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Der Israelit · 1894-07-23 · Heft 58 (23.7.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 58 (23.7.1894)
Date
1894-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1079 Italien. Rom, 11. Juli, rro’ rot&n trtufiT Den Juden Italiens ist dieErinnerung an Jerusalem und Zion theuer und mit Freuden tragen sie ihr Schärflein dazu bei, wenn es sich darum handelt, im heiligen Lande ein religiöses oder jüdisch-philantropisches Werk zu fördern. So hat erst vor wenigen Wochen ein Sendbote aus JerusalemRabb i Jacob Arovas, Italien bereist, um hier fromme Spenden zum Bau eines Spitals für die marokkanischafrikanische Gemeinde in der heiligen Stadt zu sammeln, und fand er überall offene Thüren und auch eine offene Hand. So sammelte er in Padua 850 Lire, in Mailand 1200 Lire, in Mantua 770 Lire etc. Man kann annehmen, daß er aus Italien 20,000 Lire mit sich nimmt. Dabei sind die 5,000 Lire, die unser edler König m% dem Rabbi persönlich zu diesem Zwecke übergeben, nicht mit gerechnet. Dieses Geldopfer der italienischen Juden für Jerusalem wird der Allmächtige sicherlich tausendfach lohnen yrx n-onjai on Amerika. New Aork. Karl Schurz, unser berühmter Landsmanns ehemaliger Minister des Innern in den Verein. Staaten von Nordamerika, hat sich in einer Ansprache zu Ehren des kürzlich verstorbenen Bankier Seligmann über den Antisemitismus folgendermaßen ausgesprochen: „Einige Herren, die eine allgemein geachtete Stellung in der Gesellschaft einnehmen, haben in den veröffentlichen Nachrufen, welche sie den Manen des Verstorbenen widmen, ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß er und die Seinigen ebenfalls von antisemitischer Feindseligkeit getroffen wurden — jenem engherzigen, verachtungsvollen Geiste, der die Vorurtheile der finsteren Jahrhunderte wieder wachruft und in barbarischen Verfolgungen das Heilmittel sucht für alle Uebel, wofür die Unwissenheit der Massen, Faulheit und Leichtsinnigkeit zum größten Thetl verantwortlich sind — ein Geist, so durchaus der Gerechtigkeit und der Aufklärung widerstrebend, daß es schwer verständlich ist, wie ein Mensch, welcher Selbstachtung besitzt, sich damit befassen oder in Anderen es sehen kann, ohne vor Scham und Unwillen zu erglühen. Ich hörte die Aeußerung, daß ein Jude kein Patriot sein könne, weil er kein Vaterland habe. Diejenigen, welche dies sagen, wollen eben nicht, daß der Jude ein Vaterland habe, und hätten diese Leute ihren Willen, würden sie es ihm unmöglich machen, ein Patriot zu sein. Ein Land kann kaum erwarten, daß diejenigen seiner Bewohner, welche es als Fremde und Auswürflinge behandelt, Patrioten sein können. Im Verhältniß zu dem Vorwalten des antisemitischen Geistes ist es dem Juden schwer gemacht, Patriot zu sein. Wenn er trotzdem Patriot ist, so muß ihm dies als eine Tugend von besonderem Verdienst angerechnet werden. Und diese Tugend besaß Jesse Seligmann im höchsten Grade. Ich sah ihn und sprach mit ihm zur Zeit, als die Wunde noch frisch war. Ich weiß, wie tief es ihn ergriff; ich weiß aber auch, daß, hätte das Vaterland, oder was seiner Ansicht nach das öffentliche Wohl erheischte, irgend einen Dienst oder Opfer von ihm verlangt, er bereit war, mit der gleichen begeisterten Hingabe, von welcher er stets beseelt war, dieselbe zu bringen. Er wäre Patriot geblieben, trotz aller Hindernisse — ein leuchtendes Beispiel für seine Stammesgenoffen und zur Schande Derer, die den Stamm verunglimpfen, in der That ein Beispiel, das einem jeden Bürger, welch' Glaubens oder Nationalität er sei, vorleuchten mag." > vermischtes. < Berti«, 9. Juli. Die Begründung der Liebermann- Stiftung zum Andenken an den verstorbenen Stadtverordneten und Vorsitzenden des Repräsentanten-KollegiumS der Berliner Gemeinde Louis Liebermann, ruft die Erinnerung an diesen um die Humanitären Einrichtungen der Gemeinde verdienten Mann und an seinen Vater, den alten Kommerzienrath Liebermann wach, dessen aus kleinen Anfängen erwachsene Kattunfabrik, welche L. Liebermann fortführt, zuerst in Berlin die Konkurrenz mit den englichen Industriellen aufzunehmen im Stande war. Durch die Erfindung des mechanischen Webstuhls und besonders durch die Walzendruckmaschine deS Schotten Bell hatten zu Anfang dieses Jahrhunderts die englischen Kattundrucker die deutsche Manufaktur, gegen die sie durch zwei Jahrhunderte hindurch nicht hatten aufkommen können, überflügelt. 40 deutsche Kattundruckereien waren untergegangen, sehr langsam begannen die Fabriken auf dem Kontinent den Kampf wieder aufzunehmen, und mehr als 30 Jahre vergingen, bis ein Berliner Fabrikant vor seinen König hintreten und auf Anfrage ohne Prahlerei sagen durfte: „Ich bin der Liebermann, was die Engländer von dem Kontinent verdrängt hat." Das war der Kommerzienrath Liebermann, dessen Geschäft unter Leitung seiner Nachkommen, welche jetzt die Liebermann-Stiftung in« Leben gerufen haben, einen bewunderungswürdigen Aufschwung genommen hat. Es verlohnt in heutiger Zeit, da man den Juden die Leistungsfähigkeit auf technischem Gebiete entweder ganz abzusprechen oder zu verkleinern sucht, daran zu erinnern, daß bereits vor 25 Jahren ein illustrirtes Weltblatt „Aus Deutschlands großen Jndustriewerkstätten" diese von einem jüdischen Industriellen begründete Fabrik um ihrer intelligenten Leitung willen hervorhob und das erwähnte geschichtliche Bonmot des alten Liebermann gegenüber Friedrich Wilhelm IV. als wahr verbürgte. So seien denn hier zum Gedächtniß der verstorbenen Stifter auch jene vor 25 Jahren geschriebenen Schlußworte reproduzirt: „Stets zur Hilfe bereit, für alle humanistischen Bestrebungen opferfreudig, ist der Chef des Hauses Liebermann einer der ehrenwerthesten Repräsentanten der deutschen Industrie, der er zur Zierde gereicht." Die eigentliche Seele der mit der Zeit fortschreitenden Kattunfabrikation ist der Kolorist, desien Aufgabe es ist, die verborgenen Geheimnisse der Farben zu ergründen und in der chemischen Farbenküche immer neue Zusammenstellungen

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