Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1894)
- Date
- 1894-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448463--38926-2487054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1056 land im 17. Jahrhundert sich meist dort niedergelassen und so allmählich Verwandte oder Freunde aus der alten Heimat nach sich gezogen haben. In jenem Theile Londons hören sie ihr gewohntes „Jüdisch", finden sie Arbeit, die sie, wenn auch noch so unbewandert darin, verrichten können; stehen ihnen Synagogen und die damit verbundenen „Chevras" offen, erhalten ihre Kinder in der „Jew’s Free Selioolnicht nur freien Unterricht, sondern auch Kleidung und theilweise Verpflegung; hier liegt der zur Unterstützung der Armen errichtete jüdische „Board of Guardians“ und die jüdische Volksküche. Auch besondere Lebensmittel, an welche diese Fremden gewöhnt sind, und die sie schwerlich in anderen Theilen der Hauptstadt finden dürften, stehen ihnen hier zu Gebot. Eine andere Form des Zusammendrängens besteht in der Verrichtung bestimmter Handwerke. Das Schneider- und Schuhmacher-Handwerk, sowie das Unfertigen von Matrosenkletdern liegt zum großen Theil in den Händen der Juden, und Dank ihrer Ausdauer, ihrer Genügsamkeit und Zähigkeit sind sie im Stande, so billig zu arbeiten, daß die Concurrenz von einheimischen Arbeitern als ein Uebel empfunden wird. Da diese Einwanderer aber so wenig Bedürfnisse haben, fährt der Bericht fort, und da sie Dank den jüdischen Wohlthätigkeits - Einrichtungen den allgemein-städtischen nur sehr wenig zur Last fallen, so bleibt es schwer zu entscheiden, ob der Zuzug der Juden aus Polen und Rußland dem Lande zum Schaden oder zum Vortheil gereicht. > vermischtes. Berlin, 2. Juli. Eines der angesehensten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr M. Halle, Begründer der „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler für Unterstützung in Krankheitsfällen", feierte das seltene Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlässe ihm von Sr. Majestät dem Kaiser die EhejubiläumS-Medaille verliehen, von dein großen Kreis seiner Freunde und Verehrer mannigfache Ovationen dargebracht wurden. Pilse«, 24. Juni. Am 16. Mai d. I. hatte der Corporal Rudolf Egerer der 7. Comp, des hier garnisonierenden Infanterie-Regiments Nr. 73 gelegentlich der Detachirung des 2. Bataillons in das Falkenauer Kohlenrevier mit eigener Lebensgefahr einen Officiersdiener vom Tode des Ertrinkens gerettet. Für diese Thal wurde er mit dem silbernen Verdienstkreuze ausgezeichnet, und am vorletzten Samstag erfolgte die Decorirung des Wackeren. Um 9 Uhr Vormittags war das Regiment en platte unter dem Commando des Oberstlieutenants Elsner auf den Hof der großen Jnfanterie-Caserne ausgerückt. Der Oberst, Herr Julian Sloninka v. Holddow, richtete eine warm empfundene Ansprache an das Regiment, hierauf rief er den Corporal Rudolf Egerer, welcher sich am rechten Flügel der 7. Compagnie befand, vor die Front, richtete an denselben eine herzliche Ansprache und heftete demselben das Kreuz an die Brust. Das Regiment defilierte hierauf vor dem so ausgezeichneten Korporal. Dieser wurde von allen Offizieren des Regiments, in herzlichster Weise beglückwünscht. Woldenburg, 8. Juli. Der Streit zwischen den hiesigen Fleischern und der jüdischen Gemeinde ist noch nicht beigelegt. Die Fleischer zahlten für das Schächten der Rinder