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Der Israelit · 1894-08-02 · Heft 61 (2.8.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 61 (2.8.1894)
Date
1894-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1131 sich Thorakenntntß selbst zum Schein, äußerlich pinh ,iö»n p, und zur Parade anzueignen, selbst dazu gehört schon ein emsiges Studium. Aber der Thor müßte noch erst geboren werden, der für Dinge, die man so tief verachtet, seine Tage und Nächte, seine Gesundheit und seine Jugend hingäbe! Sie sterben aus. Herr Lehmann und seine Leidensgenossen kommen mir wie das Granium Vor, das noch lange Jahre seine grüne Farbe bcibehält, wenn es auch längst dem Boden entrückt ist, aus dem es einst seine Nahrung zog. Aber neue Schossen zu treiben ist solches Immergrün nicht mehr fähig. Nicht einmal sich höher emporzuranken vermag ein solches Epheu. Seine Farbenfrische ist Täuschung, ihr Bestand ist nur eine Frage der Zeit. Das fühlt auch Herr Lehmannn heraus, das macht ihn elegischer und läßt ihn ausrufen: „Wir Alten, Wetterfesten halten's aus. Aber unsere Kinder und Enkels „Gilt es nicht ihnen das Heiligthum unserer Religion rein und lauter zu erhalten?" u. s. w. Ja da liegt es. Herr Lehmann hält sich für wetterfest und mag es in seinem Sinne auch wohl sein. Er ist Kind und Enkel von Eltern und Großeltern, die auf dem Boden des überlieferten, gesetzestreuen Judenthums standen. An ihrem Beispiel konnte er erstarken und wetterfest werden. Das ist der fruchtbare Boden, aus dem das Granium Lehmann seine Kräfte sog und die er heute noch verspürt, obwohl er sich von diesem Boden losgesagt hat. Aber seine Kinder und Enkel? Sie haben den Vater und Großvater, in Schrift und Wort, in Lehre und That das Hetligthum der Religion preis geben, verachten, lächerlich machen sehen, was soll aus ihnen werden? Und da ist Vater und Großvater Lehmann wirklich naiv, kindisch und kindlich genug allen Ernstes zu glauben durch Berufung einer dritten Synode, werde diese Misvre, das Verfehlte eines ganzen Lebens, die ergreifende Wallung Gottes beseitigt, welche die Sünde der Väter an Kindern und Kindeskindern ahndet! Und wenn Herr Lehmann nicht nur eine dritte Synode, wenn er täglich drei Synoden zu Schachritz, Mussaf und Mincha zu Wege brächte, er hielte das Verhängniß nicht nur nicht auf, er beschleunigte cs so rapid, daß er selbst vielleicht noch zu der Ueberzeugung käme: „Alter, schützt vor Synoden nicht!" Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Juli. Gestern wurde dem Hoff rath Nothnagel seitens des Rektors Tschermak die Entscheidung des akademischen Senats übermittelt, wonach der letztere anerkennt, daß die Beschwerden der „arischen" Studenten gegen das amtliche Verhalten Nothnagel's unbegründet seien. Dank der Weisheit des akademischen Senats ist also Hofrath Nothnagel glücklich „freigesprochen" ... Hofrath Nothnagel, dem einige Kollegen persönlich das tiefste Bedauern über den ganzen Vorgang ausdrückten, nahm die Zuschrift des Rektors — das „Einstellungsdekret", wie sie von einem Professor bezeichnet wurde — kühl bis an das Herz hinan auf. Er erklärte diesen Kollegen, er habe sich über die Affaire im Bewußtsein des Rechtes und der Wahrheit so erhaben gefühlt, daß er der Entscheidung des akademischen Senats völlig indifferent entgegensah und in Bezug auf den Ausgang der Prozedur nicht die geringste Neugierde hegte. Falls der Senat anders beschlossen hätte, so wäre er seiner Wege gegangen bis zu jenen Stellen, wo man das Recht zu suchen habe. Für ihn sei der Gegenstand nunmehr erledigt, ihm gehören die Erfahrungen, die freilich keinesfalls als angenehme bezeichnet werden können. Schweiz. Bern. Der Stellungsnahme der „Gesellschaft für ö ff entliehe Gesundheitspflege" in Berlin zur Schächtfrage, hat auch in der Schweiz einen tiefen Eindruck gemacht. Der große Theil der Tagespresse nimmt davon mehr oder weniger eingehend Notiz. Das Schweigen derjenigen Zeitungen, die gern die unliebsame Stellungsnahme ignoriren und zur Tagesordnung übergehen möchten, ist vielleicht noch beredter, als cs die Erörterungen sind, welche sich damit beschäftigen. Es ist unmöglich die einzelnen Aeußerungen hier wiederzugeben. Aber wir glauben, daß die allgemeine Stimmung sich in den Bemerkungen ziemlich treu ausspricht, welche der „Berner Volksfreund" daran knüpft. Dieses Blatt, das, wenn ich nicht irre, s. Z. gegen das Schächten Stellung nahm, schließt heute sein Referat über den Vortrag des Herrn Dr. Krüger vom Physiologischen Institut „lieber die hygienische Bedeutung der verschiedenenSchlachtmethoden" mit folgenden Worten: „Dr. Krüger schloß seinen Vortrag mit der Erklärung, daß man vom hygienischen Standpunkte aus nur wünschen könne, daß die jüdische Schlachtmethode endlich die Anerkennung finde, welche sie verdiene. Die Staatsbehörden hätten alle Veranlafiung, nicht Verbote gegen diese Schlachtmethode zu erlassen, sondern die allgemeine Einführung derselben zu bewirken...." — Hätte, bemerkt der „Berner Volksfreund" dazu, das Schweizervolk Alles dies vor dem 20. August 1893 gewußt, so hätte nwirohneZweifel heute keinen Art. 25 Ms in uns er er BundeSverfass ung!! — Mit dieser Unwissenheit darf man es natürlich nicht allzuwörtlich nehmen. Die wissenschaftlichen

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