Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1894)
- Date
- 1894-07-19
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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1074 Inzwischen batte auch das Großh. Ministerium der Justiz, dls Kultus und Unterrichts, wie von dem Vertreter desselben in der 33 Sitzung der zweiten Kammer in Ansicht gestellt worden war, ein Gutachten über den Ktzzur Schulchan Aruch erhoben, welches ebenfalls dahin geht, daß derselbe als Lehrbuch in Schulen als nicht geeignet zu bezeichnen und daher zu untersagen sei. Hiervon setzte das Ministerium den Oberrath mit der Veranlassung in Kenntniß, durch die Stadt- und Bezirksrabbiner darüber wachen zu lassen, daß der Kizzur Schulchan Aruch auch künftighin in den Schulen nicht gebraucht werde. Der Oberrath hat entsprechende Weisung an die Rabbiner zugesagt." Dieser Bericht hat die Runde durch alle größere Zeitungen Badens gemacht. Einer unserer Correspondenten bemerkt hierzu sehr richtig: „Wir fragen nur, warum soll das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden? Nach dieser Konsequenz dürfte auch die Bibel nicht als Schulbuch zu gebrauchen sein. Wir werden diese Angelegenheit entsprechend der Wichtigkeit der Sache in den „Blättern für die isr. Schule" später eingehend behandeln. Red. (Die wissenschaftliche Prüfung der Lehrerinnen für höhere Mädchenschulen), soweit es sich um die Anstellung als Leiterin oder Oberlehrerin handelt, soll in Zukunft in zwei Gegenständen abgelegt werden. Für den ersten Gegenstand steht der Bewerberin die Wahl frei zwischen Religion, Deutsch, Französisch, Englisch. Den zweiten Gegenstand kann sie aus den vorgenannten Fächern oder aus den folgenden wählen: Geschichte, Gegraphie, mathematische Wissenschaften, Naturwissenschaften. Die Prüfung ist eine schriftliche und eine mündliche. Die schriftliche geht der mündlichen voraus. Zu schriftlicher häuslicher Bearbeitung erhält die Bewerberin nach ihrer Wahl eine Aufgabe aus einem der beiden Prüfungsfächer. Es ist ihr gestattet, bei der Meldung anzugeben, aus welchem Gebiete ihres Faches eine Aufgabe ihr besonders erwünscht wäre. Zur Fertigstellung wird eine Frist von sechs Wochen gewährt, die auf ein rechtzeitig eingereichtes, begründetes Gesuch vom Vorsitzenden der Prüfungskommission einmal um weitere vier Wochen verlängert werden kann. Die auf die Fremdsprachen bezüglichen Arbeiten sind in der betreffenden Sprache abzufassen, die übrigen deutsch. Die benutzten Hilfsmittel sind vollständig und genau anzugeben, und die Bewerberin hat auf Pflicht und Gewissen zu versichern, daß sie die Arbeit selbständig und ohne fremde Hilfe angefertigt hat. Falls die Bewerberin die Befähigung in einer Fremdsprache erlangen will, für die keine häusliche Arbeit geliefert ist, hat sie einen Klausuraufsatz in dieser Sprache zu fertigen. Hierfür ist eine Zeit von vier Stunden bewilligt. Der Gebrauch des Wörterbuchs ist hierzu gestattet. Vor der mündlichen Prüfung, die vor der gesamten Kommission abzulegen ist, hat die Bewerberin nachzuweisen, daß sie auf jedem der von ihr gewählten Gebiete umsichtig und gründlich gearbeitet hat. Die Prüfung darf in einem oder beiden Fächern nach Verlauf eines Jahres, jedoch nur einmal, wiederholt werden._ Sprechsaal. Jmx Frage des D. I. F. B. Noch einmal ergreife ich die Feder, um in obiger Sache die Ansicht des Herrn Einsenders im Sprechsaal der letzten Nr., die im Wesentlichen mit der meinigen und der größten Anzahl der isr. Lehrer Deutschlands übereinsiimmt, zu berichtigen. Es liegt mir ferne, die Collegen, die sich in den allgemeinen Lehrervereinen wohl fühlen, veranlassen zu wollen, diesen Vereinen untreu zu werden; ebenso fern lag mir der absurde Gedanke, daß die ganze deutsche Lehrerschaft antisemitischen Tendenzen huldige — obschon nicht einzelne, sondern gar manche, wenn nicht viele deutsche Lehrer öffentlich oder insgeheim antisemitisch — denken; von der antisemitischen That deutscher Lehrer hat man auch schon genügend gehört. Oder sollten die Herren, die während der Zeit ihres Studiums auf der Universität antisemitischen Verbindungen angehören — und das sind jetzt leider die meisten — nachdem sie in Amt und Würden eingesetzt sind, ihre Gesinnungen wechseln und sollte das Gift, das sie als Studenten genossen, seine Wirkung versagen? Möchte der Herr Einsender Recht haben; ich bin zu pessimistisch in dieser Hinsicht, als daß ich daran glauben könnte. Doch lasse ich mich gerne eines besseren belehren und freue mich, wenn die „deutschen Lehrer" der antisemitischen Bewegung den Rücken kehren. Meine Erwiederung galt nur dem Artitel des Herrn E. im Jeschurun, in dem die Gründung eines D. I. L. B. als ein für die d. I. Lehrerschaft gefahrvolles Beginnen hingestellt wurde und da fügte ich zu den längst bekannten, zur Gründung hindrängenden Thatsachen noch die nicht zu unterschätzende Thatsache hinzu, daß es auch unter den deutschen Lehrern Antisemiten gibt, die so waschecht sind wie — der Lehrer und Rector Ahlwardt. Zur Sache selbst freue ich mich, daß der Herr Einsender die Gründung des D. I. L. B. als gesichert ansieht und damit wäre ja unser aller Wunsch erfüllt. Verltas. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.