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Der Israelit · 1894-08-09 · Heft 63 (9.8.1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 63 (9.8.1894)
Date
1894-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1168 erhielt in früherer Jugend die erste Anregung zum Thorastudium durch unfern lieben Vater i?"i. Aber wie die 7722, nach dem Berichte unserer Weisen (n"7 7 "2 mnttf) selbst, d. h. auS sich selbst diese feste, gedrungene Gestalt annahm, so fühlte auch mein Bruder in sich selbst den mächtigsten Sporn 7717 zu lernen; eine Eigenschaft, die ihm die Gunst seiner Lehrer gewann und der er alle seine Erfolge im Leben zu verdanken hatte. Einen treffenden Beweis von der Beliebtheit meines lieben Bruders 7*7 bet seinen Lehrern bildet auch der Umstand, daß Herr Oberrabbiner Schreiber ">"71,12 JT722ICH J18J7 7"plSJT 7D1D ]222 28120 D7728 in Preßburg ihn während der letzten Jahre seines Dortseins von den 71p'r7-Prüfungen befreite, da er, wie er sagte, auch so von seinem Fleiße überzeugt sei. Diesen unermüdlichen Fleiß im Lernen hat mein lieber Bruder auch dann bethätigt, wenn er durch seinen Beruf noch so sehr in Anspruch genommen war; am frühen Morgen begann er, am späten Abend horte er auf 721 p’172 7222 □”D2 7’7, und so benutzte er jede freie Zeit, die ihm sein anstrengender Beruf gewährte, um min zu lernen. Aber auch n"J"l 7712JJ, die beiden anderen Pfeiler, „auf denen das Weltgebäude ruht", hat er nach besten Kräften geübt. Empfing er schon jeden ohne Unterschied, der sich Rath und Hilfe suchend an ihn wandte, niD’ D2D 72D2, wie warm schlug erst sein Herz allen seinen Verwandten entgegen! Wie peinlich genau hat er 28 7ID’ p niS2 erfüllt, was meinen lieben Vater V'T mit solcher Freude erfüllte, daß er die drei letzten Jahre seines Lebens in seiner Umgebung zubrachte und seine 2'7i^'t7-Abende besuchte. V^D7 ’272 ’HJV Mein innigst geliebter JonaS ist nun nicht mehr da. ,81'22 8p '871 87DJJ2 '727 87DN7 '8.7 7y 7122 71 2y> , 87221 HDD 872 8)8 8JH8 87277 '11 »11 12V min 7DD 72pJl ini22 l!? wy. Seine Seele weilt jetzt in den lichten Höhen, umflossen vonr strahlenden Lichtglanz der Wahrheit. O möge er in himmlischer Verklärung segnend auf unS herabblicken und die Begeisterung zu allem Edlen und Guten in unS entzünden, die der Grundzug seines Charakters war; in jene lichten Höhen rufen wir ihm nach: p'78 721 72727. Samuel KönigShöfer. Berlin. Zum Besten des Vereins für Kinder-Volksküchen, fand am 23. Juli im Saale des Kaiserhofs die Vorstellung im Blindspiel des berühmten Schachmeisters E. LaSker statt. Bor Beginn des Spiels nahm der Berliner Schachmeister Th. v. Scheve das Wort, um nach einer kurzen schachhistorischen Uebersicht der letzten Jahrzehnte, auf das neueste wichtigste Schachereignitz hinzuweisen, auf die Niederlage des bisher unbesiegbaren Steinitz durch den 25jährigen E. Lasker. Im Namen der Berliner Schachfreunde gratulire er ihm herzlich zu seinem glänzenden Erfolge und heiße ihn hier herzlich willkommen. Hierauf spielte LaSker gleichzeitig die Partie ohne Ansicht des Brettes. Hervorzuheben ist an dieser Leistung nicht sowohl die Anzahl der Partien (mehrere Meister wie Zuckerlort, Paulsen, Blackburne, rc. haben wiederholt zwölf bis fünfzehn Partien gleichzeitig geführt), als vielmehr der Umstand, daß LaSkerS Gegner tatsächlich recht starke Spieler waren, sowie daß Lasker auf dem Gebiete des Blindspiels sich nur sehr selten versucht hat. Der Meister erledigte seine schwierige Aufgabe mit merkwürdiger Sicherheit, ohne auch nur einen Gedächtnißfehler zu begehen. Nach kaum zweieinhalbstündigem Kampfe hatte er in zwei Partien glänzend gesiegt und die beiden anderen zum Remis geführt. Nach Schluß des Spiels nahm der Vorsitzende des Vereins für Kindervolksküchen, Herr Hermann Abraham, Gelegenheit, in herzlichen Worten den anwesenden Schachliebhabern seinen Dank dafür