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Der Israelit · 1894-07-26 · Heft 59 (26.7.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 59 (26.7.1894)
Date
1894-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1093 es geboten, fest und standhaft auf seinem Rechte zu beharren und durch keine Concesston die Dreistigkeit der Gegner zu ermuthtgen. Wir erlauben uns darum unmaßgeblich zu bezweifeln, daß das Verhalten des Großh. Bad. Oberraths der Israeliten in vorerwähnter Sache das richtige gewesen sei. Uns ist kein jüdisches Rttualbuch bekannt, das im strengen Sinne als Schulbuch gelten könnte, indem es in entsprechender Anpassung an die einzelnen Stufen nur den nöthigen Unterrichtsstoff vermittelt, der Schaffung eines solchen zum Gebrauche in israelitischen Schulen und Lehrerbildungsanstalten habe ich in der jüngsten Konferenz der bayerischen Rabbiner (s. die Conferenzprotokolle II S. 5 und 7) mit vielem Eifer das Wort geredet, indem ich alle die Punkte hervorhob, welche dem Oberrath für seine Entscheidung, daß der Kizzur Schulchan Aruch sich als Lehrbuch nicht gut eigne, maßgebend waren —, allein auch die Tefilla ist kein Schulbuch im modernen Sinne, auch die Mischna, auch der Talmud nicht, trotzdem sind ste bisher stets mit Nutzen als Unterrichtsmittel gebraucht worden, und es haben Hunderte von Generationen sich an der Macht und Fülle ihrer Lehren gelabt und ergötzt. Sollen nunmehr diese alle aus den Schulen verbannt sein, weil sie auch Vorschriften über die Reinheit des ehelichen Lebens und solche über götzendienerische Heiden enthalten — vestigia terrent. Mücheröe sprechungen. Es ist nicht gerade angenehm, sich bet der Besprechung neuerschtenener Schriften vornehmlich auf den Boden der Ablehnung und Verneinung stellen zu müssen. Man will doch gern der ernsten Mühe und Arbeit des Verfassers gerecht werden. Da sind es aber bald allgemeine Gesichtspunkte und wesentliche Grundsätze, die entschiedenen Widerspruch herausfordern, bald ist es wissenschaftliche Unreife, die ihre unfertige Meinung auf den Markt bringt. Ersteres gilt von den alttestamentlichen Untersuchungen I. Bachmanns (I. Buch, Berlin 1894, S. Calvary u. Co.). Das sind Schriften, die von der Belesenheit und dem scharfen Eindringen des Verfassers sehr günstig zeugen, denen aber der Text unserer heiligen Schriften etwas zu sein scheint, womit man ganz nach Belieben umspringen kann. Im Wahn seiner Textkritik befangen, kommt Herr B. zu den abenteuerlichsten Hypothesen (vgl. z. B. S. 41 ff.). Sachlich zu widerlegen brauchen wir hier gar nicht. Der Text der heiligen Schrift ist etwas Jntegres, etwas Gegebenes, mit dem sich die Exegese abzufinden hat, und hier erst kann bei Meinungsverschiedenheit in der Auslegung unsere Dtscusston einsetzen. Ganz frei von textkrit. Ameltorationsexperimenten ist auch Herr S. Levin nicht in seiner Schrift „Versuch einer hebr. Synonymik. I. Die intransitiven Verba der Bewegung. Erste Hälfte." (Berlin, Calvary u. Co. 1894). Man sehe die letzten Zeilen S. 43. Die Synonymik hat ganz natürlich die Bedeutungen des Wortes im Sprachgebrauch und ferner dann die Grundbedeutung des Stammes festzustellen. Dann müssen aber die etwa vorhandenen gleichen oder wenigstens wurzelverwandten Stämme sämmtltcher übrigen semitischen Sprachen einschließlich des Assyrischen und dann auch die des Aegyptischen, soweit darüber schon eine Klarstellung erfolgt ist, daneben gestellt werden, und so läßt sich erst ein wissenschaftliches Urtheil über die Grundbedeutung von Wurzel und Stamm nach menschlichem Ermessen positiv feststellen. Dieser Aufgabe ist Herr L. nicht gerecht worden, er hantiert im Gegentheil viel zu viel mit nicht genügend festgestellten Momenten, so mit der biradicalen Wurzel, verschmolzenen Wurzeln rc. Gewiß ist zuzugeben, daß in einer Sprache alles Mögliche möglich ist, es mutz aber auch in der Sprache selbst erwiesen sein und darf nicht aus einer anderen Sprache oder aus sprachphtlosophischen Grundsätzen, die irgendwo gewonnen sind, zwangsweise hineingetragen werden. Denn Sprachphilosophie hat sich Herr L. auch etwas angesehen, aber nur sehr an der Oberfläche. Nichtsdestoweniger enthält die Arbeit des Herrn L. einige recht hübsche Einzelheiten. Wir wünschen dem Herrn für andere Arbeiten etwas mehr Verbreiterung des Wissens und Vertiefung der Methode. Auf ein ganz anderes Gebiet führt uns das durch die Tageszeitungen bereits weiteren Kreisen bekannt gewordene Buch Nikolaus Notowttschs, das soeben aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt erschienen ist (Deutsche Verlags-Anstalt), und das die Lücke im Leben des Stifters der christl. Religion auszufüllen beabsichtigt. Herr Notowitsch hat viele Reisen in Indien gemacht. Er erfuhr dort, daß es in manchen buddhistischen Klöstern auf den Stifter der chr. Religion bezügliche Schriftstücke gebe, und es gelang ihm auch, im Kloster Himis in der Nähe von Leh, der Hauptstadt von Ladak, ein solches Dokument vorgelegt zu bekommen, das ihm ein Dolmetscher aus der tibetanischen Sprache übersetzte. Diese Uebersetzung nebst der Beschreibung der Reisen bildet den Inhalt dieses Buches. Herr N. glaubt nun in diesen Dokumenten den Ereignissen gleichzeitige oder kurz nachfolgende Aufzeichnungen erblicken zu müssen und sieht in ihnen eine Autorität, vor der selbst die Bibel (!) sich beugen soll. Von allem anderen abgesehen, offenbaren die Meinungsäußerungen des Herrn N. das höchste Matz von Naivetät, Kritiklosigkeit und

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