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Der Israelit · 1894-07-26 · Heft 59 (26.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 59 (26.7.1894)
Date
1894-07-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1097 heit. Lange hatte er sich gesträubt, alles zu bekennen, weil er die Rache feines mächtigen Herrn, des Pan von Wola fürchtete.- „Set ohne Furcht und Scheu", rief der König, „ich werde Dich zu schützen wissen, rede." „Ja, ia, so ist es", sagte der Bauer, „so ist es Herr König. Man hat eine Leiche gefunden von einem Kind, mein war es. dessen Körper man gefunden hat im Walde von Lobezow. „Das Kind, das ist gestorben in der Nacht vorher und ich hab's in das Kloster gebracht zur Bestattung und als ich zurück kam vom Kloster, da kehrte ich in eine Schenke ein, um Branntwein zu trinken, und dort habe ich mich berauscht und blieb liegen, die ganze Nacht. Der Herr König soll nicht denken, daß ich immer Branntwein trinke, und ein Trunkenbold bin, nein das bin ich nicht" — „weiter, weiter!" rief der König — „aber es that mir so weh um mein Weib und deshalb habe ich getrunken. Und wenn ich vielleicht zu viel getrunken habe, und das eine Sünde ist-" „Rede von dem Kind," unterbrach ihn Kasimir, der seine Ungeduld nicht bemeistern konnte. „Ja wohl, das Kind; als ich dann des Morgens nach Hause ging durch den Wald, da habe ich es liegen sehen mit einem Schnitt in dem Hals und da habe ich mich gefürchtet, weil ich gemeint habe, es ist sein Geist und da bin ich davon gelaufen nach Hause zu meinem Weib, das krank danieder lag." „Wie ist das möglich," rief der König, die Fußspur von der Stelle, an der der Leichnam lag, führte deutlich hin zu der Hütte des Juden." „O wohl mein König" rief Elischa. „sie war mit Absicht gemacht worden, um den Verdacht auf die Juden zu lenken; die Fußspuren aber kamen von dem Kloster." „Hah," rief der König, „so ist jene Maßregel, die ich damals unternommen, doch nun von unschätzbarem Nutzen. Jene Spur rührte weder von den Füßen Esthers, noch von denen ihres Vaters her." „Wohl aber von denen des Paters Franziskus," rief Elischa, „dessen Fußbekleidung ich mir zu verschaffen wußte" Der König schwieg ergriffen. Lange Zeit herrschte tiefe Stille in dem Gemach. „Welch ein finsterer Plan muß da verborgen sein", sagte Kasimir endlich. „Nicht vermag ich zu begreifen, daß man um eines armen Juden willen, dies Alles in's Werk gesetzt" „Was ihr mir da sagt, ist von hoher Wichtigkeit und Bedeutung, aber noch genügt es nicht, um die Unschuld der Angeklagten fest zu stellen. Ein Bauer und eine Bäuerin sind vorhanden, laßt euch von dem Kanzler die Namen sagen, welche bezeugen, daß sie zugesehen haben, wie Jehoschua und seine Tochter den Mord ausführten. Ich will Alles aufbieten, um die Wahrheit an das Licht zu fördern; noch aber vermag ich mich nicht der Hoffnung hinzugeben, daß es mir gelingen wird. Ihr Beiden aber seid bereit am Tage des Gerichtes." Mit freundlichem Kopfnicken entließ der König die beiden Männer, und nun blieb er allein in seinem Gemach ein lange, lange Zeit. Was er da gedacht, was er empfunden, er hat es niemals ausgesprochen. Endlich aber raffte er sich auf, schritt zur Thüre und befahl, daß die gefangene Jüdin vor ihn geführt werden solle. Kurze Zeit darauf erschien Esther mit dem leidenden Blick einer in schwerer Kerkerhaft Gefangenen vor ihrem König. Kasimirs Herz erbebte vor Mitleid und Theilnahme, als er sie erblickte; aber er vermochte es sich zu beherrschen. Esther verbeugte sich tief vor dem König und stand schweigend und auch Kasimir redete lange Zeit nicht ein Wort. Endlich unterbrach er die Stille. „Mädchen", redete er sie an, „denke nicht, daß du vor dem König stehst, denke, du stündest vor einem Freund, dem du dich ganz anvertrauen darfst. „Rede die Wahrheit zu mir; wohl bin ich fest überzeugt, wohl glaube ich, daß du, Esther, schuldlos bist, aber dein Vater?! Wie verhält es sich mit ihm? „Man fand Blutspuren an seinen Händen und an seinem Gewände; woher kamen diese?" „Mein König," entgegnete das Mädchen ohne jede Scheu und Zagen, „mein Vater war ein Rabbi in unsrer früheren Heimath, aus der wir vertrieben wurden. Da er aber hier keinen anderen Unterhalt zu finden wußte, so schlachtete er die Thiere nach der Vorschrift unserer heiligen Religion, daher, nur daher allein rührte das Blut an seinen Händen, wie alle Juden aus dem Orte, in dem wir wohnten, es Dir bezeugen können. Und wenn Du den Juden keinen Glauben schenken willst, so frage die Christen dort, und auch sie werden es Dir sagen." „O ja, ja, es bedarf keines weiteren Zeugnisses", rief der König. „Das erste Mal schon, als ich in Deine Augen sah, da wußte ich, Du bist unschuldig." Der König bebte, als er diese schlichten Worte sagte. Es kostete ihn Mühe, nicht noch andere hinzuzufügen, die seine erwachende Leidenschaft verkünden wollten. „Ach, Herr! Wie soll ich Euch danken für diese

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