn nicht gewarnt. Kein Zweifel, nur Elischa, dem Führer der Juden, verdankte er sein Leben. Sofort sandte er einen Eilboten nach Wola und ließ den Pan zu sich zum Gericht in Krakau laden. Der Pan aber antwortete mit Hohn und ließ dem König ansagen, daß er ihm Treu und Gehorsam aufkündige und daß nach dem Beschluß der Adeligen König Kasimir aufgehört habe zu regieren. So war denn jedes Band zerschnitten zwischen den Adeligen und dem König, und noch desselben Tages ließ der Pan sein Schloß in VerthetdigungSzustand setzen und sandte Boten umher an die andern Adeligen, damit sie ein Gleiches thäten und zusammenkämen zur gemeinsamen Vertheidigung. Als der König die Nachrichten von allen diesen Vorgängen erhielt, bewahrte er voll und ganz seine Ruhe, denn es war eine Eigenschaft Kastmir's, daß er bei großen und mächtigen Gefahren niemals seine Sicherheit verlor. Ueber kleinere Dinge konnte er sich erregen, bet großen und mächtigen Anläffen aber kam es wie eine göttliche Ruhe über ihn. Er schien nicht mehr Mensch zu sein; er schien wie von einem höheren Standpunkte aus alle Dinge zu betrachten. Die Lage des Königs war eine überaus gefahrvolle geworden. Die Adeligen hatten es gewagt seinen Vetter zu löten, der russische Feind stand vor der Thüre und nirgends, so wett das Auge Kasimir's spähte, sah er eine Hülfe vor sich. Die Noth des Augenblicks hieß ihn über manches hinwegsehen, was er sonst streng geahndet hätte. Er wollte noch einen letzten Versuch mit den Adeligen wagen. Er ließ sie zu einer gemeinsamen Berathung entbieten. Jeder aber entschuldigte sich mit einem andern Grunde, und Keiner kam zu dem Reichstage, den der König einberufen. Nur der Pan von Wola und der Herr von Roßny hatten die Güte dem König sagen zu lassen: „Kasimir hat die Macht des Adels niedergedrückt und die Leibeignen erhoben, möge er bet ihnen sich Hülfe suchen, nicht bei uns." Noch einmal zum letzten Male versuchte es der König an die Adeligen, die er für die besten hielt, Boten zu senden mit der Bitte, sie möchten das Reich in der ungeheuren Gefahr, die ihm drohte, nicht verlassen, aber auch dies war vergeblich. Zur selben Zeit empfing der König die Nachricht, daß das russische Heer sich bereits der Grenze von Polen genähert habe. Kasimir, der kühne, besonnene und ruhige Mann war in diesem Falle rathlos. Die wenigen Soldaten, die er zu seiner persönlichen Bedeckung unterhielt, die Leibgarde hätte nicht ausgeretcht, um den Schaaren einiger Adeligen zu widerstehen. Die ganze Waffenmacht des Reichs war in den Händen des Adels und sonst existirte kein Heer. Kurze Zeit dachte Kasimir daran irgend einen fremden Fürsten in das Land zu rufen, damit er ihn von den eignen Großen des Reichs und den Russen befreien helfe. Aber wen sollte er zu

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