Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1894)
- Date
- 1894-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1128 Golus in erster Reihe durch Götterdtenst verschuldet wurde, dann kam es dadurch, daß wir dieser Verirrung aufs neue zu verfallen, nicht aufhören. Dann ist diese ganze sogenannte Läuterung und Veredlung des Gottesdienstes nicht nur nicht der Fortschritt, als den man ihn bejubelte, dann ist er ein Rückfall, der uns Jahrtausende zurückwirft, weil er vor aller Welt bekundet, daß eine 1825jährige Erziehung in der Leidensschule des Exils uns noch nicht die eine Wahrheit geläufig gemacht hat: .mi miay by xa „Das Exil tritt in die Welt wegen des G ö tz e n d i e n st e s." mr nray und nriy „Götzendienst und geschlechtliche Verirrung" stehen in nahem, ursächlichem Zusammenhang. m? miaya 000 yw ivi D'jni' „Israel war über die Richtigkeit jeden Götzendienstes niemals in Zweifel; es diente nur Götzen, weil der Götzendienst ein Freibrief für geschlechtliche Ungebundenheit bedeutete." Diese vollständige Vermischung dessen, was Gott geschieden hat, strebt dasjenige Herz an, welches von jedem Sittengesetze frei sein möchte. Israel hätte nicht mit den Göttern geliebäugelt, wenn es nicht mit seinen Verehrern hätte fraternicisiren wollen. Diese Sittenlosigkeit ist daher die eigentliche Triebfeder alles Götzendienstes. Wenn die Sünde des Götzendienstes das Exil nach sich zieht, so ist dies somit in noch höherem Grade bet der Sünde der geschlechtlichen Entartung der Fall. Und es gibt in unseren Reihen ungezählte Tausende, die noch heute das Gegenthetl glauben, welche unsere „vollständige Abschließung", wie sie es nennen, als Ursache unseres Goluß ansehen und allen Ernstes meinen, wenn sich erst Juden und Nichtjuden auch geschlechtlich, ehelich verbinden würden, dann hätte dieser Gegensatz von selbst aufgehört l Der Jrrthum ist alt, aber er ist noch nie begangen worden, ohne daß die ihn begleitenden, verhängnißvollen Folgen sich geltend gemacht hätten. Das was nicht zusammengehört, weil Gott es geschieden, weil Er gesprochen hat: v'vyn zv ddpx yiaxi 'b nvrfc. „Ich habe Euch von den Völkern gesondert, damit ihr mir verbleibt", das kann keine menschliche Wrllkür und Entartung harmonisch vereinigen. Was innerlich nicht zusammengehört, kann äußerlich in Frieden nebeneinander leben, sich achten und schätzen und sich in thätiger gegenseitiger Menschenliebe zugethan sein. Aber wenn sie sich näher treten, wenn sie miteinander leben möchten, dann empfindet der eine bet jedem Schritt und Tritt die Verschiedenheiten, die Schäden und Mängel des anderen. Die Nähe gerade führt zur Reiberei, zum Anstoß und so zur Constattrung alles dessen, was den einen vom andern trennt und sondert. Davon wissen nicht erst die jüdischen Offiziersfrauen zu erzählen, die verachtet und mißhandelt wieder ins elterliche Haus zurückgekehrt sind, nachdem mit ihrem semitischen Geld die arischen Schulden bezahlt waren, davon berichten schon die ersten Blätter jüdischer Geschichte. Warnend erhebt unsere Peßach- Hagada den Finger und weist uns mit den Worten wax apyh rvipy1? ’oaxn ]2b rcp'a no m auf den Ahn unseres Volkes hin. Er war nicht nur der Ncffe, er war der zweifache Schwiegersohn seines heidnischen Schwiegervaters, aber diese Verbindung hielt den Ränkeschmied nicht ab, sein eigen Fleisch und Blut mit Stumpf und Stiel ausrotten zu wollen. nx "iipy^> pi? tpp’a. Denken wir aber einen Augenblick an die Möglichkeit eines weniger tragischen Schicksals jüdischer Olfiziersfrauen. Denken wir der Zweck dieser Verbindung, die ihr entstammenden Kmder erreichten das höchste Ziel, das ihre Mütter ihnen nur wünschen konnten. Sie wachsen heran, ersteigen von Staffel zu Staffel die militärischen Ehren, haben Theil an dem blutigen Lorbeer, welcher die väterliche Stirne adelt, wird man ihnen den Juden verzeihen, wird man ihn wenigstens vergessen? Wird unser Goluß aufgehört haben, wenn selbst der gemeine jüdische Soldat den Marschallstab wie der nichtjüdische im Tornister trägt? Ist es nicht merkwürdig, daß es dieser angesehenste Stand gerade ist, der sich am zähesten, beharrlichsten und auch im erfolgreichsten gegen das Eindringen jüdischer Elemente verschließt? Diejenigen, welche sich über diese Zurücksetzung nicht zu trösten vermögen, werden auch folgende Erwägungen keinen Trost bringen. Aber wer die Dinge nüchtern aus der Perspective der jüdischen Welt- und Lebensanschauung betrachtet, der muß sich sagen, daß auch diese Ausschließung bei allem Verletzenden und Kränkenden doch für die Gesammtheit wieder ihre großen Lichtseiten hat. Es ist wahr, die Vertreter der militärischen Macht imponiren wie die Glieder keines andern Standes durch ihr glänzendes Auftreten, durch ihre Privilegien, durch den Umstand, daß sie füglich den Ausschlag geben in den wichtigsten Fragen der Staaten und Völker. Aber andererseits ist er doch der einzige Stand, der keine Zukunft hat, wenn der Menschheit erst das Morgenrot jener Zeit anbricht, „in welcher man die Schwerter in Sicheln und die Lanzen in Rebmesser umwandeln, in welcher kein Volk gegen das andere das Schwert erheben und man den Krieg nicht mehr lernen wird." Die Zeit wird kommen, in welcher die Geschicke der Völker nicht mehr auf den Schlachtfeldern entschieden, und geschlagene Schlachten nicht mehr die Marksteine der Menschengeschichte bilden werden, in