Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1894)
- Date
- 1894-07-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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jagt, so wird diese Sünde gerade durch Verbannung von dem heimischen Boden gesühnt, um uns zu zeigen, daß wir nicht die Herren des Bodens sind, der uns trägt und nährt. Daß auf diesen Cardinalvergehen die Strafe der Verbannung steht, ist an vielen Stellen der Thora ausdrücklich ausgesprochen. Zu erwägen bliebe nur noch der innere Zusammenhang zwischen dem Vergehen und der dafür festgesetzten Sühne. Der Anbetung fremder Götter, dem Liebäugeln mit fremden Gülten, konnte nicht besser als durch Verweisung unter die Völker entgegen getreten werden, unter welchen diese Götterverehrung heimisch ist. So lange Israel in nationaler Abgeschiedenheit in seinem Lande lebte, mochte ihm nur die glänzende, bestrickende Außenseite des Götterwahnes zugänglich gewesen sein. Wenn es aber erst unter den verschiedenen Götzendienern lebte und das Hohle, Rohe, Widernatürliche, das jedem Götzendienst anhaftet, durch und durch kennen lernte, so wäre diese Erkenntniß nicht zu theuer erkauft, wenn es auch auf Kosten der bitteren, leidvollen Erfahrungen des Exils geschehen mußte. In der That hat der Götzendienst in Israel mit der Rückkehr aus dem ersten, babylonischen Exil vollständig für alle Zeit aufgehört. Diesem Zusammenhang zwischen dem Götzendienst und dem zu seiner Sühne bestimmten Ezile dürften folgende Worte im 38. Gap. von Aboth di Rabbi Nathan Ausdruck geben: »jn n« Dffoya antn orwi ^mi n"2p.i iön ns »mDtym *iöw -pb Diay nw v'vr oipan ddhs .d2thö2 Daß geschlechtliche Entartung den Verlust des heiligen Landes nach sich zieht, war Israel bekannt, schon bevor es einen Fuß auf dessen Boden gesetzt hatte. Diese Entartung war es ja, welche den längeren Aufenthalt der Ureinwohner Kanaans nicht länger duldete. Die Heiligkeit des heiligen Landes speit die Einwohner aus, welche die sittliche Reinheit durch solche Entartung trüben. Wer sich dieser Entartung hingicbt, hat damit auf das heilige Land Verzicht geleistet. Wo geschlechtliche Ausschweifung herrscht, hat die Herrlichkeit Gottes keinen Raum mehr (Aboth di R. Nathan, ibiä.) l'SnB bw&v IDT ^>2 'DV '21 12 '21 1DX nny 12 hnt idww Drvi'Oö np^nDQ nvijn . “j’insD 221 121 Daß der Mord das heilige Land geradezu verunreinigt und den Mörder nicht in seinem Bereiche duldet, wird wiederholt bündig ausgesprochen. Aber auch davon abgesehen, dürfte es gegen feindseligen, selbst vor Blutvergießen nicht zurückschreckenden Menschenhaß kein besseres Heilmittel geben als die Verweisung in die lieblose Fremde. — Thatsache ist, daß die sühnende Kraft des Exils sich an der jüdischen Gesammtheit hinsichtlich dieser Cardinalsünden in ganz unverkennbarer Weise bewahrt hat. Der Götzendienst hat vollständig schon seit Jahrtausenden aufgehört, daß sich unter den Juden ein Mörder finden sollte, ist eine ganz ungewöhnliche Abnormität und auch was die geschlechtliche Reinheit betrifft, so können die Exilisten den Vergleich wohl mit allen anderen aushalten. Nichtsdestoweniger oder vielleicht gerade deshalb bietet der Hinweis auf die Vergehungen, durch die wir unser Exil verschulden, eine Fülle von fruchtbaren Anregungen, von welchen hier einige folgen mögen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wericht. N Jair Chajjim Bacharach (1638—1702) und seine Ahnen. Von Prof. Dr. David Kaufmann. Trier, Sigmund Mayer 1894. Das obengenannte neueste Werk des auf dem Gebiete der jüd. Geschichte unermüdlichen Forschers: Prof. Dr. David Kaufmann, stellt sich zur Aufgabe die Biographie des im Leipniker Ghetto geborenen berühmten Gelehrten R. Jair Chajjim Bacharach mit neuen interessanten Daten zu ergänzen, und zugleich einen Beitrag zu liefern zur Geschichte vieler österreichischen-deutschen und polnischen Gelehrten und Gemeinden im 16, und 17. Jahrhundert. Ein Schatz von Wissen und viel werthvoller Stoff zur jüd. Litteratur und Culturgeschichte und Genealogie sind in diesem Werke niedergelegt. Alles in einer künstlich gegliederten Ordnung und erhabenen Sprache, die wir in allen Werken dieses berühmten Gelehrten nicht genug bewundern können. Prof. Kaufmann hat zuerst die Aufmerksamkeit der gelehrten Kreise durch seine im „Ozar beth hasifruth“ veröffentlichten Artikel auf den reichen Inhalt der jüd. Gemeindearchive in Eisenstadt, Proßnitz, Düsseldorf etc. gelenkt, und in diesem II. Bande seines Werkes „Zur Geschichte der jüdischen Familien" zeigt uns der Verfasser wieviele werthvolle Acten in dem Gemeindearchiv zu Worms aufgehäuft sind; eine wahre Fundgrube, von großer Wichtigkeit für die Bearbeitung und Erweiterung der jüd. Geschichte. Der Name R. Jair Chajjim Bacharach's ist allerdings ein wohlbekannter. Weniger bekannt ist das Leben und Wirken dieses Gelehrten, weil bis jetzt sich noch keiner fand, der seine volle Aufmerksamkeit demselben zugewendet hätte. Was man von ihm wußte, beschränkte sich auf einige Daten, welche hie und da in seinem Werke und in den Werken seiner Zeitgenossen enthalten sind. Selbst