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Der Israelit · 1894-07-23 · Heft 58 (23.7.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 58 (23.7.1894)
Date
1894-07-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1077 Fast rührend hört es sich an, was unser Religionskodex, der Schulchan Aruch vorschreibt in Bezug auf Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit in der Gesinnung und Denkweise! Wenn Jemand an einen fremden Ort kommt, wo man ihn für einen großen Gelehrten hält und er deßhalb mit besonderen Ehrenbezeugungen ausgezeichnet wird, so ist er verpflichtet zu sprechen: ich bin solcher Ehre nicht genug würdig, ich bin nicht so weise und gelehrt, wie ihr von mir denkt, ich verdiene nicht solche Auszeichnung u. s. w. (Orach Chajim 156, Magen Abraham)^). Dem Israeliten muß sein gegebenes Wort so heilig sein, wie ein Schwur, sein Ja soll Ja sein, sein Nein Nein, er darf nicht Falschheit im Herzen hegen, wenn sein Mund freundlich und wohlwollend spricht. (Baba Meziah 49)17). Wenn man die Worte eines Andern weiter erzählt, so soll man aus dem Eigenen nichts hinzufügen, denn Eva wurde zur Sünde verleitet und dann gestraft, weil sie zu der Schlange sagte, daß Gott verboten habe den Baum der Erkenntniß auch nur zu berühren, was der Wahrheit gar nicht entsprach. (Sanhedrtn 29.) ™). Wer seinen Nächsten durch Worte zu täuscheu sucht, der ist dem Götzendiener gleich das. 91 d)"). Wer gar seinen Mitmenschen durch Worte kränkt oder irgendwie verletzt, so daß er die Beleidigung in eine anscheinend wohlgemeinte, aufrichtige Zurechtweisung kleidet, im Herzen aber beabsichtigt ihn herabzuwürdigen, der vergeht sich noch viel schwerer, wie wenn er ihm an Geldeswerth Schaden zugefügt hätte; es wird darunter verstanden, wenn man z. B. zu seinem Nebenmenschen spricht: Du bist wohl jetzt ein Reuiger, ein Büßer, der sich zum Guten bekehrt hat, vergiß aber nicht, was du früher gesündigt hast, oder wenn derselbe Proselite ist, so darf er ihm nicht seine heidnischen Ahnen vorwerfen, oder etwa zu ihm sagen: wie darf der Mund wieder deinige,der Unerlaubtes gegessenhat, wie darf dieser Mund jetzt die heiligen Worte der Thora aussprechen oder, wenn derselbe durch schwere Krankheiten heimgesucht wird und große Schmerzen über ihn kommen, da darf man nicht, wie es die Freunde Hiobs gethan, zu ihm sprechen : Bedenke doch, „wer ging je unschuldig zu Grunde", gewiß hast du solches verdient; das heißt in unwahrhafttger Weise zurechtweisen (Baba Meziah 58b),i0) nöp cnaiD am iniN p*7’3s Dips7 *s (16 *ns2* jo d.“6 nsi7 ">'12 77i*3 iniN p33Di rann rotv .('n p*yc ,np po ,D773N ps ,D”n miN) nznn Ninn **3N 7sn , pny p72* iN7i pns yw;n n.te* (i" . 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(c"3 pnruD) n lyjn n7i uso iSnd n7 jmnjD) m* mny 73iy i7*n3 171373 Snsn 73 (io .(3"V ,N"3 und wer durch Worte schädigend wirkt, ist strafbarer als wer thatsächlich Schaden stiftet (Erachin 18)^). ehrlich zurechtweisen will, der soll es auch aufrichtig thun, er darf dabei nicht fluchen, nicht den geringsten Haß im Herzen gegen den Uebelhandelnden bewahren, sondern wenn du von deinem Nebenmenschen etwas Unrechtes stehst, so stelle ihn frank und frei, offenherzig und wohlwollend darüber zur Rede und weist er deine gutgemeinte Zurechtweisung zurück, so scheue dich nicht sie zu wiederholen bis er deine Aufrichtigkeit erkennt, (das.) 22) Freilich kann nur der zur wahrhaftigen Zurechtweisung berufen sein, der rein und makellos in seinem Thun und Lassen dasteht, nicht aber der, der selbst die schärfste Zurechtweisung verdient, und schon Rabbi Tarphon sagte von seiner Zeit: Ich glaube nicht, daß heutzutage irgend Jemand das Recht hat seinen Nächsten zurechtzuweisen, denn spricht der Eine, nimm den Span aus deinen Zähnen, so kann der Andere mit Recht antworten, entferne erst du den Balken aus deinen Augen (Erechin 15)23 (Paßt ganz auf unsere antisemitischen Moralhelden und Weltverbesserer). Wer aber berechtigt ist zurechtzuweisen, von dem soll man auch gern zurechtgewiesen sein, denn dies führt auf den Pfad der Wahrhaftigkeit und Redlichkeit (Tamid 28) 24). Die Wahrheit gilt bei Gott mehr als Alles, Er selbst nennt sich ruis« Gott der Wahrhaftigkeit, auf die Er die Welt gegründet und deretwegen Er das Weltall geschaffen (Midr. Jalkut zu Micha) 25) und wenn Wahrhaftigkeit, Wahrheit und Gewissenhaftigkeit auf Erden walten, so übet Gott Gnade und Barmherzigkeit mit den Menschen, bewahret sie vor jeglichem Ungemach und bringt Glück und Segen über die Welt (Jalkut Psalm 85) 20). _ (Fortsetzung folgt.) 1? 7dn* 7N 7312*7 7y3 7*7 dn ns*3 D'737 onjin (20 *2*ys 713* 7sn* 7N ana p rrn dn dsi2>n77 1'2/ys ->131 nisnoi mSn Snw ns i7 7sn* Sn tu rvn dn p*ni3N rrn dn mpjn *2D 77sn:2* nmn 7is77 N3i D*2*s7i D*sp2* NJ 731 3>*n7 1'7'37 17SNL7 *1773 17 7SN’ 7N V?y ]’N3 }’71D’ . (3"y , 7"J Ny’SD N33) 731 73N *pj N1.7 ’S . 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