Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1894)
- Date
- 1894-08-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1153 blindes. Referent: Goldsteirr-Maßbach. 17. Schaden im Hause. Referent: Plaut-Burgpreppach. III. Das Bibellesen in der jüdischen Volksschule. Referent: Dingfelder- Ansbach. IV. Die israelitische Religionsschule eine Pflanzstätte des Thorastudiums und des Judenthums. Referent: B. Oppenheimer-Obernbreit. Berlin. 30. Juli. Vom 1. September ab soll hier eine billige tägliche Zeitung „Volksrundschau" erscheinen, die als Programm die Vertretung der „Interessen des Mittelstandes" verheißt. Aus den versandten Cirkularen ergibt sich, daß es auf eine antisemitische Gründung abgesehen ist, als Herausgeber wird Herr Dr. Friedrich Lange, der seitherige Redakteur der „Tags. Rundschau", genannt, was jeden Zweifel daran ausschließt, welcher Propaganda das neue Blatt zu dienen bestimmt ist. Aus unserem Leserkreise gehen uns verschiedene solcher Abbonnentenfangcirculare zu, in welcher in abgeschmackter reclamehafter Weise das Blaue vom Himmel versprochen wird. Fahre so fort edle „Volksrund schau", dann sind wir zufrieden. Feuilleton. EsterKa, Königin von Folen. Historische Erzählung von Hugo Freund. 19.) (Nachdruck verboten.) „Was geschieht denn mit den beiden eingeferferten Juden," rief der Herr von Pawlewitsch. es ist ja zweifellos," sagte Franziskus, „daß sie von dem Gericht, selbst wenn der König es anders befehlen sollte, schuldig gesprochen würden. „Alle polnischen Richter bestehen ebenfalls aus Edelleutcn, und niemals wird sich ein polnischer Adeliger so tief erniedrigen, auf Befehl des Königs das Recht zu beugen. Die beiden Juden müssen sterben und wenn es sein muß, König Kasimir mit ihnen." „Der König wird sich jedenfalls darauf verlassen, daß er das Begnadigungsrecht hat, und wird dann wahrscheinlich seine Geliebte auf diese Weise von dem Tode erretten," warf der Pan von Wola dazwischen. „Ja, ja! So weit aber dürfen wir es nicht kommen laffen, sobald das Todesurtheil gesprochen ist, so wird der Pan von Wola die Leiche des Kindes auf einen Spieß stecken, und damit durch die Straßen von Krakau reiten!" „Was," unterbrach ihn Pan Johann, „wo denkt Ihr hin, Pater, diese Leiche ist längst begraben und verfault." „Ei nun," entgegnete Pater Franziskus, „das Volk nimmt es nicht so genau, ein Kind ist ein Kind, und wenn Ihr den Körper irgend eines verstorbenen Kindes auf den Spieß steckt und damit am Tage des Gerichts durch die Straßen reitet, so wird kein Mensch daran zweifeln, daß es die Leiche des von den Juden gemordeten Knäbleins ist. „Ich habe eine Menge Leute in Aussicht genommen, die sich unter den Thoren und in den Eingängen der Häuser verbergen werden, und sobald Ihr dann euch zu Pferde sehen lasset, so werden sie hervorbrechen und „Mord und Tod den Juden!" schreien. „Die große Masse läuft bekanntlich immer mit den Schreihälsen, und so kann es nicht fehlen, daß die ganze Stadt auf die Juden stürzt und uns keiner in Krakau entrinnt, und das ganze Land wird mit Freude dem Beispiel der Hauptstadt Folge leisten. Hierdurch erreichen wir ein Doppeltes: Erstens befreien wir uns von den elenden Juden und zweitens wird der König durch einen solchen Vorgang auf das schwerste getroffen und seine Autorität auf das tiefste erschüttert werden, so daß der Boden für den Aufstand, der zur Zeit der russischen Invasion stattfinden soll, dann genügend vorbereitet ist." Roßny hatte mit großer Aufmerksamkeit zugehört. „Das ist alles recht schön und gut," sagte er, als der Pater geendet, „aber Ihr kennt Alle den König nicht so, wie ich ihn kenne. „Kasimir ist ein tüchtiger Mann. Er ist ein Kriegshcld vom Scheitel bis zur Sohle, das müssen ihm selbst seine Feinde lassen. Was er kann, das vermag nicht so leicht ein Andrer. Ich selbst würde gern auf seiner Seite stehen, wenn dies überhaupt einem Adeligen möglich wäre, dem echtes Blut der Polen in den Adern rollt. Dieser König richtet uns zu Grunde. Dieser König liebt nur die Bauern und Leibeignen und deshalb hasse ich ihn. Eben deshalb muß ich Euch warnen. Er pflegt das Unerwartete häufig zu thun, und noch Hülfsquellen aufzufinden, wo Andere sich schon fürverloren halten. Was werden wir nun thun, wenn der König siegt? ' Ein lautes Hohngelächter unterbrach von allen Seiten den Sprecher. „Unmöglich!" rief es durch den Saal, „das kann nicht sein." „Bei Kasimir ist vieles möglich," sagte Roßny, „und deshalb ist es meine Meinung, daß der König sterben muß, bevor die Russen in das Land kommen. Des Todes ist er schon längst schuldig für seine Begünstigung der Feinde des Landes, der Leibeignen und der Juden. Wir vollziehen ein gerechtes Urtheil." „Gewiß," rief Wola, „der König hat eine große Reihe von Anhängern und Freunden und leicht würden wir dem Todesbanne verfallen. Auch ich bin der Ansicht, die Roßny soeben ausgesprochen hat. Der König muß sterben, und die Ruffen müssen uns vor seinen Freunden und Anhängern schützen." > 5 •i