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Der Israelit · 1894-07-30 · Heft 60 (30.7.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 60 (30.7.1894)
Date
1894-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1116 Amerika. New Uork. Die „Vereinigten Jüdischen Wohlthätigkeits-Gesellschaften" in Philadelphia haben bis auf Weiteres ihre Thüren geschloffen und werden vor der Hand keine Gesuche um Unterstützung entgegennehmen, außer in Todes- und Krankheitsfällen. Die Kaffe der Gesellschaft ist durch den Druck des schweren arbeitslosen Winters erschöpft und reicht nur noch hin, um den Wittwen und Greisen, die absolut auf die karge Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sind, weiter beizustehen, was durch Ueberbringung in's Haus geschieht. Dr. M. Mielzmer, Professor in Cincinnati, hat soeben ein Werk veröffentlicht: „Einleitung in den Talmud", welches eine erschöpfende Geschichte des Aufbaus des Talmuds liefert. Rev. Osias Hochglück, früher Obercantor in St. Gallen (Schweiz). Frankreich. Paris, 10. Jnli. Schon lange ist man zu der Erkenntniß gelangt, daß die Opfer der russischen Ausweisung irrend umhersuchten nach einem Fleckchen Erde, auf welchem sie sich häuslich niederlassen könnten und zumeist sich dabei die transatlantischen Länder zum Ziele ihrer Wanderung setzten. Oft genug traten ihnen dort die größten Schwierigkeiten in den Weg, und indem sie sich auf die erneute Suche nach einem Plätzchen, wo sie wohnen können, machten, verzehrten sie die wenigen Kopeken, die sie aus ihrem barbarischen Heimathlande mitnehmen durften. Es sind durch Unkenntniß der kolonialen und der Reiseverhältnisse u. s. w. den russischen unerfahrenen Emigranten schon häufig Kosten verursacht worden, die sie fast bis an den Ruin brachten. Aus diesem Grunde trat neben den bereits längere Zeit existirenden „Kolonisationsverein" nunmehr ein »Oornits ä'4tuä«8 pour Immigration des israölites.“ Das Komitee setzt sich aus folgenden hochangesehenen Bürgern der französischen Capitale: dem Groß Rabbtner Dr Zadoc Cahn, Rechtsanwalt Narcis Löwen am Kammergericht, Elia Madeira (der Gesandte von Nicaragua), Emil Meyersolm (der Verwalter der Agentur HawaS) und dem Mitgliede der Kolonisations-Kommission der Juden, dem Herrn Salomon Reinach zusammen. Auch der Vorsitzende der Kolonisations-Kommission der Juden, Herr Dr. Sonnenfeld, hat sich mit einigen ihm befreundeten Großkaufleuten, die mit überseeischen jüd. Händlern in geschäftlicher Verbindung stehen, der Kommission angeschloffen. Soeben hat dieses Komitee — wahrlich ein gutes Werk zu rechter Zeit — ein Circular versandt, in welchem die in transatlantischen Erdtheilen wohnenden Juden über die geringsten Mißstände in den Orten ihres Aufenthalts befragt werden, eine Umfrage, die ihre Berechtigung darin findet, daß das Komitee eifrig bestrebt sein will, die aus der Beantwortung des Umfrage- Ctrculars sich ergebenden Mängel dort, wo sie vorhanden — wenn möglich — zu beseitigen oder ihnen für die Zukunft bei Neuansiedelungen von Juden aus dem Wege zu gehen. Aus diese Weise hofft das Komitee, bald in den Besitz des Berzeichniffes jener Orte zu gelangen, die zur Ansiedelung für Juden am günstigsten erscheinen dürsten. Mögen die humanen Bestrebungen und Bemühungen der edlen Männer, die uneigennützig hier nur das Wohl ihrer armen russischen — oder besser gesagt, nicht mehr russischen — Glaubensgenossen im Auge haben, von Erfolg gekrönt sein. — Wie aus Antwerpen berichtet wird, haben in den Monaten Januar— April incl. 209 jüdisch-russische Emigranten dortselbst das europäische Land verlassen. Davon waren 102 Männer und 107 Frauen. Die meisten wollten nach Amerika, nur 2 reisten nach Australien. > Vermischtes. «3- Nach dem letzthin erschienenen Berichte der ..Alliance Isra£Iite Universelle“ in Paris für daS Jahr 1893 betrug die Zahl der Mitglieder am Schlüsse deS JahreS 31,426, während die Ausgaben und Einnahmen mit 731,430 Francs 25 Centimes bilanzirten. Einen breiten Raum nimmt in diesem Berichte wieder das Kapitel über die Juden Rußlands ein, deren Lage sich von Jahr zu Jahr noch verschlimmert. Feuilleton. Estrrka, Königin von Aoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 17.) (Nachdruck verboten.) „Die Schönheit alleiu ist überall Herrscherin," rief Kasimir, „laß mich deine Hand fassen und laß sie mich küssen," und er ergriff mit Leidenschaft die Hand Esthers. Sie aber erbebte und sank vor ihm wieder auf die Knie: „O laßt mich den Saum Eures Mantels küssen!" rief sie, „und ihn mit meinen Thränen netzen, ich habe Euch ja so unendlich zu danken für Eure Güte." „Und sonst nichts Esther, sonst hast du mir nichts zu sagen?" Das Mädchen bedeckte ihr Angesicht mit dem Saum des Mantels, der von der hohen Gestalt Kasimir herab bis zum Boden hing, und sie begann heftig zu schluchzen und zu weinen. Der König aber faßte ihre Thränen und die hefttgte Bewegung, die ihren Körper erbeben ließ, zu seinen Gunsten auf. Er beugte sich zu ihr herab und mit heißem Atem flüsterte er ihr zu:

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