bisher den jüdischen Pultusbeamten drei Mark für jedes Rind, was jährlich etwa 1200 Mark ausgemacht haben soll, wofür die Juden dann das koschere Fleisch der Vorderviertel um 10 Pf. das Kilo theurer bezahlten. Schon früher hatten die Fleischer sich dagegen aufgelehnt, weil sie sich geschädigt glaubten, hatten aber stets nachgeben müssen, weil sich einzelne Fleischer fanden, die die beanstandeten drei Mark entrichteten. Jetzt hat jedoch die gesammte Innung sich laut notariellem Vertrage bei sehr hoher Geldstrafe verpflichtet, nicht wieder das Schächtgeld zu zahlen, dagegen das Schächten unentgeltlich zu gestatten. Da hier amtliche Fleischschau eingeführt ist, so glaubten die Fleischer vor auswärtiger Konkurrenz sicher zu sein und außerdem die Unterstützung aller nichtjüdischen Fleischabnehmer zu besitzen. Die Juden aber wollen den beregten Beitrag zum Gehalt ihres Beamten nicht einbüßen. Sie bestellen deshalb jetzt ihren gesummten Bedarf in Driesen und beabsichtigen auch, nötigenfalls selbst ein Schlachthaus zu bauen und einen eigenen Fleischer anzustellen, der an Jedermann verkaufen würde. Groß Wartevberg in Schl. Am 4. dieses Monats Tlön n"*l feierte der RabbinatSverweser und Kantor der jüdischen Gemeinde Hierselbst, Herr Löwenthal, das Fest der silbernen Hochzeit, verbunden mit dem Jubiläum seiner 25jährigen Amtsrhätigkeit. Die überaus zahlreichen Glückwünsche, welche von Nah und Fern eingingen, bewiesen recht deutlich in wie hohem Ansehen der Jubilar nicht nur in der Stadt Wartenberg selbst, sondern auch weit über die Grenzen derselben hinaus steht. Schon am frühen Morgen erschien beim Jubilar der gesammte Vorstand und eine Deputation als Vertretung der jüdischen Gemeinde, um ihm die Glückwünsche und ein Geschenk der Gemeinde zu überbringen. In kernigen, sehr sinnreichen Worten feierte Herr Di', med. Rothenberg den Jubilar als den Mann, dessen Bestreben es ist, Frieden und Eintracht zu säen, als getreuen seiner oft schweren Pflichten sich stets bewußten Beamten, als Förderer des religiösen Sinnes und als Wohlthäter seiner bedrängten Mitmenschen. Zahlreich war die Menge derjenigen, welche hierauf im Laufe des ganzen übrigen Tages gekommen waren, um den Jubilar zu beglückwünschen und ihre Anerkennung zu zollen. Am Abend vereinigte sich die gesammte jüdische Gemeinde im Schweizer'schen Saale zu einem gemüthlichen Zusammensein, um bei einem solennen Trunk ihren Kultusbeamten gemeinsam zu feiern. Auch mehrere auswärtige Gäste waren hierzu erschienen, und unter ihnen die berühmten Oberkantoren Herr Sedmar Cerini-Breslau und Herr S. Berliner-Kempten, und fast sämmtliche Kultusbeamten der benachbarten Gemeinden. Vorträge ernsten und heiteren Inhalt lösten einander ab, und nicht wenig trug Herr Cerini mit seinen meisterhaft ausgeführten Gesangsvorträgen zur Verschönerung des Abends und zur Verherrlichung des Jubilars bei. Bis zu den frühen Morgenstunden blieb die Festversammlung beisammen, von der jeder einzelne die Ueberzeugung hatte, daß dem Kuliusbeamten von seiner Gemeinde an seinem Ehrentage eine wohlverdiente, aber auch würdige Feier bereitet worden war. R. New A»rk. Im Kreise seiner Angehörigen und zahlreichen Freunde begeht Herr W. N. Loew, der bekannte Anwalt von 233 Broadway, New-Zork heute (29.6) seinen 47. Geburtstag. Herr Loew, der seit 1871 ein prominentes Mitglied des hiesigen Barreau ist, wurde 1847 in Papa in