Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1894)
- Date
- 1894-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1186 WWWWWWW onoy nraier t>w dij?d ^>33 Ueberall, wohin sie ihr Exil führt, begleitet sie Gottes Herrlichkeit. Und wenn wir diese Gottesnähe auch nicht immer selber schauen, sie ist uns so über allen Zweifel verbrieft und gewährleistet, daß wir daran nicht zweifeln können. Wenn Jemand krank und verlaffen von allen aufgegeben und seinem Geschick überlaffen darniederliegt und plötzlich schickte der Fürst seinen bewährtesten Leibarzt an die Schmer - zensstätte des gemiedenen Vereinsamten, um sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen, so hätten wir ein schwaches Abbild des Gegenstandes, der uns hier beschäftigt. Die Ehre, daß der König des aufgegebenen Kranken nur gedenkt, ihm seinen besten Arzt schickt, das allein genügt, um den Unglücklichen aus seiner Verzweiflung zu reißen. Wenn der Leibarzt des Fürsten dem Kranken aber gar erklärt, er solle sich durch keine Quaksalberei von Kurpfuschern, von keinem Kopfschütteln seiner kurzsichtigen Umgebung beirren lassen, sondern ganz fest überzeugt sein, er werde gesund, es werde ihm geholfen werden, dann ist diese bloße Zusicherung die erste und vielleicht die höchste Hilfe, weil sie das Selbstvertrauen wieder aufrtchtet, ohne welches keine Genesung denkbar ist. So schaut das „neue Lied" die lange, bange Verbannungszeit Israels als einen schweren Krankheitsprozeß, aus welchem sein Exilsprophet die bittende Klage zum Allvater sendet: kehni 'n ’jxsn „Heile mich o' Gott, dann bin ich geheilt; hilf mir, dann ist mir geholfen." Und Gott hat in seiner Gnade dem darniederliegenden Volke seine großen Seelenärzte geschickt, mit der Weisung »oy loro ivm ihm Trost zu spenden, seine Hilfe zu verkünden, insiö pj nriKO -iffN die so sicher kommen werde, wie auf jede Nacht ein Morgen folgt. Nun mag die rohe Masse übermüthig an den bescheiden Zurückstehenden vorüberstürmen, die Hilfe Gottes und wenn sie bis jetzt auch nur eine bloße Zusage war, als bloße Zusage adelt sie diejenigen, denen sie geworden. Und wenn die Gott sich ganz Hingebenden durch die Unbill des Lebens selbst darniedergestreckt und wie ans Lager gefesselt erscheinen, die Ehre, der Gegenstand der Aufmerksamkeit und Fürsorge Gottes zu sein, läßt sie auf ihrem Siechenbette ihr Weh nicht nur vergessen, sondern in hellen Jubel aufjauchzen. -1133 3 D'TDn 1I?y» D"jy 1DJ73 'n nsn '3 .Dni33t£fo un» (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten «nd Correspondeuzen. Deutschland. Mainz, 10. August. Zwischen China und Japan ist jetzt der Halbinsel Korea wegen der Krieg entbrannt und auf beiden Seiten ist schon Blut geflossen. Es dürfte daher nicht uninteressant sein, wenn wir den jetzt in den genannten drei Ländern lebenden europäischen Juden einige Worte widmen. Im Katserthume Japan exitirt nur eine einzige jüdische Gemeinde in der Hafenstadt^Ragasakt, die aus englischen, amerikanischen, holländischen, deutschen, österreichischen 2c. Emigranten besteht und die auch eine Synagoge und einen besondern Friedhof besitzt. Kleinere jüd. Ansiedelungen gibt es dann noch in den Hafenstädten Kobe und Uokohama und in der Residenzstadt Aeddo (Tokio). Japan hat bekanntlich seine Pforten den Europäern und Amerikanern erst 1854 geöffnet. Was China dann anbelangt, so befinden sich, in dessen Hauptstadt Peking, in der noch heute mit Ausnahme der europäischen Gesandten, keine Fremden geduldet werden, da die chinesische Regierung dieselben nicht beschützen kann, gar keine ausländischen Juden. Dagegen gibt es in Tien-tzin, der Hafenstadt Pekings, schon eine ansehnliche Colonie ausländischer Juden. Dann gibt es in der Hafenstadt Schanghai und auf der zu England gehörenden Insel Hongkong kleine jüd. Gemeinden mit Gotteshäusern und Friedhöfen. Der in Schanghai erscheinende „Ostastatische Lloyd," das einzige deutsche Blatt in China, gehört dem Hamburger Annoncen-Bureau Stein. In den chinesischen Hafenstädten Kanton, Futschau und Amoy gibt es gleichfalls kleinere jüd. Ansiedelungen. Im Königreiche Korea dagegen, das unter Chinas Oberhoheit steht, und das erst 1876 den Europäern die Einwanderung gestattet hat, befinden sich gar keine Juden. Gießen, 4. Aug. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Hier soll eine zweite Synagoge errichtet werden und zwar durch die israelitische Religionsgemeindc; die bereits vorhandene, im vorigen Jahre erweiterte Synagoge gehört der israelitischen Reltgionsgesellschaft. Soldirr, im August. Der Correspondent aus Süddeutschland in Nr. 61 dieses Blattes, der die Rechte der nicht auf deutschem Boden geborenen Kultusbeamten wahrnimmt, und einem schweren Mißstand zu Leibe geht, wofür ihm gewiß ein großer Theil der Kultusbeamten Dank wissen wird, hat einen Uebelstand ausgedcckt, der jetzt, bei der großen antisemitischen Strömung, um so mehr Beachtung verdient. Wohl ist schon früher an dieser Stelle dieser Mißbrauch getadelt worden; ungeachtet dessen läßt mancher Vorstand von seiner alten Gewohnheit nicht, und nach wie vor findet man Inserate mit der absurden Bemerkung: „Polen und Russen werden nicht berücksichtigt." Diese exclusive, ja geächtete Ausdrucksweise ist nicht allein gegen diejenigen gerichtet, die erst kurze Zeit in