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Der Israelit · 1894-07-23 · Heft 58 (23.7.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 58 (23.7.1894)
Date
1894-07-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1076 tenden Regen spendet ob des Verdienstes der Männer der Wahrhaftigkeit, denn so spricht der Psalmist: (das. 85). Wahrhaftigkeit bewirkt ein gedeihliches Wachstbum des Bodens (Taanitb 10)") und wer wahrhaftig und genau in seinen Pflichten ist, dem lohnt es Gott auch mit genauer Gewissenhaftigkeit und läßt ihm keine edle That unvergolten (daselbst)?). Wer da glaubt, es genüge den Schein zu wahren und sich kein Gewissen daraus macht, sich zu vergehen an seinem Nebenmenschen, wo dies sorgsam geheim und verborgen bleibt, der irrt gewaltig, denn er verursacht, daß sich die Herrlichkeit Gottes von ihm abwendet und was er im Verborgenen gesündigt, wird ihm öffentlich vor aller Welt dann heimgezahlt. (Moed-Katan 17 und Pirke Aboth 2)* *) Wie genau es der Talmud mit der Wahrheit nimmt, geht aus folgender Erzählung hervor: Ein Mann kam einst während einer Hungersnoth zu einer Wittwe und gab ihr einen goldenen Denar in Verwahrung. Die Frau legte das Goldstück in den Mehlkrug, vergaß dann daran und backte dasselbe mit dem Brode ein, welches sie einem Dürftigen schenkte. Nach einiger Zeit kam der Etgenthümer des Denars und verlangte sein Goldstück zurück, die Frau aber schwur heilig und sicher, daß sie von dem Gelde nichts wtffe, es möge eines ihrer Kinder eines plötzlichen unnatürlichen Todes sterben, wenn sie das Geringste von dem Denar an Nutzen oder Genuß gehabt habe. Bald aber hörte man, daß eines ihrer Kinder wirklich starb, und als man dies den Weisen erzählte, sprachen sie: Wenn es denen, die wahr schwören, so ergeht, welche Strafe haben erst diejenigen zu erwarten, die falsch schwören. Da die Frau aber die volle Wahrheit beschworen hatte, wird jeder fragen, weshalb ist sie dann so hart gestraft worden? Die Antwort ist: Weil sie erspart hat an Stelle des Vrodes, wo der Denar lag, Mehl zu geben, und so von dem Armen, dem sie das Brod spendete, einen Dank für das ganze Brod erhielt, auch für den Raum, welchen das Goldstück ausfüllte (Ghittin 35) 9). idn:&7 ugn 'byi Pgeg npn D'iir D’etwn i’N (6 . ('i nsyn) nosn piss nsN ms pp’iys iddPg isyy p'iysi Ps pur 'i ign (7 . (isipD3 dp) npysiD iP-nd (na«) iPjg ugg pyiw ihm iT3y i3iyn (8 . {Dp iyio) irst? ’Pji pnn pyN 3i* in Tpsnt7 miys rut73 ins ding nL7yD (» d-c-P ,’jyP lrurui nD3 inNSNi nsp “33 inn\rm ugPn dd i:,t ,tP mcx ’in »p ngi r\b idni uni iy3 N3 ,cdiP3 tisu dn ni7N idin Pt7 ig3g hn3 nigi Die Erzählung erscheint Manchem vielleicht etwas übertrieben, sie beweist aber deutlich, welche Anschauungen die Talmudweisen über Wahrhaftigkeit hatten. Da es mit derWahrheitso strenge genommen wurde und eS als Frevel galt, sein Wort, seinen Ausspruch unerfüllt zu lassen, so war es selbstredend auch nicht gestattet, sich oft in bindende Versprechungen und Gelöbnisse eknzulassen, weil man leicht verhindert werden kann, dieselben einzuhalten und das Ende wäre, daß, wer es mit Gelübden leicht nimmt, auch leichtfertig mit Schwüren ist. (Nedarim 20)10), denn selbst das geringste Versprechen, die gleichgiltigste Zusage muß erfüllt werden, und wer zu seinem Freunde nur sagt: Wir werden morgen zeitlich früh aufstehcn, um zu lernen, ist verpflichtet, dies unbedingt zu thun (das. 7 b)"). So rigoros und gewissenhaft waren die Talmudisten in ihrer Wahrhaftigkeit, daß sie den Grundsatz aufftellten: Seid nicht Diener Gottes, weil Ihr dafür einen Lohn zu empfangen hoffet, sondern dienet dem Herrn ganz aufrichtig, selbstlos und ohne jede Nebenabsicht. (Pirke-Aboth (1, 3)1). Deßhalb soll auch das Thorastudium nicht aus Interesse gepflegt werden, nicht deßhalb, weil du Ehren und Würden dadurch zu erlangen glaubst, sondern aus wahrhafter Liebe zu Gott, aus reiner Liebe zur Thora, ohne Hintergedanken von zu befriedigendem Ehrgeiz (Nedarim 62 '^). Eingedenk dieser edlen Anschauung haben auch die alten Rabbiner jeden materiellen Entgelt für ihr Lehramt, ja sogar alle Ehrenbezeugungen zurückgewiesen, indem sie lehrten: Mache die Lehre Gottes nicht zum Spaten mit dem du den Boden zu deinem Erwerb lockerst (das.)i4). Du darfst auch nicht sprechen: So wie man mich die Thora nur für Entlohnung lehrte, so will ich diese auch nicht anders lehren als für Besoldung, denn so ist es gesagt: Erwirb dir Wahrheit und treibe nicht Handel mit ihr (Spr. 23) (Bechauraus 29) 15). iyst7L73i nsis “ins nst7 iy D’Dyis D’D’ in Np iign ipt7 py yaswn -p psn3 ystwtt' »g iign im D'Gin . (n"P puu) pun Dips m t7cnt7Ni? nmy’N d"gi 3"i3Ny myi3t73 PiyoP ")DiDt7 Dm» Psi nn Pn DPiy^ (io .(‘3 omj) Dt7) D’3t71? l’Py 11 pIS 1317 J1 D'3L'3 1T3llP 1G1N1 (11 (3"y ,'t P3pP n:s py 3in in d'lpg^gi DHiys rnn b& (12?3pP n:s Py nPc7 n ns D's'st^sn ansys rn nPn dis .('j i3t7D ,'n pis hon ’pis) dis GlN1p’L7 1Jt7N DDn ’JlNIp’tf NIpN DIN 1DM’ N717 (13 rpoi iding 110? N7N nyv'o 3t7m jpr n\iN57 uspn '31 . (3"D D’113) N13P 1133,1 . (lDlpD3 DL') 13 lliy 11’lP Dlllp 1l7yi pNl <14 UlDpN "J3 13173 TnsPl7 D173 DIN ISN’ NP&7 pjDl (15 . (D"3 , 111133) (J"3 ’^D) 113DD PNI 11p DDN P"1 13173

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