Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1894)
- Date
- 1894-07-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1101 Literarische Wittfieikung. Wir beeilen uns, die Leser auf ein höchst bedeutungsvolles Geschichtswerk, das soeben bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. erschienen ist, aufmerksam zu machen. Herr Dr. A. Berliner, der vielgefeterte Litterarhistoriker, hat einen großen Theil seiner römischen Forschungen in dem aus 2 Bänden bestehenden Buche: „Geschichte der Juden in Rom von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart (2050 Jahre)." ntedergelegt. Rom ist in gewissem Sinne die älteste Gemeinde der Diaspora, und ihre Entstehung verfolgt der Verfasser auf Grund tiefgehender Untersuchungen von ihren ersten Anfängen an. um dann ihre weitere Entwickelung im Wechsel der Zeiten aufs eingehendste darzustcllen. Der Verfasser erschließt sich viele bisher unbekannte Quellen in der römischen wie in der rabbinischen Litteratur und eröffnet sich die jüdischen Katakomben, um aus den Inschriften für das Leben der Juden Roms in der Gemeinde und im Hause Stoff zu gewinnen. In den Anhängen zum ersten Bande werden unter anderem über den Tttusbogen und den Verbleib der Tempelgeräthe höchst interesante Ausschlüsse gegeben. In der ersten Hälfte des zweiten Bandes wird die Geschichte der Juden Roms unter christlicher Herrschaft bis 1555 erzählt, in welchem Jahre die Juden ins Ghetto eingeschlossen wurden. Hierbei berücksichtigt der Verfasser auch die Litteratur, die trotz allen äußeren Elends unter den römischen Juden sehr eifrig gepflegt wurde. Er löst endlich die Kalir - Frage, widmet dem Verfasser des Aruch spezielle Aufmerksamkeit, schildert Abraham ibn Esras Wirken in Rom und weist u. a. einen bisher unbekannten Exegeten aus der Zeit Immanuels nach. In der zweiten Hälfte des zweiten Bandes wird das Leben im Ghetto während der 330 Jahre seines Bestehens nach den verschiedensten Setten hin zur Darstellung gebracht, wofür dem Verfasser die Akten des päpstlichen Geheimarchivs, des Königlichen Staatsarchivs, wie die des jüdischen Gemeindearchivs, ferner eine große Anzahl von Handschriften und Druckwerken in Bibliotheken zur Verfügung standen. In Nachträgen und Bemerkungen wird eine Fülle von litterar- und kulturhistorischem Materials geboten, wie auch mehrere Abbildungen dem Werke beigegeben sind, dessen hohe Bedeutung wir noch in einem besonderen Artikel eingehend zu würdigen gedenken. H. St. Zeitnrrgsrrachrichterr und Correspoudeuzeu. Deutschland. Ober-Ehuheim i. Elsaß. Heute kann ich Ihnen Gottlob vor einem Siege des gesetzestreuen Judenthums berichten. Ober-Ehnheim ist bekanntlich diejenige Stadt, in die der Vater Rabbi Joselmann's von Roßheim flüchtete und wo Rabbi Joselmann, der durch den unsterblichen Begründer Ihres Blattes zu neuem Leben erwachte, seine Jugendzeit zugebracht hat. Hoffentlich wird das Verdienst des berühmten Mannes, der hier gelebt hat, es bewirken, daß unserer heiligen Religion hier nunmehr eine neue und dauernde Stätte erblühe. Es ist hierzu auch alle Aussicht vorhanden, denn gestern hat unser Herr Rabbiner, Dr. Staripolsky "2, seither Rabbiner in dem nahegelegenen kleinen Quatzenheim, sein neues Amt hier angetreten. Was diese Wahl für das gesetzestreue Judenthum bedeutet, das kann nur ein mit elsäsftschen Verhältnissen Vertrauter ganz erkennen. Viele Zeitungsdruckfarbe wurde vergossen und mancherlei Kämpfe wurden gefochten, bis diese Wahl erfolgte. Die Vornehmen der alten Reichsstadt sträubten sich gar sehr gegen diese Ernennung seitens des ConststoriumS, denn einen so überaus frommen Mann, der durch seine Thätkgkeit (bekanntlich war Herr Dr. St. einer der Mitbegründer der d't, vy Gemeinde in Straßburg) bereits in so heftigen Gegensatz gegen die Spitzen der synagogalen Behörden des Elsaß getreten, einen Mann, der nicht einmal unrituell zubereiteten Wein trinke und der obendrein auch kein Elsäßer sei, hieß es, könne man hier nicht brauchen. Nur dem Machtspruche der Kaiserlichen Regierung haben wir cs zu verdanken, daß wir heute ein geistliches Oberhaupt besitzen, welches ebenso durch sein Wtffen, als seine bekannte Opferfreudigkeit dem Judenthume zur Zierde, unserer Gemeinde zur Ehre gereichen wird. Es ist zu hoffen, daß unser Herr Rabbiner dem auch bereits hier tief eingeriffenen Jndifferenttsmus in Glaubensangelegenheiten ein energisches Halt gebieten werde. Mit Rücksicht darauf, daß das Trauerjahr um das Absterben seines Vorgängers noch nicht zu Ende gegangen ist, hatte der Tttular angeordnet, daß die Empfangs-Festlichkeit sich auf das Allernöthigste beschränke. Der israelitische Lehrer hielt folgende Empfangsrede: „Geehrter Herr Rabbiner! „Mit der Veröffentlichung dieser Urkunde nehmen Sie Besitz von der Rabbinerstelle Oberehnheim. Ich biete Ihnen bei diesem Anlaß ein herzliches Willkommen! Daß ich, der Geringste unter Denen, die hier das Wort zu führen haben, heute allein an diese Stelle trete, um Sie in Ihr Amt einzusühren, weist aus Umstände hin, die Ihnen bekannt sind. Im Kapitel 44 des Buches Ezechiel, wo der Prophet die Befugniffe und Verpflichtungen der Priester aufzählt, heißt es unter Anderem: „Sie schlichten die Streitigkeiten ihres Volkes!" „Geehrter Hr. Rabbiner! Mein erster Wunsch, den ich Ihnen heute entgegenbringe, geht dahin, daß es Ihnen gelinge, dem Wort des Propheten gerecht zu werden. Sir bedürfen hierzu keines andern Mittels, als Ihrer Beredt-