Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-08-02 · Heft 61 (2.8.1894) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 61 (2.8.1894)
Date
1894-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448467--39006-2487138
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1132 Gutachten zu Gunsten des Schächtens waren in der Schweiz vor der Abstimmung am 20. August hinlänglich bekannt. Aber man wollte nichts davon wissen. Dieses Geständniß bleibt nichtsdestoweniger ein beachtenswerthes Symptom, das wir als ersten Anfang einer Wendung zum Besseren mit lebhafter Befriedigung registriren. Rußland. Petersburg. Das im vorigen Jahre in Kraft getretene „Gesetz betreffend die jüdischen Namen" hat in vielen in- und ausländischen Zeitungen, sowie auch seitens unserer Behörden eine falsche Auslegung erfahren. Wie „Woschod" aus zuverlässiger Quelle erfährt, verbietet das Gesetz den Juden nicht, russische Namen zu führen, sondern untersagt ihren nur, die bei der Geburt erhaltenen Namen später nach Willkür zu ändern. Wie das Blatt mit Recht aussührt, liegt es im Interesse der Juden selbst, daß dieses Gesetz unbedingt respektirt wird, da es durch die willkürliche Namensänderungen nicht selten vorgekommen ist, daß mancher Vater, dessen Sohn z. B. bet der Geburt den Namen Wolfs erhielt, später aber sich Wladimir nannte, aufgefordert wurde, seine Söhne Wolff und Wladimir dem Militärdienste zuzuführen. Zweifellos hat diese planlose Namensänderung, welche bekanntlich in keinem Staate ohne ausdrückliche Ermächtigung Seitens der Behörden gestattet ist, es mitverschuldet, daß bei der Militär-Aushebung so viele angebliche „jüdische Deficite" Vorkommen. Es steht eben unter den Gestellungspflichtigen eine große Zahl unter doppeltem Namen. Italien. Rom. Wie wir hiesigen Blättern entnehmen, hat die Königin Margherita von Italien ein höchst huldvolles Cabinetsschreiben an den Docenten des Rabbtnerseminars, Dr. A. Berliner in Berlin, gerichtet, in welchem der verbindlichste Dank unter Anerkennung der bedeutenden Wissenschaft!. Leistungen in dessen Werk „Geschichte der Juden in Rom" ausgedrückt wird. In unserer Gemeinde, welche bereits seit 20 Jahren Herrn Dr. Berliner mit Stolz als einen der Ihrigen verehrt, hat diese Auszeichnung große Freude hervorgerufen. Rom, 25. Juli. Unserer Gemeinde ist heute eine große Ehre widerfahren. Unterrichtsminister Baccelli ist nämlich mit seinem Cabtnetschef in der jüd. Kinderbewahranstalt erschienen, um dieselbe zu besichtigen. Er wurde hier vom Vorsteher Cav. Tayliacozzo und der Dtrectortn der Anstalt, Frau Finzt, aufs Ehrfurchtsvollste begrüßt und durch sämmtliche Räume des Hauses geleitet. Se. Excellenz sprach sich beim Verabschieden sehr lobend über diese Anstalt aus, die er eine mustergiltige nannte. > vermischtes. < Berlin, 29. Juli. Der vielgenannte Antisemit und Schriftsteller Schweinhagen, der verhaftet werden sollte, um die im Prozesse gegen Plack und Genossen (Beleidigung des Staatsministers Dr. Miquel) über ihn verhängte Strafe abzubüßen, ist, wie die „Staatsbürger-Zeitung" hört, nicht aufzufinden. Er soll ins Ausland gegangen sein. Prag, 12. Juli. Der Privatdocent an der Wiener Universität, Herr Dr. R. Zuckerkand! ist zum Professor der politischen Oekonomie an der hiesigen deutschen Universität ernannt worden. Feuilleton. Esterka, Königin von Folen. Historische Erzählung von Hugo Freund. 18.) (Nachdruck verboten.) In jenem paradoxen Wort: „Fürsten sind die Sklaven ihrer Diener," liegt sehr viel Wahres. Ein Wort, das aus dem Munde des Herrschers geht, und das bei andern Menschen durchaus harmlos klingt, es wird sofort aufgegriffen und zu einer politischen Sache empor getrieben. Sie müssen jeden Hauch ihres Mundes wägen und strenge achten auch auf die geringfügigsten ihrer Handlungen. Man deutelt und dreht an allen ihren Ausdrücken und ihrem ganzen Behüben, und stets sind sie in Gefahr, gründlich mißverstanden zu werden. Wenn aber gar der Fürst als Mensch einen Fehler begeht, den man bei einem gewöhnlichen Sterblichen kaum beachten würde, so wird er bei dem Monarchen für unverzeihlich gehalten und seine Feinde und Widersacher beuten es für sich aus und rufen sich zu: „Seht, das ist der Mann, der über uns stehen will, und er vermag nicht einmal, sich selbst zu beherrschen." Jene Liebeswerbung des Königs Kasimir um Esther war, wie wir bereits wissen, von einigen Dienern belauscht worden. Auch der Pan von Wola und Pater Franziskus hatten ihre Spionen im Schlosse des Königs und so wurden sie von dem ganzen Vorgänge auf das genaueste unterrichtet. Wie ssch voraus sehen ließ, waren sie sehr überrascht von einer so unerwarteten Neuigkeit; denn wie viel sie auch für denkbar gehalten hatten, dergleichen schien ihnen ganz unmöglich zu sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.