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Der Israelit · 1894-07-26 · Heft 59 (26.7.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 59 (26.7.1894)
Date
1894-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Zeitu«gS»achrichterr mtb Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 24. Juli. Der hiesigen Antiguitätenhandlung von D. Reiling wurde von Sr. kgl. Hoheit, dem Großherzog von Hessen, das Prädikat „Hoflieferant" verliehen. Der Grobherzog, welcher ein großer Liebhaber von Alterthümern ist, nahm während seines hiesigen Aufenthaltes wiederholt Gelegenheit die Verkaufsräume des Herrn Reiling zu besuchen und daselbst größere Einkäufe zu machen. Als Höchstderselbe bet dem jüngsten Schützenfeste hier anwesend war, ließ er Herrn Reiling am Freitag Vormittag sagen, daß er ihn Samstag behufs Einkauf zu besuchen gedenke. Herr Reiling ließ antworten, daß er am Sabbat geschlossen habe und er den Besuch des Großherzogs deshalb zu einer anderen Zeit erwarte. Der Großherzog kam deshalb bereits am Freitag Nachmittag und ließ die auf 5 Uhr anberaumte Festschiffahrt infolgedessen um i Stunde verschieben. Daß S. kgl. Hoheit dieses nicht übelgenommen, vielmehr diejenigen, die ihre Religion halten, achtet, beweist die heutige Ernennung. Berlin, 18. Juli. Wie man hört, hat die Regierung der vielbesprochenen Stiftung des Medizinalraths Dr. Cohn für jüdische Handwerkslehrlinge, die die seltsame Bedingung enthielt, daß die Stipendiaten nur am jüdischen Neujahrs- und Versöhnungstage nicht arbeiten dürften, die Bestätigung versagt. Als Grund hierfür werden Formfehler in der Stiftungsurkunde angegeben. Leipzig, 16. Juli. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, so die Herren Kreishauptmann von Ehrenstein, Bürgermeister Justizrath Dr. Tröndlin, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Schill, Landesgerichtsrath Bielitz, Polizeidirektor Bretschneider und andere mehr, überreichte dieser Tage laut Vorftandsbeschluß der erste Vorsitzende des Samaritervereins Herr Dr. Aßmus, bet Gelegenheit der Eröffnung einer dritten Sanitätswache, dem Vorsteher der hiesigen israelitischen Reltgionsgemeinde, Herrn Banquter Alexander Werthauer, als langjährigem Mitgliede und früherem Oberrendanten des Samaritervereins, in dankbarer Anerkennung seiner vielen Verdienste und Bemühungen ein Ehrendiplom. Wir geben von ganzem Herzen der Freude Ausdruck, daß die ehrende Auszeichnung gerade Herrn Banguier Werthauer zu Theil wurde, einem edlen Menschenfreunde, welcher sich stets unter den Urhebern und eifrigsten Beförderern befindet, wo etwas Gutes, Heilsames und Gemeinnütziges im Werke ist, der, stets bereit, Jeden anzuhören und eines Jeden Angelegenheit momentan zu der seinigen zu machen, der sich noch keiner Wicht entzogen hat, die der Mensch vom Menschen und der Rothleidende von dem Hklfefähtgen erwarte« zu dürfen glaubt. Gleichzeitig geben wir der begründeten Hoffnung Raum, daß die Lichtpunkte, jetzt schon sichtlich immer wachsend und sich mehrend, den trüben Nebel, mit dem fanatischer Haß und llngerechtigkeit vor unreifen Köpfen die Wahrheit zu umhüllen bemüht ist, endlich siegreich durchbrechen dürften. Das walte Gott; Griefen, 13. Juli. In der vorgestern stattgehabren Sitzung der Stadtverordneten stand die Wahl des Magistrats-Beigeordneten als erster Gegenstand auf der Tagesordnung. Bet der hierauf erfolgten Wahl ergab sich, daß sämmtliche Stimmen auf den bisherigen Beigeordneten, Stadtrath E. Wollenberg gefallen waren, sodaß derselbe aufs Neue für die Dauer von sechs Jahren als unbesoldeter Beigeordneter gewählt worden ist. Straßbnrg (Elsaß), Herr Dr. Landauer, Privatdozent an der hiesigen K. K. Universität und Bibliothekar der hiesigen Universttäts- und Landesbibliothek ist wegen seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Verdienste um die arabisch.jüdische Litteratur auf Vorschlag von Professor Dr. Noeldecke zum Honorar-Professor an der hiesigen K. Universität ernannt worden. Herr Dr. Landauer ist in Hürden in Bayern geboren. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Krakau. In unserer guten Stadt ist eine junge Dame wohnhaft, welche geborene Jüdin und zum Chrtstenthum übergetreten ist. Dieselbe verlobte sich jüngst mit einem hervorragenden Musiker jüdischen Bekenntnisses zu Bukarest und beschloß, dem Erkorenen ihres Herzens zu Liebe zur Religion ihrer Väter, dem Judenthum zurückzukehren. Das Fräulein meldete in Form eines Gesuches ihren bevorstehenden Austritt aus der katholischen Kirche der competenten Behörde, also in diesem Falle dem Magistrate von Krakau. Dieser ordnete in Folge dessen — die Untersuchung des Geisteszustandes der glücklichen Braut an! Die Aerzte erklärten denselben für so normal, als nur möglich. Nun wäre wohl das Ansuchen der Petenttn zu bewilligen gewesen. Der Mensch denkt — die hohe Obrigkeit lenkt und beschließt das Gesuch mit der Motivirung abzuweisen: „Die Bittstellerin sei hochgradig verliebt, in Folge dessen habe sie das Selbstbestimmungsrecht verloren und werde zweifelsohne den Schritt, den sie thun wolle, bald bereuen." Wer zum Judenthum übertreten will, — der ist nach der Ueberzeugung des Referenten nicht recht bei Sinnen! Buchstäblich so geschehen im Jahre 1894 in der alten Königsstadt Krakau.

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