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Der Israelit · 1894-07-30 · Heft 60 (30.7.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 60 (30.7.1894)
Date
1894-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1113 wirb den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gotte seines Heils. Das ist ein Geschlecht, das nach Ihm fraget, das da suchet dein Antlitz, Jakob, Selah! Das. K. 5, K. 15, K. 24.) Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig und alle seine Werke zeugen von Wahrhaftigkeit das. 33, 4.) (Fortsetzung folgt.) Aas israet. Asyl für Kranke und Attersschwache zu Köln. Dem Bericht über die Wirksamkeit während des 25jährigen Bestehens des Vereins entnehmen wir: ES ist das 25. Lebensjahr unserer Anstalt, über das wir zu berichten haben. Ein solcher Zeitabschnitt fordert zu einem Rückblick über den zurückgelegten Weg auf und zur Prüfung, ob die Leitung und Entwickelung der Anstalt dem Willen und Geiste der Gründer, wie er in den Statuten zum Ausdruck gelangt ist, stets gerecht geworden sei. Wer die Thatigkeit unseres Instituts mit liebevoller Theilnahme begleitet hat, wird uns heute die Anerkennung nicht versagen, daß wir das uns anvertraute Gut mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln dem Wohle unserer Mitmenschen nutzbar gemacht und daß wir unsere ganze Kraft daran gesetzt haben, das auf dem festen Fundament reinster Menschenliebe aufgerichtete Werk in einer verhältnitzmäßig kurzen Zeit zu einer schönen Höhe zu führen. Mit gerechtem Stolz blickt unsere Synagogen-Gemeinde auf das Asyl, daS sich in allen Kreisen unserer Bürgerschaft wahrer Schätzung und eines ehrenhaften Vertrauens seitens Angehöriger aller Confessionen rühmen darf. Am 27. Januar 1867 erklärten vor einem Kreise geladener Herren die Herren Louis, Jac. Löb, Moritz, Gustav und Julius Ellsbacher den Willen, zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern ein israelitisches Asyl für Alte und Kranke zu gründen, „in welchem im Sinne der Humanität auch Bekenner anderer Confessionen Aufnahme finden sollten." Am 12. Januar 1869 wurde das Haus festlich eingeweiht und am 7. April 1869 der erste Altersschwache ausgenommen. Am 5. Januar 1870 wurden der Anstalt die Rechte einer juristischen Person verliehen. Sie verfügte damals über 20 Betten für Kranke und Altersschwache und nahm im ersten Jahre 2 Altersschwache und 26 Kranke auf. Langsam wuchs die Zahl der Altersschwachen und Kranken bis auf 14 bezw. 47 im Jahr 1882. Durch Ankauf eines anstoßenden Grundstücks und einen Anbau, der für 15 weitere Betten Raum gewährte, konnten feit 1883 die Aufnahmegesuche in erheblicherem Maatze berücksichtigt werden. Jedoch nur für kurze Zeit war das Bedürfniß befriedigt. Angesichts der stetig wachsenden Zahl der an unsere Pforten pochenden Greise und Kranke konnte das Curatorium sich dem Zwang einer weiteren Ausdehnung nicht entziehen. In den Jahren 1888 und 89 wurde der im Garten gelegene Flügel bis zur Annostratze weitergeführt, so daß 18 neue Betten aufgestellt und ein Betsaal mit 70 Plätzen eingerichtet werden konnten. Dieser Neubau gestattete zugleich die schon lange nöthig gewordene Erweiterung der Wirthschaftsräume, die Anlage eines Kesselraumes für die die ganze Anstalt versorgende Niederdruck-Dampfheizung, eines mit allen Erfordernisien der modernen Chirurgie ausgestalteten Operationssaales, und der für Infektionskrankheiten nöthigen Jfolirzimmer. Ueberhaupt trug das Kuratorium bereitwilligst allen Ansprüchen Rechnung, die von ärztlicher Seite in Bezug auf Ausstattung und auf die der modernen Hygiene entsprechenden Einrichtungen gestellt wurden, so daß die Anstalt außer als behagliches Heim für Greise nun auch als innern und