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Der Israelit · 1894-08-09 · Heft 63 (9.8.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 63 (9.8.1894)
Date
1894-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1166 trotz der Mtttheilung des Vorsitzenden Dr. Kleist, daß die „Volksrundschau" zwar die Auswüchse der Börse bekämpfen, sich aber des Antisemitismus enthalten werde. Stuttgart. Die „Schwäbische Kronik" meldet unterm 20. Juli aus Stuttgart: Der Verwaltungsausschuß der Württ. Privatfeuervers.-Gesellschaft hat kürzlich dem Brandmeister Bruno Jacoby in Anerkennung von dessen hervorragenden Verdiensten um die Feuersicherheit von Stuttgart und damit auch um die Privatfeuerversicherungsgesellschaft eine wertvolle Taschenuhr mit verbindlichem Dankschreiben übersandt. Auf dem inneren Deckel sind folgende Worte eingravirt: „Die Württ. Privatfeuervers.-Gesellschast Herrn Brandmeister Jacoby in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Feuersicherheit der Stadt Stuttgart. Juli 1894." Der äußere Deckel enthält das Monogramm Jacoby's. —Der Bürgerverein der inneren Stadt verehrte dem Brandmeister eine schwere Uhrkette mit Medaillon, „Zum Andenken 1894" und den Feuerwehremblemen eingravirt, als Ausdruck des Dankes für die in diesem Verein gehaltenen Vorträge über das Verhalten des Publikums bei ausbrechendem Feuer. Aus Anlaß des großen Brandes im Schlosse des Königs der Belgier in Laeken hatte s. Z. Brandmeister Jacoby eine Instruktion für die dortige Schloßdienerschaft ausgearbeitet und dem König übersandt, wofür der Verf. aus dem Kabinet des Königs ein Dankschreiben erhielt. Aschaffenburg, 7. August. Anknüpfend an die Corr. des Hrn. Rabb. Dr. Schick von Zempelburg in Nr. 62 des „Israelit" bezüglich derErez- Jsrael-Esrogim, erlaube mir auf Grund von maßgebenden Stellen erhaltenen Aufschlusses mitzuthetlen, daß auch bei den gedachten Esrogim Vorsicht und Auswahl nöthig ist. Die Esrogim aus den Orten Am-al-fachim und Chitin — in einem hebräischen Briefe also geschrieben —, welche von Kundigen auf den ersten Blick als solche erkannt werden sollen, aber auch von manchen andern weniger bekannten Orten, gelten unzweifelhaft für koscher; bet vielen aus andern Landstrichen Palästinas aber sei dies nicht so leicht festzustellen. — Bei dem nun so starken Betriebe der Esrog-Pflanzungen jünger« Datums dürfte daher nach meiner unmaßgeblichen Ansicht größere Sicherheit für das unzweifelhafte Kaschrus durch spezielles Zeugniß über die betr. Sendung seitens bekannter Autoritäten gefordert werden müssen, und nicht so unbedingt die als '"»r-Esrogim angegebene Bezeichnung genügen, und möchte ich eingehende Behandlung dieser hochwichtigen Sache im Benehmen mit den rn 'vom u:n durch diese Zeilen angeregt haben. Oester r.4t ngar. Monarchie. Wien, 2. August. Meldungen der Blätter zufolge soll der Pfarrer des Dorfes Schrick in Niederösterreich, Leopold Scherzer, nach Unterschlagung von Waisen- und Sttftungsgeldern in der Höhe von 15 000 Gulden geflüchtet sein. Scherzer war früher Kooperator in Wien und zählte zu den Häuptern der antisemitischen Partei. Seine Hetzreden veranlaßten schließlich die kirchliche Behörde, ihn unter dem Vorwände einer Beförderung aus Wien zu entfernen. Rußland. Petersburg, 31. Juli. Wie die „Nedel. Chron. Wos." berichtet ist in diesen Tagen der Nordamerikaner Dr. Krauskopf in St. Petersburg eingetroffen, welcher um die Erlaubniß nachsuchen will, in Rußland eine Reihe landwirthschaftlicher Kolonien für diejenigen unvermögenden Juden gründen zu dürfen, welche sich sonst gezwungen sehen, in's Ausland auszuwandern. Unter Vermittelung der nordamerikanischen Gesandschaft hat Dr. Krauskopf seine Absichten einem hochgestellten Würdenträger vorgetragen, der sich über die Gründung solcher Kolonien in den weniger bevölkerten Gegenden des Reiches durchaus sympathisch geäußert haben soll. Dr. Krauskopf hat sich dann in den Rayon der jüdischen Ansässigkeit begeben, um die wirthschaftltche Lage der Juden und ihre landwirthschaftlichen Kolonien in Südrußtand kennen zu lernen. Auf dem Wege dahin hat er den Grafen L. N. Tolstoi in Jassnaja Poljana besucht, der sich, wie das genannte Blatt berichtet, mit tiefem Schmerze über das Verhalten einiger Organe unserer Presse zur Judenfrage geäußert haben soll. Tiflis, im Kaukasus. Die jüd. Gemeinden am kaspischen Meere, die vor zwei Jahren durch die Cholera, die dort furchtbar gewüthet, schrecklich gelitten haben und theilweise auch reducirt sind worden, beginnen wieder sich zu erholen und sowohl an Anzahl sowie auch an Wohlstand wieder zuzunehmeu. Viel trägt auch dazu bet, daß durch die Transkaspibahn der Handel zwischen dem Kaspisee und Central-Asien einen nie geahnten Aufschwung genommen, während die rege Dampfschifffahrt auf diesem See oder Meere, den Verkehr ungemein erleichtert. Daher strömen fortwährend aus dem Innern des russischen Reiches zahlreiche jüd. Familien nach den Hafenstädten am Kaspisee so nach Astrachan, Kjeljar, Derbcnd, Kuba, Baku, Szaljan und Lenkoran, um sich dort dauernd niederzulaffen, da sie daselbst leichter und schneller Brot und Erwerb finden. Aber auch die jüd. Gemeinden, die sich am persischen Gestade des Kaspisees befinden: Ensalt, Rescht, Balfurusch,

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