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Der Israelit · 1894-08-02 · Heft 61 (2.8.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 61 (2.8.1894)
Date
1894-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 61 XXXV. Jahrgang. Der Israelit. Ein GenLrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Vr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 2. August 5654 (1894). Leitender Artikel. Sprüche der Kater. Fünftes Buch. XXIII. Mainz, den 1. August. Wir haben bereits bemerkt, daß die Wahrheit rro'sip bv'i rnny by^ mi rray by zk'yb »a n*tt pxn nuD^n by) d’d“i, sich schon in der Thora an verschiedenen Stellen ausgesprochen findet. Das Verdienst der Spruchweisheit unserer Väter besteht lediglich darin die Verirrungen zusammengcftellt zu haben, welche so schwer ans der Wage der göttlichen Gerechtigkeit wiegen, daß nur das Exil eines ganzen Volkes dafür Sühne zu bringen vermag. Wie haben uns aber damit die Väter einen goldenen Fingerzeig für die Mittel und Wege an die Hand gegeben, durch welche unsere Verbannung verlängert und verkürzt werden könne! Wie haben sie vor allem damit einen Maßstab zur Würdigung von Bestrebungen uns hingestellt, die in unserer Zeit so vielfach verkannt, über- und unterschätzt werden! Das erste, vielleicht das einzige, das alle anderen bereits in nuee enthält, welches unser Exil veranlaßt hat, ist der Götterdienst. Wer von der Wahrheit dieser Erfahrungsweisheit unserer Väter durchdrungen ist, mit welchem jähen Schreck muß dieser die zeitgenössischen jüdischen Bestrebungen verfolgen, welche dieser Wahrheit schnurstracks zuwiderhandeln.! Man hat in unserer Zeit doch wirklich das vollendete Gegenthetl geglaubt und demgemäß gehandelt. Man hat sich und andere beredet, das Goluß höre auf, sobald sich die jüdischen Gemeinden entschlössen, fremden, unjüdischen Gottesdienst, ausdrücklich verbotene Embleme anderer Eulte in ihre Synagogen einzuführen. Als man vor einigen siebenztg Jahren den ersten kecken Versuch in diesem Sinne wagte, ging ein Schrei der Entrüstung durch die ganze jüdische Diaspora. Ihre berufenen geistigen Häupter erhoben Protest gegen diese dreiste Gesetzesverletzung, gegen diesen unerhörten Eingriff in die heiligsten, unverletzlichsten Anliegen der jüdischen Gemeinden. Es war umsonst. Die christlichen Orgeln, Chöre, Gebete, Confirmationen u. a. m. hielten ihren Einzug in unsere Gotteshäuser und nur einer verhältnißmäßig kleinen Zahl von Gemeinden gelang es sich dieser Profanisirung mit Erfolg zu widersetzen. Was der verhängnißvollen Neuerung Thür und Thor öffnete und die Gemeinden dafür gewann, war nicht die Freude und innere Befriedigung mit diesen Neuerungen. Das Gegentheil war meistens der Fall. Was die Gemeinden diesen Reformen schaarenweise zutrieb, war die Versicherung, die man überall officiell und osficiös mit unterlaufen ließ: wenn wir Juden erst unsere religiösen Scheidewände fallen lassen, dann werden die socialen und politischen abgetragen! Und wenn nun in der That die Zeiten lichter wurden und unser Geschick milder sich gestellte, so glaubten viele, das sei wirklich eine Frucht des Liebäugelns^und Eoguetttrens mit den Götzen deS Tages. Da kam plötzlich der jähe Rückschlag! Man hat dem alten, überlieferten Judenthum den Vernichtungskrieg erklärt, man hat eine jüdische Pflicht nach der anderen abrogirt, die Gemeindeinftitutionen der Verkümmerung und dem Verfalle überwiesen, hat ihnen das Kajinszeichen des Abfalls an die Stirne geprägt und sich mit allem Denken und Fühlen, allem Streben und Genießen dem Moloch der Zeit in die Arme geworfen ,und der grausame Götze zerdrückt seine vertrauensseligen Opfer! Für ein bischen Emancipation waren ganze Gemeinden bereit ihr Heiligstes zu verschachern und das theure Erbgut der Gemeinde Jakobs preis zu geben. Aber da« Golus hat nicht nur nicht aufgehört, cs ist druckender und intensiver geworden und droht immer größere Dimensionen anzunehmen, weil der Geist der rrr mny immer tiefer und tiefer die jüdischen Reihen ergreift. So viel steht fest: Wenn unser

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