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Der Israelit · 1894-08-09 · Heft 63 (9.8.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 63 (9.8.1894)
Date
1894-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1169 rituellen Bespeisung israelitischer armer Kranken im Lemberger Allgemeinen Krankenhaus gegründet und hat die hohe Regierung dessen Statuten sanctionirt. Von den Juden, welche an der vorjährigen hygienischen Ausstellung in Petersburg Theil genommen haben, find die Herren Dr. G. Sack mit der großen goldenen Medaille, S. Treinin, A. Bitschumski und M. Schmidt mit der silbernen Medaille ausgezeichnet worden. Feuilleton. Estrrka, Königin von Noten. Historische Erzählung von Hugo Freuud. 20.) (Nachdruck verboten.) VI. Nachdem Eltscha Esther in höchster Aufregung verlaffen hatte, vermochte er nicht zu den Grustern zurückzukehren. Sein ganzes Wesen war wie aus den Fugen gerissen. Er wußte nicht mehr, was er beginnen sollte; die Zukunft lag wie eine finstere, schwüle, hoffnungslose Nacht vor ihm. Hunderte und aber hunderte Pläne faßte er, um sich aus seiner qualvollen Lage zu befreien. Er war überzeugt, daß er es nicht ertragen könne, daß er es nicht über sich zu bringen vermöchte aus die Geliebte zu verzichten. Aber es gab noch eine andere Liebe in ihm, die stärker und mächtiger war, als selbst die Liebe zu Esther, und das war das Gefühl für sein Volk, für seine Stammesgenossen, für Israel. Von Kindheit auf hatte er eine schwärmerische Liebe für dasselbe empfunden, und wie dies bei lebhaften Kindern der Fall zu sein pflegt, hatte er sich als Knabe in dem Gedanken gefallen, daß er einstmals der Messias sein werde, der die Juden um sich sammeln dürfe, um sie hinaufzuführen nach Palästina und dort das Reich Gottes zu gründen. Der erwachsene Mann hatte längst gelächelt über diese Schwärmerei seiner Kindheit, denn er war sich wohl bewußt, wie viel Fehler er hatte und wie wenig er zu einem so hohen und göttlichen Amte taugen würde. Aber von jener Zeit her noch war es ihm ein lieber und erquickender Gedanke gewesen, daß er einstmals sorgen und sich mühen dürfe für Israel und ein Retter seines Volkes werden könne- Jetzt war für ihn eine Zeit gekommen, einen großen Theil seines Volkes zu retten, aber um welchen Preis? Nicht sein Leben wurde von ihm gefordert, nicht Geld und Gut, nein, die Geliebte sollte er hingeben, ohne die das Leben jeden Reiz für ihn verloren hatte. Das wußte er mit unerschütterlicher Gewißheit: „Entweder war Israel, so weit es in Polen wohnte, verloren, oder sein eignes Lebensglück war dahin." Nach langen, harten und schweren Kämpfen beschloß er endlich das ungeheure Opfer zu bringen, sein Lebensglück für sein Volk hinzugeben. Das aber hatte er sich in seinem Geiste festgesetzt, daß er nur um einen hohen Preis ein so schweres Opfer bringen werde. Nicht diese einzige einmalige Rettung sollte Israel ihm verdanken; wer weiß, vielleicht wäre sein Eifer ganz zwecklos gewesen. Vielleicht würde es in kurzer Zeit wieder irgend einem Adeligen oder einem Mönch einfallen ein ähnliches Schauermärchen zu erfinden, und dann hätte wieder dieselbe Todesgefahr über Juda geschwebt. Nein, so billig wollte er sich nicht hergeben. Wenn er all sein Glück aufopferte, so mußte er auch die Sicherheit haben, daß Juda von solchen Leiden befreit bleibe für alle Zukunft. Einen großen ungeheuren Plan ersann er in seinem Haupte. Für immer sollte Gefahr und Mißgeschick von seinem Volke Israel abgewendet werden. Dieser schwache und kleine Mensch glaubte sich berufen Gott vorzugreifen und schon jetzt eine Zeit der Ruhe und des dauernden Glücks für Israel zu schaffen, ohne daß Gott sein Volk heimgeführt hätte in das Land Juda's. — Der Name dieses zweiten Eltscha sollte unsterblich werden in der Geschichte Juda's für alle Zeit; das war die Sehnsucht dieses Schwärmers und das auszuführen, dazu hielt er die Zeit für gekommen. DaS Reich Gottes sollte auf Erden erstehen. Als Jankele zu Eltscha kam und ihm mittheilte, was bei den Edelleuten beschlossen worden war, so sandte dieser ihn sofort zu König Kasimir und ließ ihm im Aufträge des Führers der Juden den Plan melden, den die Adeligen gefaßt hatten. Kasimir schenkte anfänglich diesen Worten keinen Glauben. Endlich aber sandte er Boten aus, um zu sehen, ob es wahr sei, daß ein russisches Heer sich der Grenze nähere. Gar bald konnten ihm diese Boten mittheilen, daß Alles auf Wahrheit beruhte, und daß Polen verloren gewesen wäre, wenn dieses Heer plötzlich herein gebrochen, ohne daß der König vorbereitet war. Kasimir wurde durch diese Nachricht in die heftigste Erregung versetzt. Dennoch behielt er Kraft und Klarheit des Geistes genug, um sofort seine Gegenmaßregeln zu treffen. Vor allem mußte er wissen, wer dieser Führer der Juden war, der ihm diese so schwerwiegende Nachricht zukommen ließ; aber so sehr er danach

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