Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1894)
- Date
- 1894-08-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1172 Die katholischen Lehrer Oberschlesiens lachen über den Spaß, den die Berliner Judenfresser mit dem katholischen Oberschlesien versuchen." Es ist ja sehr schön von dem ultramontanen Organ, daß es sich so scharf gegen die Ahlwardtserei auSspricht. Aber leider hat die Centrumsp reffe keineswegs immer und überall so entschieden gegen den Antisemitismus Stellung genommen, namentlich dann nicht, wenn die Gefahr eines antisemitischen Einbruchs in die politischen und publizistischen Jagdgründe des Centrums nicht vorlaa Leer, 6. August. Der hiesige „Verein für Thierschutz und Geflügelzucht hatte Veranlassung sich gutachtlich darüber zu äußern, ob: 1. da« Schächten der Schlachtthiere eine zweckmäßige Schlachtmethode sei; 2. ob dieselbe eine thierquälerische Handlung involvire; 3. ob die Vorbereitungen zum Schächten, soweit dieselben das Niederlrgen der SchlachtthiereS angehen, als Thierquälerei bezeichnet werden dürfen; 4. ob gegen das Schächten, vom ethischen Standpunkt betrachtet, etwas einzuwenden sei. Auf Grund eines Gutachtens des hiesigen Kreisthterarztes Houtrouw erklärte der Vorstand des obengenannten Vereins: a. DaS Schächten ermöglicht am besten ein gehöriges Ausbluten des SchlachtthiereS, was zur Haltbarkeit von dessen Fleisch am meisten beiträgt, muß auch deßhalb als sehr zweckmäßige Schlachtmethode bezeichnet werden; d. daS Schächten selbst ist weder an und für sich als thierquälerische Handlung anzusehen, noch verdient dasselbe, im Vergleich mit anderen Schlachtmethoden, den ihm gemachten Vorwurf, als sei es eine grausame TödtungSart der Thiere. e. Die Vorbereitungen zum Schächten, daS Niederlegen und in die Rückenlage-Bringen des SchlachtthiereS, können, wenn sie ordentlich ausgeführt werden, auch nicht als Thierquälerei angesehen werden. Die jüdischen Schlächter haben aber bei den Vorbereitungen zum Schächten mehr als bisher AileS zu vermeiden, waS auch nur entfernt an Thierquälerei streift. ü. Vom ethischen Standpunkte ist gegen das Schächten nicht mehr einzuwenden, als gegen andere Schlachtweisen auch. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Bereut, 3. August. Einen schönen Akt der Menschenliebe kann ich mit freudigem Herzen heute melden. In dem benachbarten Orte Skorzewa brach jüngstens eine Feuersbrunst aus und in wenigen Stunden fielen bei der Hitze des Tages dem verzehrenden Elemente mehrere Bauernhäuser sammt den gefüllten Scheunen als Opfer anheim. Die armen Dorfbewohner, die sich ihrer Habe beraubt sahen, kamen auch nach unserer Stadt, um die Hilfe edler Menschen in Anspruch zu nehmen. Auf Anregung unseres jüd. Mitbürgers, des Stadtver. ordneten Herrn A. Fleischer, wurde nun innerhalb unserer Gemeinde eine Sammlung veranstaltet und das Ergebntß derselben, eine nicht unbeträchtliche Geldsumme, überreichte unser Rabbiner Herr Dr. Münz dem hiesigen katholischen Pfarrer Herrn Dr. Schwanitz für die unglücklich Abgebrannten seiner Diöcese. In der heutigen Sonntagspredigt hob nun der katholische Priester den humanen, hochherzigen Sinn der jüd. Mitbürger hei vor und forderte die Gläubigen seiner Kirche zur Nachahmung dieser Handlung werkthätiger Menschenliebe auf. So erweisen sich denn die altjüdischen Tugenden, Barmherzigkeit und Theilnahme, als die besten Waffen im Kampfe gegen die machtlosen Angriffe unserer Gegner. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die prehgefetzliche Verantwortung.) Geehrte Redaction! Ein ganz eigenthümltches Verfahren ist es, dem bedauerlicherweise der „Israelit" seine Spalten geöffnet hat und das ich längst einmal, wenn auch als völlig Unbetheiltgter habe beleuchten wollen. Diesmal bin ich der „Angegriffene" und nehme darum Gelegenheit dem Herrn S. N. einige Worte der Aufklärung angedeihen zu lassen. Der etwas sonderbare Ton scheint der „heiligen Erregung" zu entspringen, die den Schreiber der mich betr. Zeilen in Nr. 58 des „Israelit" beseelt, weil es sich darum handelt, den Dichter von Ps. 106 von einem doch eigentlich erklärlichen Mißverständniß zu befreien. Der llebereifer des Herrn N. scheint ibn übersehen zu lassen, daß nur die „fünf Bücher Moscheh's" als Gottes Wort gelten. Doch nicht hiervon an dieser Stelle. Ad. 1) halte ich es für durchaus „unhöflich", den doch immerhin bekannten verstorbenen Professor Dr. H. Grätz, der, wie alle Forscher, in seinen Werken Fehler gemacht hat ('nteap ndih dib^»), einfach „Herr Grätz" zu nennen. Prof. Grätz hat sich diesen Titel nicht selbst gegeben, sondern die wissenschaftliche Welt glaubte sich verpflichtet, ihm diesen Ehrennamen beizulegen. Freilich, jeder Lebende kann über einen Toten herfallen. Bgl. Koheleth? *) Ich will Herrn N., der aus der Angabe der „Allg. Ztg." (von Dr. B. K... in Breslau) geschlossen zu haben scheint, ich wäre ein Schüler des verst. Pros. Grätz und ein Zögling des hiesigen *) Herr Dr. KönigSberger scheint noch nicht beobachtet zu haben, daß in neuerer Zeit viele große Gelehrte bei Veröffentlichungen von Arbeiten die Gepflogenheit haben, ihre Namen ohne jeden Titel anzugeben, denn ..mehr als Rabbi ist der Name". In diesem Sinne aufgefaßt ist die Weglassung des Professor- und Doctortitels durchaus keine Beleidigung. Der Corrector.