Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1894)
- Date
- 1894-08-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1157 heute ein Theil ihrer Kliniken gerade ärmeren Glaubensgenossen aus den östlichen Grenzgebieten zugute kommt. Die Albertina war vorwiegend eine Stätte freier Forschung, und als allerorten noch fanatische Intoleranz herrschte, wurde bereits 1713 hier der Rabbiner Salomon Fürst an der Universität immatrikulirt, derselbe erhielt 1718 die Erlaubniß, in dem vornehmsten Stadttheil Königsbergs zu wohnen. Für die Juden des slavischen Ostens hat die Königsberger Universität ihre Kulturausgabe mit hingebender Toleranz erfüllt, aber es hat ihr bei dem Fortschretren auf der Bahn des Lichts auch nicht an Unterstützung von unserer Seite gefehlt; jüdische Dozenten von Weltruf haben an ihr gewirkt und zahlreiche gut dotirte Stiftungen wohlhabender Glaubensgenossen sind der Albertina zugewandt worden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Laut Meldung des „Wiener Tagblattes" vom 1. Juli hat der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde an die Religionslehrer die Weisung erlaffen, daß die jüdischen Schüler der öffentlichen Unterrichtsanstalten von nun ab in der Religionsstunde das Schulgebet mit bedecktem Haupte zu verrichten haben. Wer die Männer, die an der Spitze der genannten Cultusgemeinde stehen, kennt, wird es keinesfalls behaupten, daß sie, wie das „Wiener Tagblatt" behauptet, es gethan haben, offenbar nur um im reactionären Fahrwasser ordnungsmäßig mitzuschwimmen. Was sie zu einem solchen Schritte veranlahte, ist der Umstand, daß sie zur Ueberzeugung gekommen sind, daß ohne Kern die Schale zerfließen muß, ohne Schonung religiöser Vorschriften und Bräuche, mögen sie noch so geringer Bedeutung sein, aller religiöser Sinn, alle Sittlichkeit schwindet. Hat doch in Wien schon vor einigen Jahren es eine gewisse Clique gewagt den dortigen Vorstand mit Bitten zu bestürmen, einen Sonntagsgottesdienst einzurichten. Der Schritt des israelitischen Cultusgemeindevorstandes in Wien verdient bei Allen, denen die religiös-sittliche Erziehung der jüdischen Jugend am Herzen liegt, die vollste Anerkennung. Es wäre nur zu wünschen, daß auch andere jüdische Gemeinden in Oesterreich dem Beispiele des Wiener israelitischen Cultusgemeindevorstandes folgen. Während die isr. Cultusgemeinde in Wien Schritte unternimmt, um der jüdischen Jugend Achtung vor den religiösen Vorschriften und Bräuche einzuimpfen, erlauben sich christliche Lehrer und Lehrerinnen an galizischen Schulen, besonders in Lemberg, Dinge, die geeignet sind die jüdische Jugend der väterlichen Religion zu entfremden, und keiner unserer hervorragenden Glaubensgenossen sah sich bis nun veranlaßt bei den competenten Behörden Schritte zu unternehmen, um diesem Treiben ein Ende zu machen. An vielen Volksschulen Lembergs erlaubt man sich, obwohl Staatsgrundgesetze, Ministerial- und Landesschulrathserlasse es strenge verbieten, jüdische Kinder am Sabbat zum Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten zu zwingen, wie auch Kirchengesänge mitzusingen. In manchen Schulen, wo der jüdische Religionsunterricht, wegen der geringen Kinderanzahl mosaischen Glaubens, nicht in der vorgeschriebenen Stundenanzahl, somit auch nicht gleichzeitig mit dem katholischen stattfinden kann, werden die jüdischen Kinder gezwungen, den Vortrag des christlichen Katecheten anzuhören. An etner der Lemberger Volksschulen beauftragte der Klassenlehrer, ein Christ, die jüdischen Kinder ihm Bestätigung von ihren Eltern zu bringen, daß sie ihnen das Schreiben am Sabbat gestatten und drohte ihnen, im Falle sie diese nicht brächten, mit schlechten Zeugniffen. Der größte Theil der Kinder brachte ihm, um sich seine Gunst zu erwerben, die gewünschten Bestätigungen. Ein Knabe aber, der keine solche von seinem Vater brachte und gleich am ersten Sabbat nicht schreiben wollte, wurde vom Lehrer geschlagen. Dies veranlahte den Knaben die ganze Angelegenheit dem Religionslehrer zu erzählen und ihn um Abhilfe zu bitten. Der Religionslehrer, dem die streng religiöse Lebensweise mancher Eltern, deren Kinder die erwähnten Bestätigungen brachten, bekannt war, begab sich zu ihnen, um sich zu überzeugen, ob sie wirklich solche gegeben hatten. Und siehe, da erfuhr er, daß die Eltern nichts davon wußten. Die Kinder gestanden ein, daß sie aus Furcht vor einer schlechten Klasse sich selbst solche mit einer fälschlich nachgeahmten Unterschrift des Vaters ausstellten. Mit Recht fragten die Eltern, was ist das für ein Lehrer der seine Schüler so demoralisirt. Wagt es aber ein Kind, das am Sabbat nicht schreiben, zeichnen oder Handarbeiten verrichten will, in mancher Schule zu sagen, daß dies unsere Religion verbietet, dann antwortet man ihm: „So geh' in die jüdische oder in die Czacki-Schule!" Diese letztgenannte Schule kann aber, weil sie überfüllt ist, nicht alle Kinder, die sich ünmelden, aufnehmen. Wir hoffen, daß der Lemberger Bezirksschulrath baldigst sämmtliche Directionen an ihre Pflicht mahnen wird. (Lemb. Isr.) Dänemark. Kopenhagen, 31. Juli. Anläßlich der silbernen Hochzeit des allbeltebten und allverehrten KronprinzenpaareS brachte vorgestern eine Deputation