Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1894)
- Date
- 1894-07-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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zu erfinden. So mag es denn kein Zufall sein, daß der Sohn des kürzlich verstorbenen Chefs dieser Kattunfabrik, Louis Liebermann, der berühmte Maler Max Liebermann ist und daß der Professor der Chemie Liebermann der Schöpfer von Farben geworden ist, welche auf chemischem Wege gewonnen, den Nationalreichthum des deutschen Volkes nach einer jüngst veröffentlichten Zusammenstellung jährlich um mehr als ein Dutzend Millionen vermehren helfen, denn auch dieser Liebermann ist einer, „war verdrängt hat die Engländer von dem Kontinente." Kiew, 20. Juni. Am vorigen Sonnabend wurde im Nachbarorte Smila in sämmtlichen Synagogen durch Placate bekannt gemacht, daß die Verwaltung der Zuckerfabrik des Grafen BobrinSky bereit fei, jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen anzunehmen und ihnen einen Tagelohn von 45, bezw- 30 Kopeken zu zahlen. Die Nachricht rief unter der ebenso arbeitsamen wie genügsamen jüdischen Bevölkerung einen unbeschreiblichen Jubel hervor und bildete am genannten Tage den einzigen Gegenstand der Unterhaltung. Obgleich der Termin für die Anmeldung auf Dienstag festgesetzt war, strömten bereits am Sonntag Vormittags Hunderte von Männern, Frauen und Mädchen nach der genannten Fabrik und belagerten das Verwaltungsgebäude. Sie hatten die Genugthuung, noch am selben Tage in die Arbeiterliste eingetragen zu werden, während die säumigeren, welche am Montag, oder gar am Dienstag, dem ursprünglich angesetzten Termin — erschienen, keine Berücksichtigung mehr finden konnten. Die Verwaltung vertröstete sie jedoch auf die nächste Woche, wo eine russische Arbeitergenossenschaft iArtell) nach abgelaufenem Contracte wieder in die Heimath zieht und mehrere hundert Arbeitsstellen frei werden. Die Dankbarkeit gegen die liberale Verwaltung ist eine ganz allgemeine. I. Vzt. Feuilleton. Esterka, Königin von Noten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 15.) (Nachdruck verboten.) So hteß denn Eltscha Alle schweigen und genau auf feine Worte hören. Und Elischa sprach: „Meine Brüder! Finstre Nacht umgiebt uns rings um, und dieser Nacht vergleichbar ist das Geschick Jsrael's. Gott aber wird nicht verlöschen lassen den Stamm Juda's, und er wird die Nacht zerreißen und Israels Sonne wird wieder aufgehen. „So fest wir auch auf Gott vertrauen, daß er uns erretten, erhalte» und erlösen wird von allem Bösen, so lehren doch unsre Weisen, daß auch der Mensch bei drohender Gefahr nicht die Hände müßig in den Schoos legen darf, sondern sich wappnen muß gegen seine Feinde. „Als Esau Jacob überfallen wollte, da hat unser Stammvater, wie die Tradition überliefert hat, auf dreierlei Weise vor seinem Feinde sich zu retten gesucht. Erstens durch Gebet, zweitens durch Geschenke und zum Dritten durch Kampf. „Auch wir haben diese drei Wege versucht. Unsre Synagogen sind nicht leer geworden von Betern vom frühen Morgen, bis in die späte Nacht. „Geschenke in reichem Maße habe ich anbieten lassen unsren Feinden, dem Pan von Wola und dem Pater Franziskus, aber sie haben sie zurückgewtesen, sie wollen uns nicht helfen. So bleibt uns denn nur das Dritte, das letzte Mittel, der Kampf. „Auf Brüder, wir wollen unsre Kraft stählen. Die Starken und Kräftigen sollen kämpfen, die Schwachen aber sollen der drohenden Gefahr entfliehen. „Ich habe für Euch vorgesorgt. „Der Fürst der Grusier ist bereit in seinem Reiche Gort, das weit entfernt liegt, in den Bergen euch eine Heimath zu gewähren. „Auf den Tag der Katharina ist das Gericht angesetzt über unsre armen unschuldig verfolgten Stammesgenossen." „Wenn, wie es vorauszusehen ist, sie zum Tode geführt werden, so dürft Ihr diesen Gerichtstag nicht abwarten, sondern müßt schon vorher entfliehen mit euren Weibern und euren Kindern. Wollt Ihr mir dies schwören? Wollt Ihr durch einen heiligen Eid bei Gott bekräftigen, daß Ihr Alle entflieht, sobald ich Euch durch Boten hierzu auffordern lasse?" Tiefe Stille herrschte in der Versammlung. Endlich trat ein alter Mann hervor und sprach: „Elischa, Gott segne dich für die Fürsorge, die du getroffen hast für Israels Stamm. Ja, wir wollen dich zu unsrem Führer erwählen. Wir schwören, daß wir deinem Worte gehorchen wollen." „Seid Ihr Alle, Alle dazu bereit?", rief Eltscha. „Ja, Alle, Alle" tönte es aus der Versammlung, „wir schwören es dir, Elischa." „So mögt Ihr denn heimwärts ziehen, alle diejenigen, die schwach sind oder verzagten Herzens. Wer aber stark ist und kühn unter Euch, und im Stande ein Schwert zu führen, der bleibe bei mir auf dem Platze." Da erhoben sich die Alten und die Schwachen und schlichen mit leisen Tritten von dannen. Weitaus die Meisten folgten ihnen, aber es war noch immerhin eine stattliche Reihe von Männern, die um Elischa zurückblieben. Und diesen theilte ihr Führer mit, welch ein Vorhaben er hatte, und auch sie schworen ihm, ihm treu zur Seite zu stehn, und am Tage des Gerichts seine Braut und deren Vater zu befreien aus den Banden ihrer Mörder. V. Nachdem Elischa seine Bundesgenoffen entlassen hatte, machte er sich nochmals auf den Weg zu der Hütte des Bauern Gregorski. Er fand den Mann in heftigem Schmerze vor dem Lager seines toten Weibes.