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Der Israelit · 1894-07-19 · Heft 57 (19.7.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 57 (19.7.1894)
Date
1894-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1061 ZettrmgSuachrichterr mtb Correfpoubeuzeu. Deutschland. Leipzig, 9. Juli. Der hiesige Samariter- Verein verfolgt unstreitig nur edle Zwecke; jeder Edeldenkende fördert ihn daher gern durch persönliche Beihilfe oder durch Geldbeiträge; seinen Satzungen nach steht jedem Unbescholtenen, mag er Christ, Muhammedaner oder Jude sein, der Beitritt offen. Um so peinlicher muß es daher berühren, wenn der Versuch gemacht wird, auch diesen Verein zur Stätte antisemitischer Agitation zu machen. Ein junger Mann (Jude), Angestellter in einem hochachtbaren hiesigen Engroshause, trat in Folge der an ihn ergangenen Aufforderung des Samariter- Vereins demselben als thätiges Mitglied bei, machte einen Unterrichtskursus durch und wurde zur Konstituirung einer neu zu begründenden Abtheilung von dem Vorstand schriftlich eingeladen und hierauf in Pflicht genommen. Tags darauf erschien bei ihm ein beauftragtes Mitglied und machte ihm die Mittheilung, daß andere Mitglieder dieser Abtheilung an seinem Eintritt Anstoß nehmen, da er Jude sei, und ihn deshalb ersuchen ließen, der Abtheilung fern zu bleiben. Ist das eine Samariter-That? Heißt das nicht die Juden von guten Werken abhalten? Hoffentlich erfüllt sich die in einem „Eingesandt" des „Leipziger Tageblatt" ausgesprochene bestimmte Erwartung, daß der Samariter-Verein als solcher, sowohl eingedenk seiner Satzungen, als im Interesse der guten Sache, in seiner Mitte Bestrebungen nicht aufkommen lassen wird, welche seinen Tendenzen schnurstracks zuwiderlaufen. England. London, 15. Juli. Die „Makkabäer", eine geschlossene Gesellschaft von jüdischen Gelehrten, Literaten und Künstler, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die hervorragendsten Männer auf diesen Gebieten jeglicher Nationalität als Gäste zu bewirken und zu feiern, wo und wann sich die Gelegenheit dazu bietet. So sahen sie am Dienstag Abend Monsieur Guyot, den französischen Ex- Minister für öffentliche Arbeiten und jetzigen Herausgeber des „Siecle" in ihrer Mitte und zwar in ihrem Lokal, dem großen Saale des St. James Restaurant in Piccadilly. > Vermischtes. < WormS. Den in Singapore und Penang erscheinenden großen Zeitungen entnehmen wir, daß der Gouverneur in Singapore, Herrn August Hüttenbach von hier in den gesetzgebenden Rath des Straits Settlements berufen hat. Herr Hüttenbach hat den 70er Feldzug mitgemacht, ist der Sohn des sel. Salomon Hüttenbach, des Begründers des eisernen Stockes bei dem hiesigen isr. Armenunterstützungsverein. Fürth in Bayern 17. Juli. Heute fand unter dem Vorsitze des Kgl. MinistcrialkommisiärS Prof. Fischer aus München an der hiesigen israel. Bürgerschule die Absolutorialprüfung statt. Sämtliche Schüler der Oberklasie bestanden dieselbe und erlangten somit das BerechtigungSzeugnis zum einjährig-freiwilligen Dienste. Fr. Uffheim (Elsaß), 9. Juli, p> Wüt '2 verschied nach kurzer Krankheit der in weiten Kreisen bekannte Daniel Dreyfuß in seinem 75 Jahre, von unserer ganzen Gemeinde tief betrauert. Obschon auf seinen ausdrücklichen Wunsch jede besondere Veranstaltung zum Leichenbegängniffe unterlaffen worden, kamen aus unserer Nachbargemeinde Eierenz alle Mitglieder zu demselben, um dem Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause sprach sein ältester Sohn, Herr Lehrer I. Dreyfuß in Delsberg (Schweiz) tiefbewegte Worte der Trauer, in welchen er die vielen Tugenden seines Vaters schilderte. Der Verstorbene war beinahe 44 Jahre rDDn PPI an den D'frnu □ Q', auch viele Jahre in der Verwaltung unsere Gemeinde thätig, er war außerordentlich wohlthätig und streng religiös, von seinem 12. Jahre an hat er nie einen y"n versäumt. New York, 2. Juli. In der Gebethalle des jüdischtheologischen Seminars wurde am 1. Juli eine Andachtsfeier zu Ehren des verstorbenen Dr. A. Kohut abgehalten. Die von seinen früheren Kollegen, den Mitgliedern der Fakultät gehaltenen Trauerreden hoben die großen Verdienste hervor, welche der Verstorbene um die jüdische Wisienschaft sich erworben, und die Dienste, die er dem jungen Institut durch seine kräftige Mitwirkung geleistet. Sein Nachfolger auf der Kanzel der Tempelgemeinde Ahavath chesed wird wohl kaum den Kreisen entnommen werden, welche sich die Pflege der jüdischen und orientalischen Wisienschaft zur Lebensaufgabe gemacht. ES ist das Verlangen in den Gemeinden der Jetztzeit, das Amt des Rabbiners mit Kräften zu besetzen, welche nicht nur der Landessprache vollständig mächtig sind, sondern ihre Aufmerksamkeit mehr den Fragen der Gegenwart zuwenden und sich mit dem Denken und Trachten der emporwachsenden Generation indentificiren. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Offenes Schreiben an Herrn Oskar Panizza von M. Jnngmana. Die letzte Nummer der „Gesellschaft" brachte einen Artikel: „Die „unsittlichen" Gebrüder Grimm und die neue „Sittlichkeit" jüdisch-deutscher Verlagsbuchhändler." Von Oskar Panizza (München.) Sie haben vollständig recht, Herr Panizza, Bernstein hatte keine Befugnis die Gebrüder Grimm zu beschneiden; denn sie waren gute, getaufte Christen. Aber abgesehen davon, daß dieser Verlagsbuchhändler immerhin ein edleS Ziel im Auge hatte, wenn er die seiner Ansicht nach unsittlichen Stellen der Märchen ausmerzen wollte, abgesehen davon, daß er durch einen anständigen Tadel zurechtgewiesen werden konnte, durften Sie sich jedenfalls die Ungezogenheit sparen, das ganze jüdische Literatenwesen zu schmähen und zu leugnen. Sie fragen in Ihrem kindlichen Unverstände: „Woher kommt es, daß, sobald wir in einem neuen Unternehmen, sei es materieller, sei eS ästhetischer, ja sei

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