Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1894)
- Date
- 1894-07-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1102 samkelt und der Bethätigung der Eigenschaften, mit denen die Kultusbehörde im Aktenstück Ihrer Ernennung Sie anpreist. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die Lösung Ihrer Aufgabe Ihnen nicht allzuschwer wird werden. Der Geist unserer Gemeinde war alleze.t ein friedlicher, und wir sind es dem Andenken Ihres verehrten Vorgängers schuldig, nicht zuzulafsen, daß ein Zwiespalt auskowme in der Gemeinde, wo er über ein halbes Jahrhundert Worte des Friedens und der Eintracht gesprochen. Die Antrittsrede des Herrn Dr., die allenthalben des größten Beifalls sich erfreute, stützte sich auf der Vers in Jesajes 'n iwa apy’ rva indem derselbe entwickelte, in welchem Geiste ein Rabbiner, dessen Lebensaufgabe es ist, daß -on*i vb m*.n verpflichtet ist, zu wirken, und daß er nur in der Erfüllung dieses Spruches den Lohn aller seiner Bemühungen erblicke. Bl. > Vermischtes. < Zwingender^ (Kreis Bensheim.) Heute Mittag verstarb der in weiten Kreisen bekannte und allgemein beliebte Dr. med. Weil in noch rüstigem Mannesalter. Der Verstorbene war bis zu seinem Lebensende Hofarzt bei der Familie deverstorbenen Prinzen Alxander von Hessen zu Schloß Heiligenberg, sowie bei der Familie des Herrn Grafen zu Schonberg. Außerdem hatte er eme ausgedehnte Praxis und war bei Arm und Reich wegen seiner Menschenfreundlichkeit und allgemein bekannten HerzenSgüte beliebt und hochgeehrt. Die Beerdigung fand auf dem iSr. Friedhofe zu Darmstadt statt. Memel. Zur Ergänzung des im Jnseratentheil Ihres Blattes enthaltenen Aufrufes diene Folgendes: Am 12. Juli 1894 erschienen vor dem hiesigen Comitö die nachfolgend benannten und bekannten Personen als Abgeordnete der abgebrannten Stadt Plunjan und buten um Beihülfe. Es sind dies 1. der Stadtrabbiner Sebulun Barit, 2. Schlomo Löwensohn, 3. Michel Feinstein, welche erklärten. Unsre Stadt, welche etwa 4000 Seelen jüdischer Einwohner neben 500 christlichen zählt, ist am Freitag den 7. Juli fast gänzlich niedergebrannt. Die Stadt hat 369 Hausnummern von jüdischen Besitzern aufzuweisen. Zu einer jeden Hausnummer gehören aber neben den Wohnhäusern noch eine Anzahl Neben-- und Wirthschaftsgebäude. Bon diesen 369 Häusern sind 324 sammt ihren Nebengebäuden niedergebrannt, nur 45 sind stehen geblieben und diese gerade sind die abgelegenen, schlechtern und minderwerthigen. Außerdem sind aber noch die zwei Reihen ständiger Geschästsbuden des Marktplatzes, welche die Haupternährungsstellen der jüdischen Bevölkerung bilden, etwa 36 an der Zahl, mit den meisten Maaren verbrannt, verdorben und gestohlen. Ferner haben wir den Verlust zn beklagen: Unseres großen und weithin bekannten Gotteshauses aus Mauerwerk und Zinkdach. Daneben befanden sich drei verschiedene Clausen, welche neben dem Gottesdienst auch noch zu anderen bestimmten Lehr- und Lern-Zwecken dienten und zwar 1) die Claus „Chaje Odom," 2) die Claus „Chewra Kadischa", 3) die Claus „Talmud Thora " Ferner befand sich an selbiger Stelle die „Gmillus Chesed", eine uralte Wolthätigkeitsanstalt» worin die Geschäftsstelle sich befand und die Pfänder aufbewahrt wurden aller der Personen, welchen unverzinsliche Darlehen gegen Pfandsicherheil gewährt worden sind. Der Schaden der Anstalt beträgt weit über 12 000 Mk., denn auch die