Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1894)
- Date
- 1894-08-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1130 werden. Es dürften dann auch diejenigen Gesetzesautoritäten, welche bisher einer Umgehung der Schemittagesetze das Wort redeten, sich leichter entschließen, dem Geiste gerecht zu werden, der aus unserer Mtschnah zu uns spricht. Wenn ncoc? p«n unser Goluß veranlaßt hat, dann sollten wir rückhaltlos, ungeachtet aller Opfer, den Anforderungen dieses Gesetzes entsprechen und wie das jüngstemal es dem Wohlthätigkeitssinne der ganzen Diaspora anheimgeben, das allerdings schwere Opfer, welches diese Mizwa fordert, auf alle zu vertheilen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin. Der Anwalt des Rechts und der Synoden, Herr Emil Lehmann in Dresden windet seinem Steckenpferd in einer der jüngsten Nummern der Allgemeinen Judenzeitung wieder ein Kränzchen. Statt aus Blättern setzt sich dieses Kränzchen aus Stoßseufzern zusammen, aus freudigen und wehmüthigen, und das ganze repräsentirt sich als sauersüßes Dornenkrönchen, unter dem sich das zu feiernde Dornröschen recht kläglich, „nebbichlich" ausntmmt. — Solche Stoßseufzer sind heute billig wie Brombeeren und die geringfügigste Veranlassung erzeugt sie schockweise. Am 29. Juni waren 25 Jahre verflossen, seitdem in Leipzig die erste Synode tagte. Herr Lehmann liest nun der selig Entschlafenen eine sentimentale Seelenmesse, aus welcher allenthalben der Refrain herausklingt: „Es wär' so schön gewesen, es hot nicht sollen sein." Doch das ist, wie gesagt, heute etwas alltägliches und darüber verlohnte es sich nicht ein Wort zu verlieren. Was an diesem Nekrolog von spontanem Interesse scheint, ist die Aufzählung der hervorragendsten damaligen Stürmer gegen das überlieferte, historische Judenthum: der Adler, Aub, Geiger, Philippson, Klingenstein und wie sie alle heißen und hießen. Diese bloße Aufzählung hat mir unvermittelter als sonst die vollendete Impotenz des Reformjudenthums zum Bewußtsein gebracht. Unter allen hier aufgezählten Kämpen des Re form judenthums ist nicht ein einziger, der Nachkommen oder Schüler hätte, die das Werk des Vaters oder Lehrers fortsetz en. *) *) Wer auS dem Umstande, daß Geiger in den letzten Jahren seines Lebens Docent an der Berliner Hochschule war, von Schülern oder gar einer Schule Geigers sprechen will, dem wollen wir diesen Aschentrost nicht noch mehr verkümmern. Das Reformjudenthum ist, wie jede widernatürliche Verbindung, unfähig sich fortzupflanzen. Deßhalb ist es mit seinen Taufpathen begraben worden, deßhalb überlebt es seine Erzeuger nicht, oyo ry ... {w. Wenn das letzte Mitglied der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung oder der Augsburger Synode den Weg aller dieser Rabbtnerversammlungen und Synoden gegangen sein wird, wird kein Hahn mehr nach ihnen krähen. Keine Messe wird man lesen, keinen Kaddtsch wird man sagen, um mit Heine zu reden. Woher das kommt? Da man just an röo 's hielt, als dieses Lehmann'sche neueste Angstprodukt an die Oeffentlichkeit trat, lag die Jdeenverbindung nahe zwischen ihm und den von Raschi citirten Worten des Midrasch: now iptp -m hi □”pnD i’x m^nnc non nm nspo „Jede Lüge, die nicht von vornherein etwas Beimischung von Wahrem hat, hat keinen Bestand." Etwas Wahrheit hätte wenigstens mit unterlaufen müssen und wenn's auch nur ein Gran gewesen wäre. Aber da war alles Täuschung, Wichttgthuerei, Eitelkeit, Lug und Trug. Außer dem Bedürfntß ein Röllchen zu spielen, war kein anderes vorhanden, weßhalb man diesen ganzen Apparat in Bewegung gesetzt hatte. Ein paar junge Rabbiner wollten gern von sich reden machen, wie Herostrat ä tont prix berühmt und da das nicht so leicht ging, wenigstens berüchtigt werden wollte. Er zündete deßhalb den Dianentempel zu Ephesus an und ganz Kleinasien sprach nun von dem Tempelschänder, der ein Kleinod atterthümlicher Baukunst eingeäschert hatte. Der momentane Erfolg, den sie mit ihrem Blendwerk erzielten, daß man wenigstens eine Zeitlang von ihnen sprach, kam von den nupv noi< nm, von dem bischen jüdische Wahrheit her, das sie mit der Muttermilch eingezogen, das sie im nn gelernt und auf der naw» completirt hatten. Die Geiger, Holdheim und Consorten hatten als Dnma gerade genug von der Thorawissenschaft sich angeeignet, um daraus den Strick für deren Erdrosselung zu drehen. Sie hatten in der Jugend etwas gelernt, viel gelernt, jedenfalls genug gelernt als nöthig ist, um die Thora mit einem Schein von Gelehrsamkeit und Wissenschaftlichkeit lächerlich machen zu können. Deßhalb waren sie gefährlich. Aus demselben Grunde sind die Emil Lehmann et alia hujuscendi ungefährlich. Sie verfügen nicht einmal über das bescheidene Maaß von jüdischem Wissen, welches für synagogale Spiegelfechtereien und die anderen wahlverwandten Harlcquinaden erforderlich ist. Die Geiger, Holdheim u. dgl. haben keinen Nachwuchs, können keinen haben. Um