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Der Israelit · 1894-07-16 · Heft 56 (16.7.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 56 (16.7.1894)
Date
1894-07-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1045 p by Drvnrn vroyn» D^nT nain rmn „Jerusalem ist zerstört worden, weil sie überall aufs strenge Recht der Thora drangen!" — Ein Unrecht, daS antisemitische Preßbüberei begeht, kann nicht dadurch gesühnt werden, daß ein Collegium von drei Männern, welche Richterämter bekleiden, es als solches anerkennt. Aber die öffentliche Meinung kann über die Qualifikation ihrer Vergifter irre geleitet werden, wenn ein Gericht etwas freispricht, freisprechen muß, über dessen Verwerflichkeit und Unlauterkeit Niemand in Zweifel sein kann. „Taktlosigkeit" ist das mildeste Verdikt, das man über dieses Gebühren des hiesigen Central- Vereins fällen kann. — Es wäre an der Zeit, daß dieses Bewußtsein, von dem hier viele jüdische Kreise durchdrungen sind, in recht energischer Weise zum Ausdruck gelange. Literarische Umschau. 8. Eine ebenso schön geschriebene wie gründlich gelehrte Studie liegt in der 136 Seiten umfassenden Schrift von L. K. Amitai unter dem Titel „Romain» et Juifs“ (Paris 1894. Fischbacher.) vor uns. Diese Studie behandelt die öffentlichen und privaten Beziehungen zwischen Römern und Juden von ihrem ersten Zusammentreffen bis zur Eroberung Jerusalems durch Titus. Der Verfasser setzt seinem Buche das bekannte „Vae victis“ voran, und in der That ist dieses Wort die einzige richtige Erklärung nicht nur für die Verfolgungsgeschichte der Juden von der ersten Einmischung Roms in die innern Angelegenheiten des jüdischen Staates bis auf die Gegenwart, sondern, was vielleicht noch schwerwiegender ist, für die Beurtheilung in der Geschichtschreibung, welche Juden und Judenthum sich gefallen lassen mußte. Der Auflösungsprozeß des jüdischen Staates fällt mit der Entstehung des Christenthums zusammen, Grund genug, daß diese hochbedeutende Epoche eine große Anzahl von Männern fand, die ihre Geschichte zum Gegenstand ihrer Studien machten. Gelehrte Geschichtsforscher und Theologen bemächigten sich dieses intereffanten Stoffes, den sie aber zumeist vom römischen oder vom christlichen Standpunkt aus beurtheilten. So wurde den eigentlichen Helden jener Zeit, die aber die besiegten waren, den Juden, die haffenswerthe Rolle der Verräther zugewiesen und sie somit nach Lust angeschwärzt und verleumdet. Der Verf. will nun für die Gefchmäheten elntvcien und auf Grund historischer Beweise darlegen, daß sie zu unrecht geschmäht worden; er braucht nur die Geschichte an sich reden zu lassen, er bedarf ntchtZdes Raisonnements um zu beweisen, wie das „Vaevictis“! den Juden gegenüber voll und ganz zur Geltung gekommen ist. Seine Aufgabe löst der Verf. mit Takt und Geschicklichkeit; an der schönen Darstellung und der Tiefe Gedanken wird jeder Leser seine Freude haben. — Einen werthvollen Beitrag zur Geschichte der Juden in Schlesien veröffentlicht Dr. Louis Neustadt unter dem Titel „Die letzte Vertreibung der Juden in Schlesien". (Breslau 1893.) Es sind 4 Briefe, die zur Abwehr einer Gefahr, welche den Juden in Oberschlesien drohte, geschrieben wurden. Der vom Markgrafen Georg von Brandenburg zum Aeltesten der oberschlesischen Juden ernannte Abraham Hirsch von Leobschütz wurde infolge einer falschen Beschuldigung, deren Geständniß dem Angeklagten durch die Folter erpreßt war, am 9. Mai 1535 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Gleich darauf wurden die übrigen Juden der markgräflichen Fürstenthümer gefangen gesetzt. Es war dies das Vorspiel ihrer Vertreibung. Von den Gefangenen ergehen zwei Briefe, die Hilfe erbitten, an die Gemeinde Frankenstetn und an angesehene Glaubensgenossen in Oels, ein Brief von Rabbinen in Kremsier und einer von der Deputation, welche die oberschlesischen Gemeinden an den Hof des Markgrafen nach Ansbach gesandt hatten. Viel nützten diese Kraftanstrengungen nicht; die Juden wurden einige Jahre darauf, und zwar, wie der Verf. auf anderweitige Acten gestützt, annimmt, im Jahre 1539 aus Schlesien vertrieben. Dem Verf. ist es gelungen, die Briefe, die manche Schwierigkeiten bieten, richtig zu erläutern und aus ihnen einige bis jetzt unsichere Daten festzustellen. — Nachdem Dr. M. Stern in seinem vorjährigen Schulprogramm seine aktenmäßig dargestellte Geschichte von der Begründung der jüdischen Gemeinde in Kiel geschlossen — wir haben die inzwischen in Buchform im Zusammenhang erschienene Schrift s. Z. an dieser Stelle besprochen — begleitet der fleißige Forscher seinen diesjährigen Schulbericht mit den „Nürnberger Judenbürger-Listen des Mittelalters". Allerdings sind es auf den ersten Blick nur Namen, aber in diesen Namen steckt ein weitschichtiges geschichtliches Material, und ein Forscher, wie der Vers., weiß diese stummen Namen und Zahlen zum Sprechen zu bringen. Wir dürfen also mit berechtigter Spannung den Untersuchungen des Verf. entgegensehen, die er uns über diese Namen in Aussicht stellt, und die als 3. Heft seiner Studien über „Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte" unter dem Titel „Nürnberg im Mittelalter" demnächst erscheinen werden. — Für den Freund des jüdischen Schulwesens wird die Schrift „E ntwickelungsgeschichted er israelitischen Gemeindeschule zu Riga" von

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