Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1894)
- Date
- 1894-08-02
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448467--39028-2487160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
unglücklichen Glaubensbrüdern, die zur Bebauung des heiligen Landes sich dahin begeben, zu helfen, und während ein Jeder derselben sein Scherflein nach Kräften dazu beitrug, bemühten sich die Brüder in Russland, die gesetzliche Erlaubniss zur Gründung eines Vereins behufs Unterstützung jüdischer Kolonisten und Handwerker in Palästina zu erlangen, um den Nothleidenden daselbst auf legalem Wege Hilfe angedeihen lassen zu können. Das Bestreben, Palästina zu kolonisiren, das so lange als blosse Chimäre betrachtet wurde, war nun zur vollendeten Thatsache geworden, und jetzt, nachdem kaum zwölf Jahre seit jenen bescheidenen Anfängen verflossen, prangen mehrere Kolonien, von russischen Juden bevölkert, auf heiligem Boden. Die russische Regierung kam dem Wunsche ihrer jüdischen Unterthanen, einen offiziellen Zionsverein in Russland zu gründen, wohlwollend entgegen, und am 1. A d a r 5 6 5 0 (9. Februar alt. St. 1890) erfolgte die ministerielle Genehmigung, in allen grösseren russischen Städten Zweigvereine der „Zionsfreunde“ gründen zu dürfen. Die Erfolge, welche jüdische Kolonisten in den jüdischrussischen Kolonien seiner Zeit in Russland selbst aufzuweisen hatten, und die Kenntniss, die man von dem Bienenfleiss, der Ausdauer, der Moralität und des nüchternen Lebenswandels der Juden in den Regierungskreisen hatte, mochte viel dazu beigetragen haben, den Minister des Innern zu bewegen, den Juden die Genehmigung zur Gründung des Palästina-Vereins zu verleihen. Nachdem dieses im Amtsblatte öffentlich bekannt gegeben wurde, fand die erste allgemeine Versammlung und Konstituirung des Zions Vereins in Russland, welcher im Laufe der letzten drei Jahre 1 28 Sitzungen abhielt, am 7. Jjar (d. 14 April alt. St.) desselben Jahres statt. Die Aufgabe des in's Leben gerufenen Vereins, der in Odessa seinen Centralsitz hatte, war eine zwiefache. Er sollte erstens die Ideen der Kolonisirung Palästinas unter sämmtlicnen Juden des weiten Heimathlandes verbreiten, sie anregen, von dem ihnen gewordenen Rechte, als Mitglieder in den Verein einzutreten, Gebrauch zu machen; zweitens seine gefassten Beschlüsse zum Behufe der Ueberwachüng und Vollstreckung der geeignetesten Massregeln zum Wolle der Kolonien, durch Vermittelung eines Executiv-Comitös, dessen Sitz selbstverständlich in Palästina sein müsste, zur Geltung zu bringen. Um diesen Anforderungen zu genügen, veröffentlichte das Central-Comite in russischer, hebräischer und jüdisch-deutscher Sprache die von ihm festgesetzten Vereinsstatuten, seine Bestrebungen darin erklärend und sich gegen die Jnsinuationen der judenfeindlichen Presse, als wäre die Jntention des Zionsvereins, die jüdisch-russischen | Untherthanen des Kaisers zur Auswanderung nach 126 Palästina zu veranlassen, aufs Entschiedenste verwahrend. Schon die Bekanntmachung der Behörden, die Juden hätten das Recht zur Gründung des Vereins erlangt, die Hilfe, welche das kaiserlich russische Konsulat in Palästina manchem jüdischen Emigranten daselbst angedeihen liess, wie die späterhin administrativ von der* türkischen Behörde erfolgte Erlaubnis«, massive lljäuser in den Kolonien aufzuführen, sprach gegen eine solch’ widersinnige Annahme. Angesichts solcher frappanten und unwiderlegbaren Beweise mussteü% die heimathlichen antisemitischen Organe ihre Wuth zügeln, und eine grosse Anzahl von Glaubensgenossen aus allen Ecken und Enden des unermesslichen Reiches konnten frei und offen mit grösseren und kleineren Beiträgen als Mitglieder dem Verein beitreten. Nicnt so leicht aber erwies sich die Lösung der z weiten Aufgabe. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Jerusalem, nie schottländische Mission unter der Leitung des Pater Joseph ist hier änsserst thätig. Die Vorsteher der hiesigen Gemeinde, namentlich die Aschkenasim, thun diesem Lehel gegenüber ihre Pflicht, indem sie Jeden aus der Gemeinde ausschliessen, der bei den Missionären Arbeit nimmt oder ihren englischen^Sprachunterricht besucht, oder von ihnen Unterstützungen annimmt. Die Frage der Wasserleitung beschäftigt wieder den hiesigen Stadtrath, und zwar soll es nun doch Ernst werden. Nach der Aussage der Sachverständigen ist es möglich, Wasser aus dem von Jerusalem weit entfernten Dorfe Charubbei Hebron zu leiten. Hierzu sind circa 75 000 Napoleonsd’or noth wendig. Der Stadtrath will nun das Geld durch Ausgabe von Aktien aufbringen und der jüdischen Gemeinde 25 000 Napoleonsd'or je zur Hälfte denAschkanasim und den Sephardin, den Rest den Muselmännern und Christen auferlegen. Die aschkenasisehen Kollelim sind darob in grosser Bestürzung, da sie nicht wissen, woher sie das viele Geld nehmen sollen, umsomehr, als in diesem Jahre die Heeresstener über 500 Napoleons verschlungen hat. Das Comite aller Kollelim hält Berathungen über diesen Gegenstand ab, und werden wir das Resultat seinerzeit mittheilen. Hier wurde ein Frauenverein zur Unterstützung von Wöchnerinnen und kranken Frauen gebildet. Derselbe gewährt nach einem Paragraphe seiner Statuten Denjenigen keine Unterstützung, welche Missionsärzte konsultiren. Jaffa. Es ist uns zu Ohren gekommen, dass Berichte nach Europa abgegangen, worin die neue hebräische Knaben- und Mädchenschule in Jaffa als ein Institut geschildert worden, das auf Ketzerei basire, und um der „Nationalität“ willen (im europäischen Sinne) die Zöglinge den Glauben verachten lehre. Das ist eine böswillige Verleumdung, gegen die die zweihundert Elternpaare der Schüler und Schülerinnen untrügliches Zengniss ablegen können. — Die Weinpreise in DlpD stellen sich pro Hektoliter: Diesjähriger Wein 35 Francs, vorjähriger 40 Fr., süsser 50 Fr., Muskat 60 Fr. Für ein Hektoliterfass zahlt man 8 Fr., für ein Doppelfass (ein Fass in dem anderen) 11 Fr. Actien-Gesellschaft, Mainz. Druck der Job. Wir th’schea Hofbuchdruckerei