äußern Krankheitsformen auf das Beste eingerichtetes Krankenhaus sich darstellt. Und wie die am Schluffe angehängte Krankenbewegung zeigt, stieg allmählich die jährliche Zahl der Kranken auf das dreifache gegen die frühere Zeit: auf 254 im Jahre 1893. Um aber auch den sich mehrenden Aufnahmegesuchen Altersschwacher und Siecher entgegenzukommen, wurde 1890 ein neben dem Vorderbau gelegenes kleines Haus angekauft, mit dem ersteren in Verbindung gesetzt und für die Wohnung des Verwalters und für 8 alte Männer eingerichtet. Damit gelangte die Anstalt zu ihrer heutigen Ausdehnung, bei der sie im ganzen ca. 65 Betten (incl. Kinderbetten) belegen kann- 38 von diesen dienen Altersschwachen und Siechen, die übrigen sind zur Aufnahme Kranker bestimmt. Unter großen Opfern und starker Inanspruchnahme des Kapitalvermögens war der Anstalt diese Ausdehnung gegeben worden; sie noch fortzusetzen, lassen die Vermögensverhältniffe nicht zu. Deßhalb suchten wir das Asyl nach einer anderen Seite hin nutzbar zu machen. Der dichtgedrängten Arbeiterbevölkerung des südlichen Stadttheils, die früher schon vielfach bei Krankheiten sich an das Asyl um Hülfe gewandt, mußte eine ständige Poliklinik im Hause eine Wohlthat fein. Am 1. Januar 1892 wurden nun poliklinische Sprechstunden für alle Krankheitsformen eingerichtet in vier Abtheilungen, 1. innere Medizin und Kinderkrankheiten, 2. Chirurgie und Frauenkrankheiten, 3. Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, 4. Augenerkrankungen. Die Zahl der Hülfesuchenden spricht allein für den Segen dieser Einrichtung. Im ersten Jahre wurden 5355 Patienten in mehr als 20,000 Einzelconsultationen behandelt und im verflossenen zweiten Jahre stieg die Zahl der Patienten bereits aus 7816. Im Laufe der Jahre war auch die ärztliche Mühewaltung vermehrt. Im ersten Lebensjahre der Anstalt hatte Herr Dr. S. Eltzbacher die ärztliche Leitung, von 1870—85 hatte sie Herr Dr. Eduard Feith, und nach seinem von dem Asyl in gleicher Weise wie von allen seinen Patienten und Freunden tief betrauerten Tode wurde sie Herrn Dr. B. Auerbach übertragen, dem 1890 Herr Dr. Alfred Oppenheim als zweiter Arzt beigesellt wurde. Für die chirurgische Thätigkeit im Hause und in der Poliklinik gewannen wir in Herrn Dr. Fritz Cahen, dem früheren mehrjährigen ersten Assistenten der chirurgischen Universitätsklinik in Greifswald eine ausgezeichnete Kraft. Ferner übernahmen bereitwilligst Herr Dr. MoseS die Poliklinik für Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten, Herr Dr. Deffauer für die Augenkrankheiten und Herr Dr. Albersheim im Verein mit den AnstaltSärzten die Poliklinik für innere Krankheiten. Das Berichtsjahr 1893 weist wie seine Vorgänger eine stetige Zusammennahme in den Leistungen auf. Die Zahl der im Hause verpflegten Kranken stieg auf 254 gegen 190 im Vorjahr, und diese Steigerung hält noch an, indem in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres schon über 100 Kranke ausgenommen wurden. Die Zahl der Alters' schwachen betrug 44 gegen 39 im Vorjahre, Verpflegungstage wurden im Ganzen 16,045 geleistet, von denen auf Kranke 4865 und auf Altersschwache 11,180 entfallen. Die gute Ausstattung des Hauses und der Zimmer, die Beköstigung, die sorgfältig geübte Wartung und ärztliche Behandlung, die durch die Anstellung unseres erprobten Chirurgen Herrn Dr. Fritz Cahen auch für die operativen Krankheiten die beste Gewahr bietet, hat der Anstalt gegen früher eine größere Anzahl Kranker aus den wohlhabenden Klaffen von hier und auswärts zugeführt. Der größte Theil der Kranken stammt aber aus der minderbegüterten Arbeiter- und Handwerkerkreisen, die gegen einen mäßigen

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