Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-07-19 · Heft 57 (19.7.1894) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 57 (19.7.1894)
Date
1894-07-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448463--38932-2487060
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1062 es sittlicher Natur, einem bestimmten Prozentsatz jüdischer Namen begegnen, wir zu stutzen anfangen, den Titel des Unternehmens ganz vergessen und zu grübeln beginnen: was die Leute hier, in einem ihrer Rasse, ihrer Vergangenheit, ihren Neigungen gänzlich abgelegenem Gebiet zu erstreben versuchend" — Wenn ich Sie für etwas dümmer htelte, Herr Pantzza, würde ich sagen: „Geschäftsantisemitismus, ein abgeklappertes Thema, weg mit der Feder!" Da ich Sie aber sonst nicht ganz verachte, — lernen Sie von mir die Wahrheit sagen! — kann ich Ihnen dieses schmutzige Gewand nicht umhängen; doch ein wenig gewaschen, würde cs Ihnen ganz gut stehen. Es ihut mir leid; daß ich allegorisch geworden bin. Zu Ihnen sollte ich auch lieber im jüdischen Jargon sprechen, den Sie offenbar sehr gut kennen, da Sie ihn so vortheilhast anwenden; aber ich mache auf Bildung Anspruch, darum begnüge ich mich mit hochdeutscher Sprache. Sie nehmen mir'sdoch nicht übel, trotzdem ich Jude bind Wenn ich den Sinn Ihrer für jeden vernünftig denkenden Menschen rätselhaften Worte recht verstehe, so tadeln Sie die Thetlnahme der Juden an materiellen, ästhetischen und sittlichen Unternehmungen. Warum betonen Sie da besonders die Unverschämtheit der Juden, sich auch mit der Sittlichkeit zu beschäftigen? Sie werden doch den Juden nicht die Moral absprechen wollend Das konnte selbst Ahlwardt nicht, und dir lügt zweifellos besser als Sie. Aber ich nehme zu Ihrer Ehre an, daß Sie erröten würden, wenn Sie sich die Worte Ihres Artikels in Momenten vergegenwärtigten, wo Ihre Phantasie dem Verstände weicht. Kennen Sie wirklich keinen bedeutenden Juden? Armer Mann, Sie sind zu bedauern. Oder kennen Sie welche und äußern dennoch diese wahnwitzigen Gedanken, armer Mann, dann sind Sie noch mehr zu bedauern. Doch weiter! Sie fragen: „Woher kommt es, daß unser Gemüth, noch bevor wir zu denken anfangen, daß aus unserer tiefsten Seele, noch bevor wir reflektirt haben, eine Ahnung aufsteigt, welche jeden Idealen Impuls in solchen Fällen leugnet d Ist es nur Mißtrauend (das sähe Ihnen ähnlich.) Oder ist cs ein vererbter Zustand d (Eine elegante Phrase ohne Bedeutung.) Oder eine a priori vor aller Erfahrung vorhandene transcedentale Eigenschaft unserer Seele, die uns ein Gott eingegeben hat? (Ein Gott wohl, kaum aber ein Götze) Oder eine Krankheit? (Darauf geben Sie sich selbst die Antwort, wenn Sie unmittelbar fortfahren:) Ja, ja, ja! — hör ich hundertstimmig hinter mir rufen — Sie sind krank, mein Herr! Sie müssen nach Berlin!" Das könnte ich Ihnen übrigens auch empfehlen; wollen Sie aber diesen meinen Rath nicht befolgen, so bitte ich Sie, sich für Ihren nächsten Ekstasezustand einem tüchtigen Arzte anzuvertrauen, am liebsten einem russischen. Und das alberne Geschwätz: „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, unsittliches Grimmsches Märchen, „sittlich" rekonstruirt nach — Bernstein." — Wollten Sie mit dieser Narrheit Lacherfolge erzielend Da würde ich Ihnen doch lieber raten sich als Clown anstellen zu lassen. Aber das war Ihr Ziel nicht, Sie wollten die Juden beleidigen. Ein Mensch, der uns jedes ästhetische und sittliche Gefühl abspricht, offenbart eine Gesinnung, die kaum noch mit dem Begriffe der Gemeinheit vereinbart werden kann. Was halten Sie von einem solchen Schriftsteller, Herr Pantzza d Sie vergleichen die goldene Kugel, die der Prinzessin in den Brunnen fällt, mit einem Darlehen und sprechen von Wucher und Wechsel mit einer Zunge, die nur für diese Worte geschaffen zu fein scheint. „Die Kugel läuft aber immer wieder zum Frosch im Brunnen zurück, d. h. die Wucherzinsen fressen das Darlehen zum größten Theile auf." 2c. rc. So schreiben Sie. Pfui, pfui, pfui! Wissen Sie, als Ahlwardt noch regierte, fiel mir einmal ein Sinnspruch ein, der lautet: „Der heut im Antisemitenheer der edle Führer ist, Ich wette, wenn er ein Jude war, er würde Antichrist." Das können Sie sich nun nach Belieben deuten, damit Gott befohlen! Briefkasten -er Redaction. Abonneut H. in Frankfurt a. M. Frage 1: Das deutsche Chasonus wird auf den im Mittelalter hier in Mainz lebenden, bedeutenden Rabbi, der unter dem Namen Maharil bekannt ist zurückgeführt (vgl. auch Vorwort zu Japhets „Synagogengesängen"). Frage 2 und 3: Ursprünglich war das polnische und das deutsche Chasonus so ziemlich identisch, da früher der Konex zwischen den in beiden Gegenden lebenden Juden ein viel größerer war, wie heute. Nach Herausbildung anderer Minhagim in den verschiedenen Ländern, mußte naturgemäß auch das Chasonus sich entsprechend ändern. So wird in Polen beispielsweise vieles von der Gemeinde recitirt, was in Deutschland der Chasan vorträgt und umgekehrt. Selbstredend muß hier auch das Chasonus ein verschiedenes sein. Frage 4: Von den Werken, die deutsches (Chasonus enthalten, ist das bekannteste in Norddeutschland, das von Baer in Gothenburg, in Süddeutschland, das von Japhet in Frankfurt a. M. Frage 5: Zu den hervorragendsten Vertretern des deutschen Chasonus zählt man: Die jüngst gestorbenen Sulzer-Wien, Lewandowsky-Berlin. Die beiden haben sich um eine zeitgemäße Umarbeitung des synagogalen Gesanges besonders verdient gemacht. Frage 6 : Altes Chasonus treffen Sie noch in den bekannten alten deutschen und österreichischen Gemeinden. In dem soeben erschienenen trefflichen Werke von Dr. Ackermann, Berlin. „Der Synagogale Gesang" (Siegmund Meyer, Trier) werden Sie weitere Auskunft über die Sie intereffirenden Fragen finden. M. I. T. Fulda. Wir verweisen Sie aus unseren Artikel „Mainz" in Nr. 29 unserer Bl. von diesem Jahre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.