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Der Israelit · 1894-07-16 · Heft 56 (16.7.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 56 (16.7.1894)
Date
1894-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m 1041 Boden aufgedrückt waren und er schlug den Weg derselben ein, bis er nach der Stelle gekommen war, wo man die Leiche des Kindes gefunden. Die geronnenen Blutspuren, die noch am Platze vorhanden, zeigten ihm deutlich den Ort. Und dann verfolgte er dieselben weiter und immer weiter, und er stieß einen Schrei des Zornes und der furchtbarsten Entrüstung aus, als er fand, daß sie sich in dem Hofraum des Klosters verloren. Von hier also waren diese schrecklichen Anschuldigungen ausgegangen. Irgend einer der Mönche hatte wohl, verführt von blindem Hasse jene grauenhaften Anklagen erhoben. Nein, das war ja nicht möglich, so weit konnte sich kein Mensch vergessen. Was hätte irgend einer der Mönche für einen Grund haben sollen, daß er einen armen Juden in's Verderben stürzte, vielleicht aus Haß gegen die Juden im Allgemeinen, da es ja doch wahrscheinlich oder doch fast sicher sein mußte, daß alle Juden im Lande getötet werden würden, wenn es zu einer Verurteilung von Rabbi Jehoschua und Esther kam. Wenn ein solcher Haß auch vielleicht vorhanden war, Elischa war dennoch der Ueberzeugung, daß er nicht genügte, um ein so furchtbares Verbrechen zur Ausführung zu bringen. Es mußte unbedingt irgend ein andrer Grund mit im Spiele sein und dieser war leicht zu vermuthen. Hatte doch der Pan von Wola Rache an Esther geschworen; dieser also würde wahrscheinlich den Mönchen zu der Unthat veranlaßt haben. Ja dann war alles klar, so mußte es gewesen sein. Wie aber es beweisen? Der junge Arzt eilte den Weg zurück, bis er in das Dorf gekommen war, in welchem Rabbi Jehoschua gewohnt hatte. Dort begab er sich zu einem Händler und ließ sich die Tracht desselben sowie das Taburett geben, das mit Bändern und Spitzen und mit allerlei Gegenständen für den gewöhnlichen Bedarf gefüllt war. In dieser Verkleidung kehrte er in das Kloster zurück, und begann im Hofe desselben vor den Laienbrüdern, die dort arbeiteten, seine Herrlichkeiten auszukramen. Die Laienbrüder fanden, daß der Jude sehr bübsche, und vor allen Dingen sehr billige Maaren hatte. Sie kauften ziemlich viel bei ihm, und bald gerieth er in eine Unterhaltung mit einem derselben. „Braucht Ihr nicht Spielzeug für ein Kind?", fragte er ihn, „habe ich doch sehr billiges und schönes Spielzeug" und er hob aus feinem Kram Einiges empor und ließ es in der Sonne glänzen. „Aber Jude", rief der Laienbruder, „wie sollen wir hier im Kloster Ktnderspielzeug gebrauchen, bist du toll, uns dergleichen anzubieten?" „Nun, ich meine doch, ich habe doch gesehen, ein Kind ist herein gekommen gestern in der Früh", entgegnete Elischa. „Der Jude ist verrückt", rief einer der Diener, „er will uns Spielzeug verkaufen für das tote Kind des Bauern Gregorski." „Todt ist eS?" fragte Elischa, „das arme Kind, Gott schenk ihm die ewige Ruh." „Wie so ist es denn gestorben, das Würmchen?" „Was weis ich, woran es gestorben ist", rief der Laienbruder wieder. „Gregorski hatte es gestern in der Frühe gebracht, damit wir es in heiliger Erde begraben sollen, und das ist geschehen, und nun rede weiter keinen Unsinn, sondern zeige uns deine übrigen Maaren." Aber die Maaren, die die Mönche von jetzt ab von dem Juden vorgezeigt bekommen, waren viel theurer, als die andern von vorhin, und keiner mehr wollte Etwas kaufen und sie trieben mit Lachen und Spotten den Juden aus dem Klosterhofe hinweg. Kaum hatte Elischa den Raum des Klosters verlassen, als er den schweren schleppenden Tritt eines Krämers, den er bisher nachgeahmt hatte, aufgab und mit schnellen Sprüngen dem Walde zueilte. Hier setzte er das Taburett auf den Boden und eilte weiter fort nach jenem Dorfe, wo er wußte, daß der Bauer Gregorski wohnte. Der Zufall wollte ihm günstig; er fand den leibeignen Bauern auf dem Felde bet der Arbeit. „Gregorski" rief er ihn an, „kennt ihr mich noch?" Der Bauer schaute auf: „Ah! Ihr seid es Elischa. Wie sollte ich Euch vergessen haben. Habt Ihr mir doch vor einem Jahre betgeftanden bei der schweren Krankheit meines Weibes. Ich danke Gott, der Euch wieder des Weges daher geführt hat, denn auch jetzt ist mein Weib krank und viel kränker als sie damals war." „So kommt mit mir in Eure Hütte, so will ich sehen, was ich für sie thun kann." Der Bauer ließ sein Werkzeug auf dem Felde liegen und sie gingen zusammen in die Hütte desselben, wo auf einem übelduftenden Heubündel ein krankes und abgezehrtes Weib lag. Als Elischa die Kranke sah, da erwachte der Arzt in ihm und er vergaß für den Augenblick alles Uebrige. Mit großer Sorgfalt untersuchte er die Kranke, aber was er da sah, konnte ihn wenig befriedigen. ’/h T’-.i. V; V \

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