Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-07-16 · Heft 56 (16.7.1894) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 56 (16.7.1894)
Date
1894-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448462--38909-2487036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1040 zahlt und damit eine Prämie auf den Religionsschacher gesetzt haben. Wenn Recht Recht wäre, müßten diejenigen, wegen Verächtlichmachung des Christenthums bestraft werden, welche für den Uebertritt zu ihm, Geld offeriren! Wenn zwei ihre Pferde, Uhren, Religionen oder sonst was immer vertauschen, und ich weiß nicht, wer von beiden das wertvollere Objekt hatte, so brauche ich nur darauf zu achten, wer dem anderen zu dem Gegenstände noch Geld gibt, besten Objekt ist dann das minderwertige. Und wenn ein Jude sein Judenthum gegen das Christenthum hingibt, und er zu seinem erlangten Christenthum noch Geld dazu bekommt, hat dann derjenige, der das Geld zahlt, nicht das Christenthum öffentlich herabgewürdigt? Wenn fromme Christen schlechte Juden zu einem solchen „Geschäftchen" verführen, wer ist dann von beiden der bestere? Rußland. Petersburg. Wie der Noworossiiskij Telegraph meldet, wird die Stadt Aalta in der Krim demnächst dem Wirkungskreise der russischen Staatspolizei entzogen und dem Reffort der Hofpolizei deS Ministeriums des kaiserlichen Hauses unterstellt werden. Auch Peterhof und Gatschina sind seinerzeit der Hofpolizei unterstellt worden, weil sich die Nothwendtgkett ergab, die kaiserlichen Residenzen einer verschärften Beaufsichtigung zu unterziehen. Nun kommt Aalta, in besten Nähe sich das bekannte Sommerschloß des Czars, Livadia, befindet. Diese Maßnahme reiht sich an den bekannten Beamten- UkaS des Czars und an die Ernennung des wachhabenden Generals an, Maßregeln, welche den Zweck haben, die Person des Kaisers und der kaiserlichen Familie mit einer erhöhten Sicherheit zu umgeben. Für die Stadt Yalta selbst jedoch und deren Fremdenverkehr dürfte allerdings die geplante Auslieferung der Stadt an die Hofpolizei unangenehme Folgen nach sich ziehen. Auch die Juden sind wieder in Mitleidenschaft gezogen, da nach den Bestimmungen des Hofministeriums den Juden der Aufenthalt in den der Hofpolizei unterstellten Ortschaften untersagt ist. Feuilleton. Estrrka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 13.) (Nachdruck verboten.) IV. Einige Stunden waren nach dem eben Erzählten vergangen, als Elischa mit einigen feiner Freunde an dem Hause Jehoschua's, das nun verlaffen da stand, anlangte. Der Diener, der ihm hatte melden sollen, daß der Pan von Wola dem Rabbi und seiner Tochter Rache geschworen hatte, fand die Gruster nicht mehr an dem alten Lagerplatze vor, da sie schon einige Meilen weiter nördlich gezogen waren. Als er dann Elischa auffand und ihm Alles erzählte, da war der junge Arzt sofort erfüllt von Angst und Sorgen, denn er kannte den Pan von Wola sehr gut und wußte, daß er wohl im Stande sei, einen einmal gefaßten Racheplan bis auf's äußerste durchzuführen. Sofort erbat er sich Urlaub von dem Fürsten des Stammes, sammelte einige Freunde und begab sich auf schnellen Pferden zu dem Hause Jehoschua's. Doch es waren schon einige Stunden vorüber, seitdem die Beiden abgeführt waren, als Elischa eintraf. Er fand nur das verlassene Haus und Niemand rings umher konnte ihm Auskunft geben, was geschehen sei, denn die Juden des kleinen Ortes befanden sich alle in der Synagoge und flehten im heißen Gebet zu Gott, daß er die ungeheure Gefahr, die über Rabbi Jehoschua's Haupt sowohl, als über ihren eigenen Häuptern schwebte, abwenden möge. Hier erst erfuhr dann Elischa, wie alles zugegangen war, und welche ungeheuerlichen Behauptungen man gegen seine Braut und ihren Vater erhoben hatte. Wo aber war Rettung zu finden? Wo war Hülfe zu suchen? Selbst wenn König Kasimir in seiner allbekannten Gerechtigkeitsliebe dem Drängen der Edelleute nicht nachgab und die Angeschuldigten vor ein ordentliches Gericht stellte, selbst in diesem Falle konnte es kaum ausbleiben, daß eine Verurtheilung der Unschuldigen erfolgen mußte. Hatte man doch scheinbar alle Beweise dafür, daß Rabbi Jehoschua der Mörder war und zu alle dem hatten sich noch falsche Zeugen gefunden, die bereit waren auszusagen, daß sie das Entsetzliche mit angesehen hätten. Aber auch in der Gemeinde wußte Niemand Rath, sie alle wandten sich mit Bitten und Flehen an Elischa, daß er sie errette aus dieser Noth. Der junge Arzt hieß sie in der Synagoge zu verbleiben und fortzufahren mit Bitten, vielleicht, daß dann Gott noch Rath und Hülfe schicken würde, wenn auch nach menschlichem Ermessen Alles verloren wäre. Allein kehrte Elischa nach dem verlassenen Hause Rabbi Jehoschua's, zurück. Sorgfältig untersuchte er die Fußspuren, die dem weichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.