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Der Israelit · 1894-07-30 · Heft 60 (30.7.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 60 (30.7.1894)
Date
1894-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1115 und besonder« großen Zuwendungen dem Kapitalvermögen unverkürzt zuzuweisen und aus den Zinsen, Jahresbeiträgen, Spenden und Pflegegeldern die laufenden Ausgaben zu bestreiten. Freilich, unser Endziel muß immer sein, daß die Anstalt sich aus den Zinsen ihres Vermögens und den Pflegegeldern allein erhält. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Es ist dies um so bedauerlicher, als uns dadurch auch die Möglichkeit genommen ist, Mittel anzusammeln für eine nochmalige Vergrößerung der Anstalt, deren Betten für Kranke jetzt schon fast stets belegt sind, und die eine Vermehrung der Zahl der Altersschwachen überhaupt nicht mehr zuläßt. Und so wenden wir uns mit der innigen Bitte an die Begüterten, in denen der Geist vorurtheilsfreier Menschenliebe wie in unserer Anstalt lebt, sich an unserem Liebeswerck durch Spenden, Jahresbeiträge, Bettstiftungen, Vermächtnisie oder Stiftungen zum Andenken teurer Verstorbener zu beiheiligen. — Das Kuratorium besteht aus den Herrn; Carl Eltzhacher, Vorsitzender. Jakob de Jonge, stellv. Vorsitzender. Louis Rothschild, Simon Simon, Abrah. Callmann, Rabbiner Dr. Frank. Heinr. Frank. Phil. Neckarsulmer. Dr. Fritz Eltzbacher. Dr. B. Auerbach, dirig. Arzt der Anstalt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin W., 24. Juli. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Ihrem in der Ersten Beilage der Nr. 56 Ihres Blattes abgedruckten Leitartikel „Taktlosigkeiten" behaupten Sie von dem „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens," daß er seinen Casimir in antisemitische Wirthschaften schickt und dort nach strafbaren Aeußerungen gegen die Juden fahnden läßt und mißbilligen es, wie dann die Sache vor die Gerichte gebracht, dort abgewiesen und wegen unbedeutender Lappalien wieder vor die höhere Instanz gezerrt wird. Ihre Behauptungen sind unrichtig und unzutreffend. Der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" schickt weder einen seiner Angestellten, noch irgend eine andere Person in antisemitische Wirthschaften, noch läßt er dort oder anderswo nach strafbaren Aeußerungen gegen die Juden fahnden. Keins der Vorstandsmitglieder oder Vereinsorgane hat jemals angeordnet, daß Herr Casimir antisemitische Wirthschaften besuche. Herr Casimir, welcher erst kurz vor Eintritt als Kanzlist in unseren Verein nach Berlin gekommen ist, versicherte uns und vor Gericht, daß er von dem Charakter des von ihm besuchten Beyer'schen Locales keine Kenntniß hatte und daß er die ihm dort eingehändigten antisemitischen Lieder dem Leiter der Geschäftsstelle ohne jede Nebenabstcht vorlegte. Wenn Herr Casimir wegen der ihm anläßlich dieses Besuches des Beyer'schen Locales in einem antisemitischen Blatte zugefügten Beleidigungen die Privatklage erhob und gegen die Freisprechung des beklagten Redakteurs Berufung etnlegte, so hatte der Central-Verein keinen Anlaß, ihm dies zu verbieten. Wir bitten Sie, die vorstehende Berichtigung der von Ihnen mitgetheilten Thatfachen in Ihrem Blatte aufzunehmen. Hochachtungsvoll Der Vorsitzende des Central - Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In Vertretung: Kattfch. Wir müssen es unserem Berliner Correspondenten überlassen, zu dieser Sache das Wort zu ergreifen, jedenfalls würden wir es lebhaft bedauern, wenn er dem Centralverein d. St. j. G. ungerechte Vorwürfe gemacht hätte. Red. d. Jsr. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Czakvar, 18. Juli. Diese Woche brach in unserer Ortschaft ein großes Feuer aus, das auch unsere Synagoge und die Talmud-Thoraschule zu ergreifen drohte. Um nun die Bevölkerung bei den Löscharbeiten zu ermuthigen, eilte auch die Gattin unseres Gutsherrn, des Grafen Ntcolaus Moritz Esterhazy, eine geborene Fürstin Schwarzenberg, herbei und half emsig mit auf das Dach des an die Schule angrenzenden Wohnhauses Wasserstrahlen zu schleudern, damit dasselbe nicht von den Flammen, die schon nach demselben hinüberzüngelten, ergriffen werde. Dieses schöne Beispiel der hohen Frau spornte die Bewohner an, mit vollen Kräften dahin zu arbeiten, damit auch die Synagoge von den Flammen verschont bleibe, was rrya auch richtig gelang. Unsere Gemeinde fühlt sich daher der hohen Frau zu großem Danke verpflichtet. Türkei. Konstantiuopel, 20. Juli. Im Aufträge des Sultans hat der Stadtpräsekt beim Chacham- Bascht hier anfragen lassen, wieviele Juden durch das Erdbeben ins Mitleid sind gezogen worden, damit man auch sie mit den von Sr. Majestät gespendeten Lebensmitteln wird bedenken können. Auch von den 15 000 fl., die der Sultan für die durch das Erdbeben Verunglückten gespendet hat, wird eine entsprechende Quote der jüd. Gemeinde hier zufallen. — Der Augenarzt des kaiserlichen Palastes, Dr. Elias Pascha, der zugleich den Titel eines Divisions-Generals (Ferik) führt, erhielt das Großband des Medschidijeordens. Dr. Elias Pascha ist der erste Jude, der diese hohe türkische Decoration besitzt. Aber trotz seiner hohen Stellung ist Dr. Elias ein treuer Jehudi, bei dem die jüd. Sabbatu. Feiertage strenge gehalten und die jüd. Speisegesetze genau befolgt werden.

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