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Der Israelit · 1894-08-09 · Heft 63 (9.8.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 63 (9.8.1894)
Date
1894-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1165 elender als der Sklave des Altertbums, denn er wird von keinem Herrn ernährt. Die große Masse der Besitzlosen in den Kulturländern fristet ihr nacktes Dasein gar oft unter sehr schweren Bedingungen. Die Wohnung des Protelariers der Großstädte ist vielfach ungesund. Seine Nahrung ist häufig gerade nur ausreichend, um ihn nicht gleich verhungern zu lassen, obwohl auch thatsächlicher Hungertod in den Weltstädten ein tägliches Vorkommntß ist. Brauchen wir das Bild noch erst weiter auszumalen 2 Ist dieser schreiende Gegensatz zwischen arm und reich im letzen Grunde etwas anderes, als cray nun» in, als widerrechtliche Vorenthaltung dessen, was den Armen rechtmäßig gehört? Ein gründlicher Kenner und scharfer Beobachter unserer Zeit sagt: „Große Katastrophen stehen auf wirthschaftli chem Gebiet bevor uno es wird nicht mehr lange möglich sein, sie aufzuhalten. — — — — Die Besitzlosen zählen sich und die Reichen und sie finden, daß ihrer mehr und daß sie stärker sind. Sie prüfen die Quellen des Reichthums und sie finden, daß Spekulation, Ausbeutung und Erbschaft nicht mehr vernünftige Berechtigung haben, als Raub und Diebstahl, welche das Gesetzbuch schwer ahndet. — -An dem Tage, an welchem sich bei d e r Meng e zum Hrrnger die Erkenntniß der Ursachen derselben gesellt, gibt es kein Hinderniß, welches sie nicht beseitigen und niederwerfen wird, um zum Recht der Sättigung zu gelangen. Hunger ist eine der Elementargewalten, gegen welche auf die Dauer weder Drohung noch Ueberredung hilft. Das ist denn auch die Kraft, die voraussichtlich den auf Aberglauben und Selbstsucht ruhenden Gesellschaftsbau, dem die Philosophie allein nicht beikommen kann, dem Boden gleich machen wird." Das ist der moderne Eommentar des hv ayi noiriD, den schon unsere Mischna als Folge des □".jj/ nunn in bezeichnet. Aber der Blick unserer Mischna reicht weiter. Sie sieht die Würgengel des Todes, die Heere von Nervenübeln, die Epidemien und Verheerungen aller Art, wie sie keine frühere Zeitepoche kannte, alle in demselben Dienste wirken, in welchem das Hungergespenst seine Mission vollzieht und lehrt sie als die rächenden Anwälte der gedrückten Armuth begreifen. Vor ihrer unerbittlichen Wahrheit zerstieben die schönen Phrasen von Humanität, welche die kalte, moderne Herzlosigkeit verbrämen. Es bedarf nicht erst der Nattonalökonomen und Soztalpolttker, um sich ein zutreffendes Urtheil über Schein und Sein zu bilden. Wo so viel Krankhettsstoff, Cholera, Dtphteritis, Influenza und wie die Ausgeburten der gesteigerten Pest alle heißen, vorliegen, da sind nicht nur die Luft und das Wasser, da sind Sittlichkeit, Rechtlichkeit und Humanität inficirt, da liegt trotz aller Armen-Vereine, Spitäler und wie diese Almosen- Brosamen sonst sich nennen mögen, der schnödeste n'ny nnno in vor, den Gottes höhere Weltordnung nicht ungeahndet walten läßt. In dieser Vorenthaltung dessen, was den Armen zusteht, und von den Begüterten gewaltthätiger Weise zurückgehalten wird, erblickt die Weisheit unserer Weisen ein schwereres Verbrechen als dasjenige, das die Generation der Sündfluth von der Erde hinwegtilgte. 111 pyo "inv o'nv in uniy ina pr m idh na»(Br*3 *13*33 3»’ iuöi \l 3TI3 ^132,1 3113 '3 , *132.1 nö’p>3 jnsa ’j’N mp« nny 3*ni rtenyi po yi0J . (3"' D’inn emn) Dieses zündende Sich-Erheben der in der vergewaltigten Armuth verletzten Gottesmajestät mag lange auf sich warten lassen. Um so erschreckender und betäubender wird es sich geltend machen, dadurch, daß es plötzlich hereinbricht und die brutale Gewalt zu Fall bringt. 1223 n"3pr6 IN D'pD D’Dys n»tsn 12X 2"1 n'Q'pv rix li’BK ns in : mpn '131 n naip D’inn d’thm D'’jy nxinttoV ,op ’jx »now np tn 2'vyv r.oD Dipx nny nnvaa npaxo tray iib/d yh D'paxa D’amxi . (r6«n B"1 H31 DtniD) '131 (Fortsetzung folgt.) Zeituugsuachrichre« und Cvrrespvndenzcn. Deutschland. Aus Baden 4. August. Aus Anlaß der am 4., 5. und 6. August in Karlsruhe ftattfiudenden Delegiertenversammlung des Bundes der Ritter des Eisernen Kreuzes fand gestern Abend in Mannheim im groben Stadtparksaale eine Vorfeier statt. Dem Festbanket wohnte auch eine Dame bet, deren Brust gleichfalls das eiserne Kreuz ziert. Es war dies Frl. Alwine Levi-Maier aus Offenbach, welche Mitglied des dortigen Vereins der Ritter des Eisernen Kreuzes ist, und gegenwärtig in Frankfurt weilt. Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges trat die Dame sofort als freiwillige Krankenpflegerin in den Dienst des Heeres, machte den ganzen Feldzug mit und nach Beendigung desselben wurde ihr von dem verstorbenen Kaiser Wilhelm I. die hohe Auszeichnung eigenhändig überreicht. Noch sei bemerkt, daß die Delegirtenversammlung die Gründung eines Vereinsblattes ablehnte, desgleichen den Vorschlag eines Berliner Delegirten, die antisemitische „Tägliche Rundschau", in deren Verlag vom 1. September eine „Volksrundschau" erscheint, als Vereinsorgan zu nehmen.

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