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Der Israelit · 1894-07-30 · Heft 60 (30.7.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 60 (30.7.1894)
Date
1894-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1120 ankommenden in Aussicht stehenden Fragen mit der Erkundigurg nach meinem Namen begann, gab ich in großer Dienstbereitschaft nicht allein diesen an, sondern fügte sogleich noch die Vornamen von 7 Vorfahren mit deren sämmtlichen eingehenden Personalien bei. Ich gestattete mir gleichzeitig in detaillirtester Weise ihr ein Bild unseres häuslichen Viehstandes und seiner Herkunft zu geben und berichtete ihr ganz eingehend von jedem einzelnen Huhn, wie viel Eier es legte. Die Dame — eine übrigens sonst sehr brave und wohlthätige Frau, welche einer der angesehensten und geachtetsten Familien angehört — ließ meinen Redefluß ungestört über sich ergehen. Dann aber machte sie ein höchst verduztes Gesicht, und wenn ich bis heute von gewissen Fragen verschont geblieben bin, so weiß ich warum, doch ich will nicht weiter aus der Schule plaudern. Wenn Sie nach Soden kommen, gnädige Frau, will ich noch von anderen erzählen. Ich muß also mir einstweilen noch Reserve auferlegen. Sie sehen jedenfalls, daß auch in Soden der Humor nicht ausgestorben ist, und der Humor ist das Leben. Zeitrrrrgsuachrichteu und Correspondenzeu Deutschland. T. Leipzig. Zahlreiche Berichte, welche in den letzten Jahren von hier in die Oeffentlichkett gelangten, haben voll Entrüstung von dem unwürdigen Gebühren der Antisemiten zu melden gewußt. Heute sind wir in der angenehmen Lage Erfreulicheres mittheilen zu können. So wurde vor Kurzem dem Herrn Dr. S. Judassohn, Lehrer des Leipziger Conservatortums und rühmltchst bekannten Compontsten, von Sr. Majestät dem Könige der Professortitel verliehen. — Die hiesige Mendelssohnftiftung sowohl, wie auch die Armen- und Krankenkasse unserer Gemeinde erhielten Legate von je zweitausend Mark, welche ein Ehrist aus Achtung vor den Juden, mit denen er zeitlebens in Verbindung gestanden und in Ansehung der edlen Ziele vorgenannter Vereine, denselben letztwillig zur Verfügung gestellt hatte. Die „Neue Deutsche Zeitung" mußte, wie bekannt, ihr Erscheinen einftellen, kurz, wir sehen es tagen, es mehren sich die Zeichen, daß die Unduldsamen immer weniger Glauben und Anhang finden, der Billigdenkenden, Einsichtigen und Gerechten aber Gottlob immer mehr werden in unserem bislang ob seines Antisemitismus arg beleumundeten Leipzig. — Cfchwege, 24. Juli. Unser allverehrter Kreisrabbiner Herr Goldmann ist heute früh plötzlich im 86. Lebensjahre verschieden. Der Verewigte nahm noch am Morgengottesdienst theil, fühlte sich aber während desselben unwohl und mußte nach seiner nahe gelegenen Wohnung zurückkehren. Er erholte sich nach kurzer Zeit etwas, allein es war ohne Bestand, ein sanfter Tod machte seinem segensreichen Dasein ein Ende. Die hiesige israelitische Gemeinde verliert in ihm ihren pfltchtgetreuen Seelsorger. 67 Jahre hat der Verewigte der Gemeinde angehört, und wie viel Freud' und Leid hat er mit ihr in dieser langen Reihe von Jahren gttheilt und getragen. Es war ihm vergönnt in körperlicher unv geistiger Rüstigkeit mit seiner ihm vor 8 Monaten im Tode vorausgegangenen Gattin die goldene und die diamantene Hochzeitsfeier zu begehen, außerdem war es ihm beschieden, die Jubiläen des 50. und 60. Dienstjayres zu feiern und wurde ihm bei elfterem Anlaß von Sr. Majestät dem Kaiser der rothe Adlerorden vierter Elaste verliehen. Sowohl unsere Gemeinde, als auch die große Anzahl früherer Schüler des Dahingeschiedenen, welche in allen Welttheilen zerstreut wohnen, werden ihrem treuen Seelsorger und Lehrer ein gesegnetes Andenken bewahren. Friede seiner Asche! Dortmund, 27. Juli. Der Antisemit Börger, Expedient der antisemitischen „Reform", wurde wegen Betruges und Urkundenfälschung zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt. Er beschwindelte viele Handwerker und Geschäftsleute um Kleidungsstücke, Möbel k. und unterschrieb Scheine mit dem Namen seines Principals, dem er auch 400 Mark unterschlug. Oeste rr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. 13. Juli. Ein großes Muster weckt Nacheiferung. DerRuhm des Pfarrers Deckert. welcher ungestraft die Kanzel zur antisemitischen Agitation benutzen durfte, ohne daß die Koalitionsregierung irgend welche gesetzliche Maßnahmen gegen ihn ergriff, hat so Manchen seiner Berufsgenossen nicht schlafen lassen. Jetzt hat auch Galizien seinen Deckert, allerdings in Miniaturausgabe. In der unweit von Lemberg gelegenen Stadt Gliniany betreibt der Ortspfarrer Jan Turczanski seit längerer Zeit eine systematische Hetze gegen die dortige jüdische Bevölkerung, indem er in seinen Predigten und durch private Agitation seine fromme Gemeinde zu einer wtrthschaftlichen Bekämpfung der Juden auffordert. Daß die Behörden keine Veranlassung nehmen, gegen diesen Verkünder des göttlichen Wortes einzuschreiten, ist bei den jetzt in Oesterreich herrschenden Zuständen fast selbstverständlich. Zum Unglück ist dieser Pfarrer auch Schriftsteller. Als vor einiger Zeit das Haus eines nichtjüdtfchen Bäckers etngeäschert wurde, da fiel der Pfarrer in einem heftigen Artikel im demokratischen „Kuryer lwowski" über die jüdischen Bäcker her, welche, wie er behauptete, den Brand angelegt hätten! — eine Thatsache, welche der beschädigte

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