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Der Israelit · 1894-07-30 · Heft 60 (30.7.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 60 (30.7.1894)
Date
1894-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1112 Wenn du etwas deinem Nächsten verkaufst, oder von ihm kaufst, so darf Einer den Anderen nicht übel vortheilen (das. K. 25). Verarmt dein Bruder bei dir und er nimmt ab, so sollst du ihn liebevoll unterstützen, ob er ein Fremdling oder Gast ist, auf daß er bei dir lebe. Du sollst nicht Wucher von ihm nehmen noch Ueberschuß, sondern sollst dich vor deinem Gotte fürchten, auf daß dein Bruder neben dir leben kann (das. 25). Hüte dich vor Belijaalstücke in deinem Herzen (Deutron. 15). Drücke nicht herab den Lohn des Armen und Dürftigen, ob es dein Bruder oder ein Fremdling ist (das. 24). Denn wer Unrecht thut, der ist dem Ewigen ein Greuel (das. 25). Die heiligen Seher, die gottbegnadeten Propheten und Sänger, sie alle eifern für Wahrhaftigkeit, Recht und Gerechtigkeit: „Was soll mir die Menge Euerer Opfer, spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von dem Gemästeten, und habe kein Gefallen an dem Blute der Farren, der Lämmer und der Böcke. Wenn ihr kommet vor mir zu erscheinen, wer verlangt dieses von euch? Wozu betratet ihr meinen Vorhof? Und so Ihr Eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen von Euch; auch, wenn Ihr noch so viel betet, ich höre nicht darauf, denn Euere Hände sind voll Bluts. Waschet, reiniget Euch, leget Eure bösen Handlungen ab vor meinen Augen, lasset ab vom bösen Wandel. Lernet Gutes thun, trachtet nach Recht, helfet dem Unterdrückten, schaffet dem Waisen Recht, helfet der Wittwe." Das ist Gottesdienst, Gottesverehrung. (Jesaias 1.) Denn des Gerechten Weg ist Redlichkeit, Geradheit, Ehrlichkeit (das. 26, 7.) Glicht die Frömmler, sondern die wahrhaft Frommen, die in Redlichkeit wandeln, Wahrheit reden, Unrecht und Eigennutz verachten; wer seine Hände abzieht, daß er nicht Geschenke nehme, wer seine Ohren verschließt, daß er nicht von Blutschuld höre und seine Augen zuhält, daß er nichts Arges sehe; der wird in den Höhen thronen und Felsen werden seine Feste und sein Schutz sein. Sein Brod wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß. Seine Augen werden den König in seiner Herrlichkeit schauen, er wird feinen Besitz erweitert sehen (das. 33, B. 15, 16, 17). Darum festige dich durch Gerechtigkeit, halte dich fern von Unrecht und Gewaltthat, dann bist du sicher vor Furcht und kein Schrecken wird dir nahen (das. 54, 14). Denn Ich der Herr liebe das Recht und hasse das Unrecht, Ich will es, daß Euer Thun Wahrheit sei, darauf will ich mit Euch meinen Bund schließen für die Ewigkeit (das. 61, 8). Das ist mein Volk, das find meine Kinder, die, welche aufrichtig sind und die Lüge ihnen ftemd ist, denen bin ich Helfer, Retter, Erlöser. (Das. 63, 8). Ganz deutlich spricht sich in folgender bibl. Sentenz die Anschauung des Judenthums über die wahrhafte gottgefällige Frömmigkeit aus: Frommsein heißt: wer Recht und Gerechtigkeit übet, wer Niemanden schädigt, wer dem Schuldner sein Pfand wieder gibt, wer Niemanden Gewalt zufügt, dem Hungrigen sein Brod gibt, den Nackten bekleidet, nicht Zinsen und Wucher nimmt, seine Hand vom Unrechten abwendet, zwischen den Leuten das Recht der Wahrheit ausübet, nach meinen Gesetzen sich hält, meine Gebote beobachtet, um die Wahrheit zu fördern, das ist ein frommer Mann, der soll das Leben haben, spricht Gott der Herr! (Jecheskel 18, 7, 8, 9.) Selbst der Gottlose, der das ewige Leben verwirkt hat, wenn erbereut, sich von seinen Sünden bekehrt und er beschließt Gerechtigkeit und Recht zu thun, unrechtmäßiges Gut zurückerstattet und nach den Satzungen des Lebens wandelt, daß er kein Unrecht begeht, so soll er leben und nicht sterben (das. 33, 14. 15). Darum säet für Euch Gerechtigkeit und erntet Liebe, es ist Zeit nach dem Ewigen zu suchen, der da kommt Euch Wahrhaftigkeit zu lehren (Hosea 10, 12.) So spricht der. Herr Zebaoth: Richtet nach Wahr ha ftgkeit und ein Jeglicher beweise an seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit. Thuet nicht Unrecht der Wittwe, Waise, dem Fremdling und den Armen, und heget nichts Falsches Einer gegen den Andern. (Secharjah 7, V. 9, 10.) Und unser gekrönter, gottesbegeisterter Sänger, ohne dessen vom wahrhaften Glauben durchglühten Psalmen ein öffentlicher Gottesdienst noch heute in keiner Confesston denkbar ist — auch Davids Gebet ist es unablässig: O Herr! Leite mich in deiner Wahrhaftigkeit, um meiner Widersacher willen, ebne vor mir deine Pfade (Psalmen K. 5, 9). Denn der Herr liebet die Redlichkeit, Jene, die sich der Wahrhaftigkeit zuwenden. Wer wird denn wohnen in deinem Zelte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer in Aufrichtigkeit wandelt und recht thut, wer die Wahrheit im Herzen redet. Wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinem Nächsten nichts Arges zufügt, ihn nicht schädigt, die Gottlosen verachtet, die Gottesfürchtige» aber verehrt; wer seinem Nächsten schwört und es hält, wer sein Geld nicht auf Zinsen leiht uud nicht Geschenke nimmt über den Unschuldigen. Wer das thuet, der wird nie wanken. Oder: Wer wird besteigen den Berg Gottes, wer wird stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige, reine Hände hat und reinen Herzens ist, der nicht Wohlgefallen findet an Trug und nicht fälschlich schwört. Der

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