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Der Israelit · 1894-07-19 · Heft 57 (19.7.1894) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 57 (19.7.1894)
Date
1894-07-19
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1073 Leben genügend besorgt war. Aergere Dich niemals, auch dann nicht, wenn die Kinder nicht immer sogleich Deine Befehle befolgen oder sonst Unarten begehen. Sei auch nicht empfindlich bei Trübsalen, Kränkungen, Zurücksetzungen und sonstigen Widerwärtigkeiten; ste sind Prüfsteine und kostbare Perlen für unsere Himmelskrone. Verrichte die Dir obliegenden Arbeiten mit größter Ruhe und Milde; dein fester Grundsatz sei: Ruhe und Milde, wenig, aber freundlich und gut, wenig, aber beharrlich und ausdauernd. II. Ueber de» großen Einfluß der Muttert Welchen mächtigen Einfluß eine brave Mutter durch die Erziehung ihrer Kinder auf diese dauernd auszuüben vermag, das beweisen zahlreiche Beispiele. Schon ein bekanntes Sprichwort sagt: „Junge Bäume sind leicht zu biegen" und in einer Minute bringt man an einem Klumpen Lehm mehr zu Stande, als in einer Stunde an einem harten Ziegelsteine! Aehnlich ist es mit dem zarten Kinderherzen, das noch so empfänglich für alles Gute ist und gerade das Edle und Schöne gern aufnimmt,. wenn eine gute Mutter versteht, auf das Kind in kluger Liebe etnzuwirken. — Ein Mann der Wissenschaft pflegte zu sagen: „Ich wäre ein Gottesleugner geworden, wenn ich mich nicht immer wieder an meine fromme und gute Mutter hätte erinnern müssen, wenn ste meine kleinen Hände in die ihrige schloß, mit mir andächtig betete und mich lehrte, den heil. Namen Gottes zu preisen. Zu Adams, dem großen Präsidenten von Amerika, sagte einst ein Herr: „Nun weiß ich auch, wie Ste der Mann geworden, der Sie sind." „Wie so?" — Ich habe die Briefe gelesen, dteJhreMutter an ihrenSohn geschrieben hat. Die Mutter eines anderen Unionspräsidenten, Washingtons, erzog ihren Sohn zur Frömmigkeit und Aufrichtigkeit. Als man ihr in ihren alten Tagen die Nachricht überbrachte, ihr Georg sei an die höchste Stelle der nordamerikanischen Republik erhoben worden, sagte die würdige Frau ruhig: „Nun mein Georg ist immer ein guter, braver Sohn gewesen." Bekannt ist, daß eines Tages Jemand den Kaiser Napoleon I. fragte: „Was fehlt der französischen Nation hauptsächlich?" — „Brave Mütter!" lautete des Kaisers kurze, aber viel sagende Antwort. M. R o s e n w a l d, Iserlohn. Uwe Stndt ttttd ÄTnuö. Mannheim, 16. Juli. Von zuverlässiger Seite wird der amtlichen Karlsruher Zeitung geschrieben: „Der aus der „Badischen Landpost" in verschiedene Blätter übergangenen Mittheilung von dem Verbote eines israelitischen Lehrbuches liegen folgende Thatsachen zu Grunde. Im hörigen Jahre errichtete ein früher in Hessen thätig gewesener israelitischer Lehrer in dem Orte Gatlingen eine — nicht konfessionelle — Handelsschule, nachdem die nach den Bestimmungen des Elementarunterrichtsgesetzes über Errichtung von Privatlehranstalten erforderlichen Nachweise den Staatsbehörden ge. liefert und von diesen als genügend anerkannt worden waren. In dem von der Großh. Ober, schulbehörde nicht beanstandeten Lehrplan der Anstalt sind auch die Gegenstände des israelitischen Religionsunterrichts einzeln aufgeführt, darunter „Kizzur Schulchan Aruch: IV. Klasse: Pflichten gegen Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Greise und Priester; Verhalten in der Synagoge und im Lehrhaus, III. Klasse: Die Gebete; Vorschriften über Cermonialgesetze. II. Klasse: Sabbat, Fest- und Fasttage. I. Klasse: Vorschriften für Trauernde." Nachdem von dieser Thatsache durch die landständischen Verhandlungen über die deutsch-soziale Petition um staatliche Prüfung der israelitischen Reltgionslehrbücher auch der Großh. Oberrath der Israeliten Kenntniß erhalten hatte, veranlaßte er die drei theologischen Mitglieder seiner Religionskonferenz das fragliche Lehrbuch, welches zu den für den israelitischen Religionsunterricht an den Schulen des Landes zugelassenen nicht gehört, einer Prüfung zu unterziehen. Die gesondert erstatteten Gutachten sprachen sich übereinstimmend dahin aus, daß der Kizzur Schulchan Aruch als Schulbuch nicht geeignet erscheine, da bei einem solchen auf die Reinheit des ehelichen Lebens u. a. bezüglichen Vorschriften zu beanstanden seien, überdies aber auch diejenigen Stellen, welche den götzendienerischen Heiden („Sternanbetern") gegenüber ein minder humanes Verhalten zulaffen, als veraltet und der heutigen geläuterten Auffassung des Judenthums widersprechend bezeichnet werden müßten. Allerdings dürfte unterstellt werden, daß die betreffenden Abschnitte beim Unterricht nicht durchgenommen und, weil das Buch in unvokalisirtem auch, sprachlich schwierigem Hebräisch verfaßt ist, ohne Beihilfe des Lehrers von den Schülern nicht verstanden würden; gleichwohl aber empfehle sich Entfernung des Buches aus der Schule. Von dem Ergebniß der vorgenommenen Prüfung setzte der Oberrath den Vorstand der Handelsschule in Gailingen mit der Aufforderung in Kenntniß, das beanstandete Lehrbuch sofort außer Gebrauch zu setzen, widrigenfalls Mittheilung an die staatlichen Aufsichtsbehörden zum Zweck der Ergreifung gesetzlicher Zwangsmaßregeln erfolgen werde. Letztere waren jedoch nicht erforderlich, da der Vorstand der Aufforderung alsbald nachkam.

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