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Der Israelit · 1894-08-06 · Heft 62 (6.8.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 62 (6.8.1894)
Date
1894-08-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1158 der hiesigen jüdischen Gemeinde, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Dr. Simonsen, Etatsrath Bankdirektor Glücksstadt und Bankier Lewin, im Namen der Gemeinde die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche dar. Der Kronprinz erwiederte die Rede des Herrn Oberrabbiners mit einer längeren Ansprache, worin er seiner Freude Ausdruck gab, daß die Israeliten dieses Landes vermöge ihrer ehrenvollen Haltung und Stellung die allgemeine Achtung und Werthschätzung ihrer Mitbürger genießen, sowie auch, daß kein Funken jenes verderblichen Brandes, den Religtons- und Rassenhaß entzündet, Eingang am dänischen Herde gefunden habe, noch mit Gottes Beistand je finden werde. Die Mitglieder der Deputation wurden hierauf zum Gala-Souper, das selbigen Abend im kronprinzlichen Palais gegeben wurde, eingeladen. Rußland. Petersburg. Zur Erinnerung an den glücklichen Vorgang zu Borkt hat der Munizialrath zu Kiew beschlossen, eine Handelsschule zu gründen; natürlich war das Verhältniß der aufzunehmenden jüdischen Zöglinge dasselbe wie bei den städtischen Anstalten und zwar 5 pCt. der Gesammtzahl der Zöglinge. Die jüdische Gemeinde hat lebhaft gegen diese Maßregel proteftirl; es wurde eine Eingabe an den Finanzminifter gerichtet, in welcher die Kläger anführen, daß die Verwaltungskosten der neuen Schule von den Kauflenten erster und zweiter Gilde und regelmäßigen jährlichen Beiträgen aufgebracht werden sollten, daß die jüdischen Kaufleute in Kiew drei Viertel der Kaufmannschaft bilden, und daß also das Festsetzen der aufzunehmenden jüdischen Zöglinge auf 5 pCt. folglich eine Ungerechtigkert sei. Der Finanzminister hat dem Stadtrath in Kiew angezeigt, daß in den Statuten der neuen Schule der Paragraph, welcher die Zahl der jüdischen Zöglinge aus 5 pCt. feststtzl, aufzuheben sei, vielmehr erklärt werden müsse, daß die Zöglinge ohne Religionsunterschied ausgenommen würden. Vermischtes. Lengsfeld. 28. Juli. Der Holzhauer Johann Trcnder war vom Schöffengericht in Lengsfeld zu einer Woche Gefängniß verurtheilt worden, weil er es nachgewiesenermaßen gewesen war, der am Abend des 4. März d. I. einem jüdischen Getreidehändler in Gehaus ohne irgend welche Veranlassung zwei Fensterscheiben eingeschlagen hatte. Trender legte gegen dieses Urtheil Berufung ein, über welche das Landgericht in Eisenach vor Kurzem verhandelte. Staatsanwalt Blüher führte aus, daß nach den seinerzeit angestellten Ermittlungen zweifellos konstatirt worden sei, daß kein Anderer als Trender derjenige gewesen, der die Sachbeschädigung ausgefühlt habe. Es sei in letzterer Zeit überhaupt des Oefteren vorgekommen, daß jüdischen Einwohnern in Gehaus von Leuten, welche jedenfalls durch die antisemitische Bewegung aufgehetzt worden find, die Fenster eingeworfen wurden. Man sei sogar so weit gegangen, daß man Grabdenkmäler auf dem jüdischen Friedhose zerschlagen habe. Derartige Schandihaten könnten nicht genug geahndet werden! Habe man nun bei den vielfachen Bubenstreichen gerade einen der Uebelthäter erwischt, so müsse dieser denn auch gehörig bestraft werden. Er beantragte daher, die Berufung als vollständig unbegründet zu verwerfen. Der Gerichtshof entschied im Sinne der Ausführungen des Staatsanwaltes und verwarf die Berufung. Halberstadt, 31. Juli Unsere Gemeinde und besonders die jüdische Elementarschule haben einen schweren Verlust erlitten.' ihr langjähriger Lehrer Herr Meier Löwenberg ist in Neuenahr, wo er sich zur Kräftigung seines geschwächten Körpers während der Ferien aufyielt, einem Herzschlage erlegen. In Schenklengsfeld (Hessen) geboren, besuchte der Verblichene das Kasseler Lehrerseminar und übernahm als erste Stelle seiner reichen Wirksamkeit den Unterricht in der jüdischen Schule zu Gudensberg, wo er sich zugleich unter Leituug des gefeierten Rabbi M- Wetzlar in den talmudischen Disciplinen weiter bildete. Wenige Jahre später folgte er einem Rufe nach Halberstadt, wo er fast 29 Jahre der Lehrer und Freund von zwei Generationen unserer Gemeinde geworden ist. Als schönsten Lohn der aufopferungsvollen Thätigkcit, welche er in dieser langen Zeit entfaltet, sah er die mannigfachen Ovationen, welche ihm bei Gelegenheit seines 25 jährigen Lehrerjubiläums aus allen Kreisen der Gemeinde und Stadt dargebracht wurden. Schon seit Jahren leidend, unterbrach er sich, trotz der dringenden Bitten seiner Verwandten und Freunde, nicht in seinem unermüdlichen Arbeiten, und so sank er in der Vollkraft des Lebens im Alter von 57 Jahren in's frühe Grab, beweint von einer edlen Gattin und vier Kindern, welche zu wahrer Frömmigkeit zn erziehen sein innigster Wunsch war, betrauert von einer ganzen Gemeinde, die in ihm ihren Lehrer und Freund verliert. Auf Wunsch der Familie wurde die Leiche am vorigen Freitag nach Halberstadt gebracht; vom Bahnhofe aus setzte sich der lauge Zug der Leidtragenden nach unserem Friedhöfe in Bewegung unter Betheiligung fast aller Gemeindemitglieder und vieler Freunde und Kollegen aus den besten nichtjüdischen Kreisen unserer Stadt. Herr Rabbiner Dr. Auerbach widmete dem verstorbenen Lehrer und Freunde, dem echten Jehudi und Talmid-Chacham tiefgefühlte Worte des Nachrufs; ihm schlossen sich an die Herren Rabbiner Dr. Koref '"z-Hanau, der Schwager des Verstorbenen, und Herr Dr. van Geldern, der langjährige Kollege an der jüdischen Schule. Der ausgezeichnete Mann, dessen arbeitsreiches Leben ein so jähes Ende fand, wird in reichgesegnetem Andenken fortleben in unserer Gemeinde und unserer Schule, rriiüjn Wien, 29. Juli. Bei den letzten Beförderungen im Richterstande wurden n. A. ernannt: der Rathssekretär Dr. Bernhard Barber zum Landesgerichtsrathe beim Landesgerichte in Czernowitz, und Staatsanwalt Substitut Julius Turtelilanb zum Landesgerichtsrath füt das Kreisgericht in Stanislau. Das sind Auszeichnungen, die bis jetzt in Oesterreich Juden nur selten zu Theil wurden. Budapest, 26. Juli. Der Keßthelyer Kaufmann Jngnatz Oppenheim hat die Tochter des Pensionirte» Feldnlarschall-Lieutenants v. Parh, welche in Plattensee badete und dem Ertrinken nahe war, mit eigener Lebensgefahr gerettet und glücklich ans Ufer gebracht. Der Vater der Geretteten dankte Herrn Oppenheim für seine edle That in der herzlichsten Weise. t¥iiv den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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