Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1894)
- Date
- 1894-08-02
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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hältniss von Angebot und Nachfrage auf den grösseren Handelsplätzen und dem allgemeinen Weltmärkte überhaupt. Wenn die Ernte in Palästina sich nämlich nur einigermaßen auf dem Durchschnitts - Niveau hält, dann ist das Korn im Lande selbst geradezu werthlos. Der Landwirth ist für seine Bodenerzeugnisse daher auf dia Ausfuhr angewiesen, um den Erlös an baffem Gelde zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse verwenden zu können. Den grossen .^- Weltmarkt aber kann der junge Kolonist nicht betreten mit seinem Getreide, hier herrscht unangefochten der Amerikaner, und macht jeden Versuch, sich neben ihm zu behaupten, zu nichte. Für den Weinbau aber besteht eine derartige Alleinherrschaft auf dem internationalen Markte nicht, im Gegentheil, da Frankreich und Ungarn, überhaupt jedes alte Weinland unter der Reblaus zu leiden hat, so bietet sich für einen neuen Weinproducenten gerade jetzt die beste Gelegenheit, seine Rebe in den Verkehr einzuführen und ihr ein Absatzgebiet zu erschlossen. (Fortsetzung folgt.) —<C53==^ssss9ß3E8zga^^r>—<64444- Bericht über die Thätigkeit des Kolonisations-Comite s in Odessa in der Zeit vom 9. Ijar 5650 bis zum 12. Ijar 5658 (16. April 1890 — 15. April 1893). Allgemeine Uebersicht. Die traurigen Verhältnisse der russischen Juden in der Periode des Ignatiew-Regimes, die Kalamitäten, welche, wie Donnerschläge aus heiterem Himmel, die in Ruhe und Frieden lebenden russischen Glaubensgenossen plötzlich betroffen hatten, verursachten eine starke Bewegung unter ihnen, das Land, in welchem sie mit einem Male als Parias, als vogelfrei, als ausserhalb aller gesetzlichen Ordnung stehend erklärt wurden, zu verlassen und den Wandeistab in die Hand zu nehmen. Der alte Geist des Judenthums, die Erinnerung an längst vergangene Jahrtausende, da noch „ein Jeder unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbäume“ im heiligen Lande sass, war in ihnen rege geworden. Die momentanen Gefühle wurden zurückgedrängt, die Noth schien vergessen, und schaarenweise strebten die ihrer Habe beraubten, zum Spielballe des gemeinen russischen Pöbels gewordenen Kinder Israels nach Palästina, um in der Nähe der heiligen Gräber der Urväter, in dem Lande, in welchem die Hoffnung auf unsere nationale Wiedergeburt niemals erloschen, auf dem Boden, wo einst Milch und Honig floss, theils als Ackerbauer, theils als Handwerker zu leben. Der Gedanke, das heilige Land zu kolonisiren, den einst so fruchtreichen und jetzt brach daliegenden Boden wieder urbar zu machen, spornte die hart Bedrängten trotz Elend und Armuth, trotz Mittel- und Hilflosigkeit mächtig an, nach Palästina auszuwandern. Die Idee, das Stammland der Väter mit einer arbeitliebenden und nach Arbeit strebenden Bevölkerung zu kolonisiren, war jedoch von Vielen im In- und Auslande Anfangs als ein leeres Phantasiegebilde betrachtet worden. Man war gewöhnt, nur Amerika als ein Eldorado für Auswanderer anzusehen, wohin auch Viele der grausam verfolgten Juden während des Ministeriums Ignatiew ihren Cours nahmen, Palästina aber, dank der osmanischen Wirthschaft, nur als das „Calukah-Land“, als ein Land, dessen jüdische Einwohner ausschliesslich auf die Wohlthätigkeit ihrer Brüder ausserhalb angewiesen sein müssen, zu betrachten. Was der Eifer und die Aufopferungsfreudigkeit unserer Glaubensgenossen diesseits und jenseits des Ozeans für die schuldlos von Haus und Herd Vertriebenen und nach dem fernen Westen auszuwandern Genöthigten gethan, ist zur Genüge bekannt. Diejenigen aber, welche ihre Schritte nach dem palästinensischen Gebiete gelenkt hatten, schienen von vornherein nur auf ihre eigene Kraft angewiesen zu sein. Der Gedanke. Palästina kolonisiren zu wollen, galt allgemein als ein niemals zu realisirender, und die dahin zielenden früheren Anstrengungen und Bestrebungen wurden als sehr wenig Nachahmung zu erwecken geeignete betrachtet. Die Glaubensgenossen im Auslande verhielten sich in Betreff* der Unternehmungen russischer Juden in Paläsina vollständig passiv, und die Brüder im Zarenreiche konnten, da in Russland jede Gründung eines Vereins unzulässig, nur als traurige und machtlose Zuschauer der Drangsale ihrer Landsleute in Palästina figuriren. Die ersten Pioniere der Kolonisation standen tatsächlich vollständig hilflos da. Als aber die immer unerträglicher werdende Bedrückung der Juden in dem nordischen Barbarenreiche, und der immer mehr und mehr um sich greifende Gedanke, im heiligen Lande einen festen, sicheren Halt zu finden, viele Tausende nach Palästina ziehen liess, fand ihr Ruf um Hilfe in den Herzen ihrer Brüder allenthalben ein lautes Echo. Die „Zionsfreunde“ in allen Landen vereinigten sich, um ihren