meisten Pfänder sind mitverbrannt. Verbrannt ist ferner das Beth-Hamidrasch mit allen seinen Bücherschätz-'n. Nur die Sifre Thoro (Gesetzesrollen) sind hier wie in allen Bethänsern gerettet. Ferner ist verbrannt das erst neuerlich vollendete, mit allen modernen Einrichtungen versehene Frauenbad, welches auch zur allgemeinen Badeanstalt eingerichtet war. Sehr schlimm steht es um unsere armen Kranken, da Apotheke und Droguenhandluug abgebrannt und überhaupt keinerlei Mittel geblieben sind, um denselben die nöthigen Heilmittel nebst Krankenkost zu verabreichen. Selbst der größte Theil unserer Feuerlöchanstalten ist unS verloren gegangen. Die 24 Brunnen, welche eigens zu diesem Zwecke angelegt worden waren, sind verschüttet. Auch das Spritzenhaus mit noch einer Spritze und vielen Löschgeräthen ist verbrannt. Wir halten gute Löschanstalten und haben bisher entstandene Brände mit Leichtigkeit bewältigt; allein ein Umstand hat alle Löschversuche unmöglich gemacht: es war gerade Jahrmarkt und der Ort von vielleicht 20 000 Menschen besucht. Als der Feuerruf erscholl, da eilten allefammt, der eine nach dieser, der andere nach der entgegensetzten Richtung, um aus der Stadt herauszukommen; das gab einen solch' unentwirrbaren Knäuel von Wagen und Menschen, daß aller Verkehr auf mehrere Stunden hin vollkommen gesperrt war und die Löschmannschaften absolut nicht zur Brandstelle gelangen und in Thätigkeit kommen konnten. Mittlerweile aber hatte das Feuer einen solchen Umfang angenommen, daß an Rettung schon gar nicht mehr zu denken war. Durch den Brand sind mehr als 3000 Menschen obdachlos geworden uud haben das meiste, was sie beseffen haben, verloren. Theilweise lagern sie auf freiem Felde umer Bretterverschlägen, Reiserhütten und dergleichen. Bei dem jetzigen schönen Sommerwetter sind diese noch bester aufgehoben, als diejenigen, welche in engen Stuben, Kellern und Ställen zu Dutzenden zusammengepfercht wohnen. Es fehlt an Allem, an Nahrung, Kleidung und Wohnung. Einstweilen haben die umliegenden Ortschaften Nahrungsmittel geschickt, welche beim Grundherrn Fürsten OzinSki niedergelegt worden sind und von diesem zur Vertheilung gelangen. Wir sind auch hier im Namen der christlichen Bewohner unserer Stadt, von denen etwa 20 Familien ihre Häuser verloren haben und obdachlos geworden sind. Zur Vertheilung etwaiger Eingänge ist ein Comite> aus jüdischen und christlichen Bewohnern, besonders aus den Beamten der Stadt Plunjan bestehend, in der Bildung begriffen. Das israelitische Waisenhaus „Wilhelmspflege" in Esiingeu halte sich auch, wie aus dem in dieser Woche veröffentlichten 63. Jahresbericht ersichtlich, im verflossenen Jahre der Unterstützung der Israeliten Württembergs zu erfreuen. Dasselbe vereinnahmte an Stiftungen und Legaten 4176 Mark, an Zinsen 13,364 Mark, an Beiträgen und Spenden 8657 Mark. Das Vermögen der Anstalt beträgt jetzt 342,654 Mark, incl. des Vermögens der Fortbildungsschule mit 21,885 Mark und der Adolf-Levi-Stiftung mit 10,572 Mark. Die Zahl der Zöglinge stieg von 26 auf 39. Briefkasten der Redaction. Abonnent in Weiterdweiler. Bitten um Einsendung. W. Sch. Stephauefti, Rumänien. Spenden für die Armen des heil. Landes nehmen sowohl wir entgegen als auch Herr Districts-Rabb. Bamberger, Würzburg, sowie auch daö Eomitü in Amsterdam. Auch in Rußland können Sie den „ISraelit" direkt durch unsere Expedition beziehen.