Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1894)
- Date
- 1894-07-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1057 Ungarn geboren. Sein Vater war Oberradbi in Szegedin, während sein verstorbener Bruder Dr. Tobias Loew Oberstaatsanwalt-Substitut in Budapest war. Herr Loew war der erste, der die ungarische Literatur in Amerika einführte und seine Uebersetzungen von Petöfi und Vörösmarty ins Englische find Arbeiten, die einzig dastehen und die Anerkennung der ungarischen Academie fanden. Feuilleton. EsterKa, Königin von Uoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 14.) (Nachdruck verboten.) „Wenn der Pan von Wola hören wird", entgegnete der Bauer immer wieder, „daß ich ihn verklagt und gegen ihn gesprochen habe, so wird er mich peitschen lassen, mich und mein armes Weib, denn wir sind seine Leibeignen. Noch schlimmer wird es uns ergehen, wenn es der Pater Franziskus hört, denn er war es, dem ich die Leiche meines Kindes gegeben habe. „Er wird uns die Absolution verweigern; er wird uns verfluchen und wir werden in die Hölle kommen." Vergebens suchte Elischa mit beredten Worten dem Bauer klar zu machen, daß die himmlische Seligkeit und die Gnade Gottes nicht von den Worten eines Priesters abhänge. Vergebens bedeutete er ihn, daß er ja entfliehen könne zu den Grusiern, und daß es ihm dort weit besser ergehen würde, als hier unter der Herrschaft des Pan. „Ich kann mein krankes Weib nicht verlaffen", sprach der Bauer immer wieder, „und niemals werde ich aussagen gegen meinen Gutsherrn und gegen meinen Beichtvater." „Nun denn", rief Elischa, „so werde ich selbst zum König gehen und ihm Alles verkünden." „Und ich werde sagen, daß Ihr gelogen habt", entgegnete der Bauer, „tch will nichts wiffen von alledem, ich weiß nichts davon." Vergebens bat und flehte Elischa, vergebens bot er dem Leibeignen Gold in Menge an. Es war Alles umsonst. Der halsstarrige Bauer blieb bei seinem Worte und hoffnungslos mußte Elischa von dannen ziehen. Was sollte nun werden! Elischa sann und grübelte, auf welche Weise es möglich wäre, seine Braut zu retten, aber er fand keinen Ausweg. So kehrte er denn in tiefer Bctrübniß zu den Grusiern zurück, da die Zeit abgelaufen war, während welcher er fern bleiben durfte. Als der Fürst der Grusier das verstörte Antlitz des jungen Mannes erblickte, dem er stets wohl wollte, da frug er, was ihm geschehen sei, und Elischa erzählte ihm Alles. Der Fürst war empört über so viel Ruchlosigkeit und so viel Schlechtigkeit. „Ha", rief er aus, „tch werde mit den Meinen das Kloster überfallen und sie ausrotten, denn sie verdienen nicht, daß sie leben." „Wie danke ich Euch, edler Fürst für Eure Theilnahme", entgegnete Elischa, „aber thut nicht so, wie Ihr gesagt habt. „Wenn auch Euer Stamm mächtig ist, und Eure Helden tapfer, wie keine andren, so sind doch, verglichen mit der Macht Polens, die Euren nur gering an Zahl, und wenn der König seine Schaaren aufbietet wider Euch, so werden wir uns nicht halten können in diesem Lande und wir werden umkommen oder in die Ferne ziehen müssen. „Meine Stammesgenoffen aber werden dann erst recht verloren sein, denn ihnen wird man die Schuld beimeffen und man wird sie vertilgen von dem Erdboden. Aber um ein Anderes bitte ich Euch. Wenn meine Braut nicht zu retten sein wird, wenn das Gericht sie schuldig spricht, so will ich mit einer Reihe meiner Freunde sie aus der Mitte ihrer Bedränger entführen, und will sie zu Euch bringen. „Dann will ich Boten umherfenden im ganzen Lande, daß alle Juden Polens sich bereit halten mögen zur Wanderschaft. Wenn wir dann verloren sind in Polen, so gewährt uns eine Freistatt in Eurer Heimath in den Bergen. Gebt uns Aecker, die wir bebauen können und wir wollen Euch dienen, als gute Unterthanen." „So sei es denn", entgegnete der Fürst, „rechne auf meine Hilfe, und Alles, was ich für Euch thun kann, soll geschehen." Noch an demselben Tage schickte Elischa Boten umher im ganzen Lande und ließ verkünden, daß von jeder Gemeinde Abgeordnete kommen möchten, an einen Ort des Waldes, den er genau bezeichnete; es handelte sich um das Leben von allen Juden, die in Polen wohnten. Dann sammelte er diejenigen Juden um sich, die bei dem Stamme des Gori seßhaft waren. Es waren tapfere und tüchtige Männer. Es fällt uns heut zu Tage überaus schwer, uns in die damalige Zeit zu versetzen. Wenn wir uns heut zu Tage einen polnischen Juden vorstellen, so verbinden wir denselben mit dem Begriffe der Schwäche, der Niedergedrücktheit und des körperlichen Mangels. Nicht so war es in damaliger Zeit, denn diese Mängel sind erst durch das Jahrhunderte lange enge Zusammenwohnen vieler Juden und durch den Mangel an frischer Luft und genügender Nahrung entstan-