auszusprechen, daß sie durch ihr zahlreiches Erscheinen nicht nur ihr großes Interesse an dem Spiele bekundet, sondern auch zur Förderung der edlen, menschenfreundlichen Zwecke seines Vereins beigetragen hätten. Herr Lasker ist der Sohn des jüdischen Predigers in Königsberg in der Neumark. Meiningen, 1. Aug. Der vor Kurzem mit Hinterlaffung zahlreicher Schulden verschwundene antisemitische Agitator und Redakteur Gottsleben-Arnstadt, der sowohl im hiesigen 1. Meiniger Wahlkreis, wie im anstoßenden Eisenacher bei manchen Honorationen, die ihn hätschelten, in gutem klingenden Andenken bleiben wird, war vor Beginn seiner Hetzthätigkeit Kreissekretär des Landkreises Erfurt. Damals schon munkelte man von allerlei Unregelmäßigkeiten, die sich Gottsleben als Verwalter des Vermögens einer Wittwe zu Schulden habe kommen lassen, doch ließ sich Bestimmtes nicht feststellen. Nunmehr ist aber der hochinteressante Fall der höheren Behörde unter Zeugenbenennung zur Kenntniß gebracht worden und zwar unter Stellung scharf zugespitzter Anträge. Coblenz, 1. August. Der antisemitische Agitationsausschuß für den Bezirk Coblenz hatte für gestern Abend eine Versammlung einberufen, bei welcher der Reichstagsabgeordnete Herr Dr. Förster über „die Judenfrage" einen Vortrag hielt. Im Gegensatz zu der Versammlung, bei der sich kürzlich der „Rector aller Deutschen" den Coblenzern vorstellte, war diese Versammlung nur sehr spärlich besucht, und sie lieferte den Beweis für unsere damalige Behauptung, daß die Mehrzahl der Erschienenen aus Neugier für die Person Ahlwardt's, nicht aber als Anhänger der antisemitischen Sache gekommen sei. Interessant war ein Vergleich zwischen dem Vortrag Ahlwardt's und dem Dr. Förster's. Während Ahlwardt in gemüthlichem, man könnte sagen, spießbürgerlichem Ton allerhand Sachen und Sächelchen auskramte, die vorwiegend auf Berliner Verhältnisse Bezug hatten, wahrend er durchweg Thatsachen mittheilte und die Ursachen von deren Vorhandensein fast vollständig außer Acht ließ, besprach Dr. Förster in der ersten Hälfte seines Vortrags in rein wissenschaftlich-theoretischer Weise die Ursachen, die die Judenfrage gezeitigt haben sollen, und zwar in knapper, kurzer Redesorm. In dieser Beziehung ubertraf Dr. Förster seinen Gesinnungsgenossen Ahlwardt ganz bedeutend. Als er aber in der zweiten Hälfte seiner Rede dazu überging, die herrschende wirthschaftliche Noth zu schildern und erläuternde Beispiele zu geben, fiel er entschieden ab, wie das schon aus dem Umstand ersichtlich ist, daß der Redner selbst durch die schönsten „Judengeschichten" die Zuhörer nur ganz vereinzelt zum Beifall bewegen konnte. Hierin ist ihm Ahlwardt entschieden über. Sei eS bewußt oder unbewußt — Ahlwardt weiß in diesem Fall seine Hörer zu packen. UebrigenS soll bemerkt werden, daß alles daS, was Dr. Förster gestern Abend über die unehrliche Concurren; vorbrachte, von einem Berliner Redner vor etwa einem Vierteljahr in einer Versammlung des „Vereins zur Wahrung städtischer Interessen" ungleich treffender beleuchtet worden ist. Der Redner sprach ununterbrochen fast 2lli Stunden; daher verließ mancher der Anwesenden bereits lange vor Schluß des Vortrags die Tonhalle. Aus dem Vortrag soll noch erwähnt werden, daß Dr. Förster den Präsidentenmörder Caserio für einen Juden hält, trotzdem es sich herausgestellt hat, daß ein italienischer Spaßvogel die Pariser „Libre Parole" arg zum Besten gehabt hat. — Zum Schluß nahm die Versammlung eine Resolution an, durch welche die Abgeordneten des Eentrums ausgefordert werden, im Verein mit den Antisemiten die Judenfrage zum Austrag zu bringen. Lemberg. Auf Initiative des bekannten Philantropen, LandeSadvocaten und Gemeinde-Cultusrath Dr. Wilhelm Holzer und unter Aegide Seiner Ehrwürden Rabbiner Isaak SchmelkeS und Dr. Caro wurde hier ein Verein zur

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