Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1894)
- Date
- 1894-07-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1082 war er schier unfähig, den Geschäften der Regierung sich zu widmen, und mit Besorgniß sahen seine Diener und seine Beamten sein verstörtes Angesicht. Und wiederum saß er heute einsam in seinem Zimmer, als einer der Kammerherren erschien und ihm sagte, ein Jude und ein Bauer seien draußen, die mit heißen Bitten um Einlaß flehten. Schon habe er ihnen gesagt, sie mögen sich gedulden, bis zu dem Tage der allgemeinen Audienz, an dem der König die Bitten und Beschwerden aus seinem Volke anzunehmen pflege, aber sie ließen sich nicht abweisen und der Jude meinte, das Leben vieler Menschen hinge an seinem Worte und was er zu sagen habe, sei eine Freude für den König. Kasimir sprang auf und seine bleichen Wangen rötheten sich. Sofort dachte er an Esther. Wenn es möglich wäre, daß Jemand käme, der Beweise brächte für ihre Unschuld. „Laß sie eintreten," rief der König, „laß sie zu mir kommen, so schnell als möglich." (Fortsetzung folgt.) JtitJ». Allerlei. (Aus dem „Ulk") Die Weltgeschichte ist daS Weltgericht. 1893. Durch allgemeine Volksabstimmung wird in der republikanischen Schweiz die jüdische Schächtmethode, d. h. das Durchschneiden der großen Halsader beim Tödten der Thiere verboten. 1894. Die „Deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege" stellt fest, daß die jüdische Schächtmethode den Thieren den leichtesten Tod bringe und das Fleisch schmackhafter und verdaulicher mache. Zwischen 1895 und 1899. Professor Virchow stellt den Antrag auf allgemeine Einführung der jüdischen Schächtmethode im Interesse des fleischessenden Volkes. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Liberalen abgelehnt. Vor 1999. In der republikanischen Schweiz macht die neue Schächtmethode eines antisemitischen Fleischermeisters gewaltiges Aufsehen. Er durchschneidet den Thieren die große Halsader und verschafft ihnen dadurch einen leichteren Tod und macht ihr Fleisch schmackhafter und verdaulicher. Hundert Jahre später. Nach dem Vorgang der republikanischen Schweiz wird auch in dem monarchischen Deutschland die von einem antisemitischen Schweizer zuerst angewendete Schlachtmethode aus Antrag der Antisemiten durch Reichsgesetz allenthalben eingeführt. Wieder hundert Jahre spater. Ein Nachkomme des Herrn von und ßu Hammerstein denunzirt in der von ihm gegründeten Kreuz- und Ouerzeitung einen jüdischen Schächter, weil er nicht nach der allgemeinen deutschen Reichsschlachtmethode schlachte. Die gerichtliche Untersuchung stellt fest, daß die jüdischen Schächter ihre Thiere genau auf dieselbe Weise tödten, die das Gesetz seit dem 21. Jahrhundert allen Schlächtern vorschreibt. Die Kreuz- und Ouerzeitung verlangt trotzdem staatliche Beaufsichtigung der jüdischen Schächter. Noch einige Jahrhunderte später. Ein Nachkomme Mommsens, der sich als Alterthumsforscher speziell mit der Geschichte Berlins am Ausgang des 19. Jahrhunderts beschäftigt, legt aus Quellenstudien dar, daß die in der ganzen civilisirten Welt eingesührte Schacht» Methode, die man allgemein als die Erfindung eines antisemitischen Schweizers annahm, nichts anderes sei als die von den Juden seit Mosts Zeiten angewendete Art, ihre Thiere zu tödten. Sämmtliche Antisemiten des 19. Jahrhunderts drehen sich im Grabe herum. S. Mg. Woche» - Kalender. Freitag, 27. Juli, 23. Tamus. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 45 Min. (M. E. Z.) Samstag, 28. Juli, 24. Tamus. n"rDD ’-QTi d n r?. Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 05 Min. (N. E. Z.) Der „Israelit" erscheint Wochen lich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel p» brstrhra bet E. $. Steinackrr, Leipzig, Ksßpiah 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusendeu. Eine v»n ott die fitedaetiorr etugefandte« Manuscr pte« findet nicht statt, «au bittet deshalb sich von allen Ginfeudangen eine Copie zarückznbehalte«. Inhalt sHanptblatt): Leitender Artikel: Die Wahrhaftigkeit und die Ethik des Judenthums. Bon Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. — Rußland: Petersburg. — Italien: Rom. — Amerika: RewJ'jork. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Literarischer Bericht. — Sprechsaal. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — England: London. Berantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.