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Der Israelit · 1894-08-02 · Heft 61 (2.8.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 61 (2.8.1894)
Date
1894-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1136 Herz nicht zu einer ungerechten That, Böses zuzufügen den Uebelthätern, daß ich davon nicht genieße, was ihnen werthvoll ist. Der Gerechte strafe mich mit Freundlichkeit, und es wird mir so lieb sein, wie Balsam auf Meinem Haupte (das. K. 101). Auch Salomo war von diesem Geiste beseelt und eiferte gegen Gewissenlosigkeit und Habsucht, denn maßloser Eigennutz führt nach seiner Anschauung zum größten Verbrechen und scheut nicht einmal vor dem Mord zurück (Spr. K. 1, V. 19). Darum lege gänzlich ab jedes trügerische Wort, entferne dich von jedem Unrecht. Deine Augen sollen gerade vor sich Hinschauen und deine Augenlider ehrlich vor dir Hinsehen; laß deinen Fuß rechtschaffen wandeln und alle deine Wege sollen aufrichtig sein. Weiche nicht links, nicht rechts ab und wende deinen Schritt vom Bösen (das. K. 4, V. 24—27.) Die wahre Klugheit und Lebensweisheit besteht in der Redlichkeit des Herzens auf der Bahn der Wahrheit (das. 14). Der hat Bestand und lebt zufrieden, der Habsüchtige aber zerstört sein eigen Haus und nur der von Habsucht sich entfernt hält, bleibt am Leben (das. 15, 27). . Auch die Frömmigkeit besteht nicht in der Erfüllung seiner Pflichten gegen Gott allein, sondern auch in der Ausübung der Wahrhaftigkeit den Menschen gegenüber, und wer dem Geringen Gewalt anthut, der lästert seinen Schöpfer, aber wer mit dem Niedrigen Mitgefühl und Mitleid empfindet, der verehret Gott (das. K. 14, 31). Ein Greuel dem Herrn ist falches Maaß und falsches Gewicht (das. K. 20) und wer dem Armen Unrecht zufügt, um sein Vermögen zu vermehren, der entgeht der Strafe nicht; denn es kommt dann ein Mächtigerer über ihn, dem er es geben muß (das. 22, 16) und wer seinen Besitz vergrößert durch Wucher und Ueberschuß, der wird es einst schon andern Armen zurücklaffen müssen (das. 28, 8). Denn wer Unrecht säet, wird Unheil ernten und gehet zu Grunde durch seine Schlechtigkeit (das. 22, 8). Darum sei gegewissenhaft mit dem Armen, beraube ihn nicht, denn er ist ja ohnehin arm genug, unterdrücke daher nicht den Elenden (das. 22, 22). Lebe lieber in Armuth, aber in Unschuld als in Retchthum durch Ungerechtigkeit erworben (das. 28, 6). Merke dir überhaupt, daß ein ehrlicher Name besser ist denn Reichthum, und der gute Ruf köstlicher denn Silber und Gold (das. 22, i), daß wer uneigennützig ist, erspart sich viel Verdruß und verlängert seine Lebensdauer, und wer in Aufrichtigkeit einher? wandelt, dem hilft Gott! (das. K. 28, V. 16, 18.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, 27. Juli. Unsere Konservativen sind auch im „praktischen Antisemitismus" wieder ein Stück vorwärts gekommen. Die neue Auflage des „Konservativen Handbuches" bringt zum ersten Male offen die Aufforderung: Kauft nicht bei Juden! In einem neuen Abschnitt des Artikels „Antisemitismus", der in der Ausgabe von 1892 noch fehlte, wird ausgesührt: „Die Deutschen sollten grundsätzlich keines der zahlreichen jüdischen Geschäfte in Nahrung setzen, von denen es notorisch sei, daß sie ihre Arbeiterinnen auf den Weg des Lasters verwiesen; wenn es in der Judenfrage eine „Schmach" gebe, so liege sie in der Thatsache, daß deutsche Frauen und Männer der höchsten Kreise sich nicht scheuen, solche Geschäfte zu betreten. Man müsse aber auch denjenigen Juden gegenüber Zusammenhalten, die sich in ihrem bürgerlichen und geschäftlichen Leben nichts zu Schulden kommen lassen. Der christliche Deutsche sollte unbeirrt auch im geschäftlichen Leben in erster Linie seines Gleichen unterstützen." Dem entsprechend halten sie „Staat und Gesellschaft zu ihrem eigenen Schutze für gezwungen, im Sinne eines gemäßigten, dafür aber praktischen Antisemitismus Stellung zu nehmen." Berlin, 27. Juli. Die Antisemiten sind über das Fiasko, das ihnen bei ihrem Versuche, gelegentlich des Breslauer Turnfestes die Judenfrage aufzurollen, zu thetl wurde, in hohem Maße aufgebracht. was in ihrer hiesigen Presse deutlich zum Ausdruck kommt. Die „Staatsbürger-Zeitung" weiß sich in ihrem Festbericht vor Entrüstung über angebliche Bevorzugung der Juden kaum zu lassen. Sie wärmt die Mär wieder auf, daß man für die Figur der Königin Luise im Festzuge keine deutsche Frau haben finden köunen, behauptet, daß in dem Festspiel „Pallas und Germania" die Rolle eines deutschen Turners keinem Stammesgenossen Hermanns, des Cheruskers, übertragen war, zweifelt auch die Stammesechtheit der Darstellerin der „Germania" an und weist den Herrn, der das Bundesbanner aus den Händen der Münchener in Empfang nahm, den Juden zu. Was von all' dieser antisemitischen Mache zu halten ist, lehrt ein Bericht des gewiß nicht philosemitischen „Reichsboten", in dem es heißt: „Es ist darauf hinzuweisen, daß behufs Bildung der Ausschüsse zur Vorbereitung des Festes ein Äufruf an die gefammte Bürgerschaft erging, dabei ist nun die christliche Bevölkerung an sich zurückgeblieben, von den bekannten Antisemiten aber hat sich kein einziger zur Uebernahme der Mühen und Opfer, welche von den Ausschutzmitgliedern erfordert wurden, bereit finden laffen. Kein Wunder daher

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