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Der Israelit · 1894-07-26 · Heft 59 (26.7.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 59 (26.7.1894)
Date
1894-07-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Rußland. Petersburg, 14. Juli. Ein hiesiges officielles Telegramm meldet, daß beim Departement für die geistlichen Angelegenheiten fremder Confessionen eine besondere Commission, bestehend aus einem Präsidenten und vier israelitischen Mitgliedern, eingesetzt werden soll, welche über specifisch jüdische Religionsfragen zu entscheiden haben wird. Mit dieser Commission soll, wie es scheint, ein Ressort wieder ins Leben gerufen werden, das bereits unter Kaiser Nikolaus I. zu dem Zwecke bestand, um die mosaische Confession einer verschärften Polizei- Aufsicht zu unterstellen. Vor Kurzem noch hat in Petersburg eine vom Ministerium des Innern eknberufene Rabbiner-Commission getagt, welcher eine Reihe rein jüdischer Religionsfragen zur Lösung vorgelegt wurde. Die Commissionsmitglieder bezeichneten jedoch dieselbe als gegen die jüdische Religion gerichtete Maßnahmen und leiteten sie an das Ministerium zurück. Mit dem kürzlich erfolgten Tode des aufgeklärten Directors des Departements für die Angelegenheiten fremder Confessionen, Fürsten Kantakuzen-Speranskij, scheint die Rabbiner-Commission ihren einflußreichen Fürsprecher beim Ministerium des Innern verloren zu haben, denn so lange Fürst Kantakuzen-Speranskij am Leben war, wollte er von einer Rückkehr zum bekannten „Jüdischen Comite" aus der Regierungszeit Nikolaus I. nichts wissen. Nunmehr ist diese Rückkehr bevorstehend, und man muß es bedauern, daß das russische Ministerium des Innern, welches erst kürzlich durch seine Gouverneure die Mohammedaner in Rußland versichert hat, daß die russische Regierung die Freiheit der Religionsübung niemals antaften werde, gegen die mosaische Confession eine Sonder-Commission ins Leben ruft, die unter dem Einflüsse des Heiligen Synod stehen dürfte. England. London, 22. Juli. Nachdem der Herzog von ß)ork am Freitag den Erholungsplatz beim neuen Victoria-Park eröffnet hatte, fuhr er am Nachmittag nach dem jüdischen Hospital für Unheilbare und wurde von Oberrabbiner Dr. Adler, Herrn H. H. Raphael, dem Vorsteher des Instituts und andern Comite-Mitgliedern empfangen. In der Männer-Abtheilung, welche als Empfangszimmer eingerichtet worden war, dankte Herr Raphael dem Herzog für die Ehre seines Besuchs, welche von der ganzen jüdischen Gemeinde geschätzt werden würde. Während der Herzog durch die Räume geführt wurde, richtete er an jeden der Patienten ein freundliches Wort und zeichnete beim Fortgehen seinen Namen in das Fremden-Buch. Am nächsten Donnerstag, d. 26. d. M. gedenkt Herr Dr. Adler sich mit seiner Gattin via Ostende, wo er sich einige Tage aufhalten will, nach Marienbad zu begeben, um dort die Cur zu gebrauchen. Gegen das Rothschild'sche Project, im Osten Londons eine Volks-Synagoge zu errichten, haben die Herren H. Jessel, Dr. Alfred Wolff und Sir Samuel Möntague am vorigen Dienstag unter Angabe von verschiedenen Gründen einen Protest erhoben und bei der Rathsversammlung der United Synagogue verlesen. Amerika. New Aork Die Russisch- Amerikanisch- Jüdische Gesellschaft feierte den Unabhängigkeitstag in ihren Versammlungs-Räumen durch Gesänge und Vorträge. Der Präsident der Gesellschaft, Dr. Radin, hob hervor, daß dieser Tag von großer Bedeutung für sie wäre, da der 4. Juli der Feier der Unabhängigkeitserklärung, also einem Vorgang in der Geschichte gelte, welcher stets einer der bedeutensten Errungenschaften der Menschheit bleiben werde. Rev. Osias Hochglück, früher Obercantor in St. Gallen (Schweiz). Feuilleton. Esterka, Königin von Voten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 16.) (Nachdruck verboten.) Elischa und der Bauer erschienen vor dem König und fielen auf ihr Angesicht nieder. „Was wollt Ihr?" sprach Kasimir. „Gerechtigkeit," rief Elischa, „Gerechtigkeit für die Unschuld." „Steh auf und rede." „O, ich sehe es Dir an", rief Elischa, „erhabener Monarch, der Abglanz Gottes strahlt von Deinem Antlitz. Du wirst Gerechtigkeit üben!" „So erhebt Euch nur, steht auf. Ich will nicht, daß in meinem Staate die Gerechtigkeit im Staube liege, sondern frei und kühn darf sie ihr Antlitz erheben." Die Beiden erhoben sich und Elischa rief: „Mein Herr und König, die beiden Juden, jener Greis und seine Tochter, die man des Mordes beschuldigte und eingekerkert hat, sie sind schuldlos, sie sind rein wie das Licht der Sonne!" „Schuldlos!" rief der König und ein Schein der Freude übergoß sein Antlitz. „Schuldlos sagt Ihr? Und wie könnt ihr es beweisen?" Elischa trat einen Schritt zurück. „Hört jenen Bauer an, Majestät", sagte er, er redet die Wahr-

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