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Der Israelit · 1894-08-06 · Heft 62 (6.8.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 62 (6.8.1894)
Date
1894-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1152 lich vom Pferde gestürzt und schon wenige Stunden nachher, in Folge der erlittenen schweren Verwundungen auch verschieden ist. Ich will Ihnen hier eine kleine Episode aus der Schlacht von Königgrätz schildern, um Ihnen zu zeigen, wie dieser hohe Herr über die Juden und besonders über die jüd. Soldaten dachte. Auch in der bezeichneten Schlacht führte der erlauchte Erzherzog das Commando über die Artillerie, die an diesem Tage die äußersten Anstrengungen machte, um den geschlagenen Oesterreichern den Rückzug zu ermöglichen und die Preußen an deren Verfolgung aufzuhalten. Um 4 Uhr Nachmittags kam der Erzherzog zu einer Batterie, deren Offiziere alle schon den Heldentod gestorben waren, und die noch von einem Feuerwerker und einigen Artilleristen bedient wurde. Ununterbrochen schleuderten die wenigen Geschütze, die noch im Gebrauche waren, ihre Geschosse gegen den heranftürmenden Feind, die große Verheerungen in seinen Vorderreihen anrichteten. „Sie sind der bravste Offizier, meiner Armee!" rief der Erzherzog dem Feuerwerker zu und reichte ihm die Hand, die dieser ehrfurchtsvoll küßte. Es war dies der jüd. Feuerwerker Adolf Hüttner, der dem Tode trotzig in die Augen sah und muthig für seinen Kaiser kämpfte. Nach Beendigung des Feldzuges erhielt Hüttner auf Verwendung des Erzherzogs in Wien die Concesfion zu einer Branntweinschenke. Hüttner ist vor wenigen Jahren in Wien gestorben. Frankreich. Paris, 31. Juli. In der Academie de Medicine fand hcute eine interessante und sehr lebhafte Diskussion über die neuesten Forschungen des Professors Dembo von Petersburg über die beste Schlachtmethode statt. Der Berichterstatter Dr. Dieulafoy zeigte sich durch die Beobachtungen, die Dembo in den Schlachthäusern von ganz Europa gemacht hat, ganz zu seiner Ansicht bekehrt, daß das Schlachten durch Halsschnitt rascher, schmerzloser und für die Qualität und Haltbarkeit des Fleisches besser ist, als das Niederschlagen mit Keulenschlag oder mit Schußmaske. Trasbort, der Direktor der Thierarzneischule von Alfort, vertheidigte die übliche Schlachtweise, indem er Dembo's Behauptungen, es seien durchschnittlich fünf Schläge nöthig, um einen Ochsen zu tödten, bestritt. In Paris seien selten zwei Schläge nöthig. Wenn die Schlächter ihr Handwerk wirklich verstehen, könne es nie zu fünf Schlägen kommen. Dieulafoy führte dagegen aus der Denkschrift, die Dembo der Akademie eingereicht hatte, an, daß z. B. in Frankfurt im Dezember 1885 in seiner Gegenwart 71 Schläge nöthig gewesen seien, um drei Ochsen zu tödten. Der hochbetagte Baron Larrey äußerte sich dahin, daß die Reklamationen der Thierschutzvereine gegen die üblichen Schlachtmethoden berechtigt seien und daß die beste Art, große Thiere möglichst schmerzlos zu tödten, noch zu finden sei. Die Akademie vereinigte sich hierauf in geheimer Sitzung und pflichtete nach der üblichen Formel den Konklusionen des Berichterstatters bei. Professor Dembo, welcher den Verhandlungen als Gast beiwohnte, erklärte sich nach denseben sehr befriedigt über deren Verlauf. Schweden. Stockholm, 25. Juli. Vor Kurzem hat der Gesanaverein der österreichischen Eisenbahnbeamten eine Tournee durch Dänemark, Norwegen und Schweden gemacht und wurde er dabei von mehreren Wiener Journalisten begleitet. Die österreichischen Consulen hier und in Götheborg, Herr Fränkel und Herr Levis oh n, beide sind sie Juden, beeilten sich, den Wienern die größtmöglichste Gastfreundschaft zu erweisen, und Herr Levisohn lud sogar den Herausgeber des bekannten antisemitischen „Deutchen Volksblattes", Herrn Vergant, zu einem Imbiß. Als Dank dafür schimpft nun Herr Vergani in der letzten hier eingetroffenen Nummer seines Blattes tüchtig über Herrn Levisohn und schwört zu. gleich, nie mehr bei einem österreichischen Cousul zu Gaste zu sein, da die österreichischen Consulen fast insgesammt Juden sind. Das ist der Dank, den wir Juden davon haben, wenn wir einem modernen Haman Gastfreundschaft erweisen. ■¥• Vermischtes. -s- Mainz. Der bekannte Reuterrecitator, Herr Hermann aus Hamburg erfreute uns Mittwoch Abend durch die wohlgelungene Vorlesung zweier Abschnitte aus der „Stromtit." Sowohl Organ als auch ausdrucksvolle Vortragsweise des Herrn H. stellen ihn den besten Reutervortesern ebenbürtig an die Seite. Machte im ersten Theil der Vorlesung das stets so ergreifende Anfangskapitel des Romans den tiefsten Eindruck auf die Zuhörer, so war die darauffolgende große Scene zwischen Moses und Hawermann von besonderem Interesse gerade in unserer trüben Zeit der antisemitischen Hochflut, da der Dichter hier eine der edelsten Gestalten des Romans durch einen Juden verkörpert hat. Wir wünschen Herrn H. überall den wohlverdienten Erfolg. AuS Bayern. Der Israelitische Lehrerverein für das Königreich Bayern hält feine XV. Generalversammlung Dienstag den 11. August d. Jrs. Vormittags 9 Nhr zu Nürnberg im Hotel Plaut mit folgender Tagesordnung ab. 1. Begrüßung und Berichterstattung des Vorstandes. 2. Geschäftsbericht des Kassiers. 3. Antrag der Verwalung: a. Die Generalversammlung wolle den Jahresbeitrag der ordentlichen Mitglieder von 6 Mark auf 10 Mark erhöhen l>. Die Unterstützungsgesuche ordentlicher Mitglieder, welche durch Altersschwäche oder Krankheit dienstunfähig geworden find, müssen — wie die der Wittwen und Waisen — unbedingt berücksichtigt werden. (S §§ 7 und 8 der Satzungen.) 4. Vorträge 1. Die Gründung eines deutsch-israelit. Lehrer-

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